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Facebook Jobs: Das halten österreichische HR-Startups von der neuen Konkurrenz

Facebook Jobs. © Facebook
Facebook Jobs. © Facebook

Am Montag hat Facebook sein eigenes Job-Portal auch in Österreich gestartet. Unternehmen können seitdem auf der Plattform Jobanzeigen schalten und wie andere Beiträge von Unternehmens-Pages bewerben. Interessenten können sich direkt über Facebook bewerben und über den Messenger mit den Unternehmen in Kontakt treten. Das Angebot ist vor allem auf Regionalität ausgelegt: Unternehmen sollen über Facebook besonders einfach Jobsuchende in ihrer Umgebung ansprechen können.

„Grundsätzlich ist es immer spannend wenn IT-Riesen wie Facebook und Google das eigene Vertical attackieren“, findet Daniel Laiminger, CEO von Hokify, das sich auf die Jobsuche auf Smartphones („Tinder für Jobs“) spezialisiert hat. Österreichische HR-Startups sehen sich durch die neue Konkurrenz durchwegs nicht bedroht.

„Facebook und Google könnten Markt auf den Kopf stellen“

Neben Facebook ist ja auch Google vor kurzem in den Jobmarkt vorgedrungen. Diese beiden Kolosse haben natürlich das Potential, den Markt auf den Kopf zu stellen. In erster Linie sind hiervon aber die klassischen Jobbörsen betroffen, auf deren Geschäft die beiden neuen Konzepte primär abzielen“, sagt Firstbird-CEO Arnim Wahls auf Nachfrage von Trending Topics. Da sich Firstbird auf die Empfehlung neuer Mitarbeiter durch bestehende Angestellte konzentriert, sieht Wahls Facebook und Google im Jobmarkt noch „gelassen“ entgegen, wie er betont. Günther Strenn sieht ebenfalls „keine Überschneidung“ mit seinem Headhunting-Startup JobRocker: „Wir verdienen mit Placements bzw. Besetzungen unser Geld und Facebook Jobs ist zu Beginn eher für Minijobs im Verkauf oder in der Gastro geeignet“.

Auch myVeeta-CEO Jan Pichler sieht in Facebook Jobs eher eine Bedrohung für klassische Jobportale, als für seine Plattform für Online-Bewerbungen. „Facebook und Google haben eine extrem günstige Kostenstruktur, eine enorme Reichweite und müssen mit Stellenanzeigen zumindest noch kein Geld verdienen, weil sie ein anderes profitables Kerngeschäft haben“, zählt er die Vorteile auf.

Facebook ist für Nutzer keine Job-Plattform

Facebook und Google mögen aufgrund ihrer Reichweite einen klaren Startvorteil gegenüber klassischen Jobportalen haben, der fehlende Fokus auf das Vertical bringt aber auch Nachteile mit sich. Die meisten Facebook-Nutzer werden die Plattform nicht als primären Jobvermittler adaptieren, ist etwa Laiminger überzeugt: „Ähnlich wie es bereits bei diversen anderen Verticals (Marketplace) der Fall war, werden neue Features zu Beginn sehr aktiv promoted, aber verschwinden dann oft auch sehr schnell wieder von der prominenten Platzierung innerhalb der Facebook App“. 

Einige der HR-Startups haben bereits selbst mit Facebook als Plattform für Jobanzeigen experimentiert und dabei nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Whatchado-CEO Jubin Honarfar: „Da wir gerne selbst Neues ausprobieren, haben wir auch bei Facebook Jobs mitgemacht und im ersten Wurf gesehen, dass leider die Qualität der Bewerbungen zu Wünschen übrig lässt, da die Bewerbung durch den User ja recht einfach funktioniert und man deshalb eine Flut an Bewerbungen erhält, um die sich ja jemand kümmern muss“. Whatchado ist eine Videoplattform zur Berufsorientierung. 

Beruflich und privat auf Facebook schwer zu vereinbaren

Zudem hat es Nachteile, wenn sich Jobsuchende direkt über Facebook bewerben. Hokify hat schon früher mit der API von Facebook experimentiert. „Wir haben das schnell wieder abgedreht, da sich viele Profildaten von Facebook nicht für professionelle Lebensläufe eignen, etwa das Profilbild“, erklärt Laiminger. Außerdem habe sich herausgestellt, dass Bewerber ihr Facebook-Profil nicht gerne mit Arbeitgebern teilen wollen. Hier sieht auch Strenn eine Schwachstelle: „Privat und beruflich unter einen Hut zu bringen, ist für Facebook sicher eine neue Herausforderung“. Und selbst wenn Facebook das gelingt, sollten Unternehmen, die den Bewerbungsprozess über Facebook anstoßen, die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) bedenken, ergänzt Pichler.

Social Media sei dennoch aus dem Recruiting nicht wegzudenken, sind sich die Startups einig. Whatchado experimentiert beispielsweise mit Videoformaten. „Wir haben vor wenigen Wochen ein Kurzformat für die Besetzung von Jobs über Facebook Video getestet und der Outcome war sensationell“, erzählt Honarfar. Mit 400 Euro Budget hat es Whatchado auf zehn qualitative Bewerber gebracht und in nur vier Wochen zwei Positionen besetzt.

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