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F8-Konferenz: Facebook greift Tinder mit eigenem Dating-Dienst an

Zuerst der Cambridge-Analytica-Skandal, dann Mark Zuckerberg mit ins Gesicht geschriebener Reue vor dem US-Kongress, und dann der Austritt von WhatsApp-Gründer Jan Koum aus dem Unternehmen (Trending Topics berichtete): Die große Facebook-Entwickler-Konferenz F8 startet dieses Jahr unter keinen guten Vorzeichen. Auch aus Österreich sind zahlreiche Developer angereist, um sich in San Jose in Kalifornien von der Führungsriege des Internet-Konzerns erzählen zu lassen, was man künftig mit Nutzerdaten und Software machen kann – und was nicht.

„Das war ein intensives Jahr für uns“, sagt Mark Zuckerberg in seiner Eröffnungsrede der F8. Er beteuerte wie schon zuvor, wie wichtig ihm der Kampf gegen betrügerische Wahlwerbung, Fake News und für Datensicherheit wäre. Mit „Clear History“ kündigte Zuckerberg ein neues Tool an, mit dem Nutzer ihre Browsing-Historie in Apps und Webseiten löschen können, die Facebook-Werbung oder Analyse-Tools verbaut haben. Zuckerberg warnte aber auch, dass das das Surf-Erlebnis verschlechtern könne, weil man sich dann neu in Apps einloggen müsste oder Webseiten nicht volle Funktionalität hätten. Was er wieder nicht beantwortet: Wie Nichtnutzer oder ausgeloggte User von Facebook durchs Netz getrackt werden.

Neuer Fokus auf Dating

Doch trotz der Rückschläge will sich Zuckerberg nicht einschüchtern lassen. „We will keep building“, lautet seine Botschaft an die versammelte Entwickler-Community. Eines der wichtigsten neuen Produkte wird Dating sein – eine Funktion, mit der Facebook in direkte Konkurrenz zu Tinder, Bumble und Co geht. Laut Chris Cox, Chief Product Officer von Facebook, soll dieses Feature „Opt-in sein“. Entscheidet sich ein User für die Nutzung, werde in dem Dating-Profil nur der Vorname angezeigt und sei nur sichtbar für andere Dating-Willige in der eigenen Umgebung, die keine direkten Facebook-Freunde sind.

Die Facebook-Freunde würden nicht sehen, dass man ein Dating-Profil angelegt hat, und auch im Newsfeed werde das nicht vermerkt. Eine eigene Inbox, die nicht mit Messenger verschränkt wird, soll Direktnachrichten zwischen Flirt-Willigen ermöglichen. Die Matches sollen auf Basis von Nutzerdaten hergestellt werden – etwa gemeinsame Interessen, Teilnahmen am gleichen Event oder gemeinsame Kontakte. Gibt man im Dating-Profil an, dass man an einem Event teilnimmt, kann man nachschauen, welche Dating-willigen Personen ebenfalls an der Veranstaltung teilnehmen. Ob es ein doppeltes Opt-in („Match“, beide Seiten geben per Swipe an, dass sie chatten wollen), ist noch unklar. Laut Cox soll die Funktion in den nächsten Monaten freigeschaltet werden.

Dass Facebook Apps von anderen Internet-Firmen nachbaut, die am Markt erfolgreich sind, ist nichts Neues. Mit „Marketplace“ hat das Social Network etwa einen Bereich geschaffen, der stark an Online-Marktplätze wie Shpock oder willhaben.at erinnert (Trending Topics berichtete). Ob Nutzer ausgerechnet Facebook nutzen wollen, um Dates zu finden, bleibt abzuwarten. Auch „Marketplace“ war bis dato noch kein durchschlagender Erfolg und hat Konkurrenten nicht geschadet. Wie das Dating-Feature monetarisiert werden wird, ist nicht klar. Gut möglich, dass ähnlich wie bei Tinder native Werbung zwischen die Dating-Profile gemischt werden.

Videocalls für Instagram und WhatsApp

Facebook treibt auch die Funktionalität seiner beiden Tochter-Apps Instagram und WhatsApp voran. Über die Messaging-App WhatsApp werden täglich mittlerweile 65 Milliarden Nachrichten pro Tag versendet, und das Stories-Format „Status“ soll von 450 Millionen Nutzern täglich verwendet werden. Beliebt ist auch die Videocall-Funktionen, zwei Milliarden Videotelefonate werden täglich über WhatsApp durchgeführt. Außerdem sollen mittlerweile drei Millionen Nutzer die grüne Messaging-App verwenden, um mit Unternehmen zu kommunizieren.

In den nächsten Monaten sollen auch Gruppen-Videoanrufe dazukommen, dann kann man mit drei anderen Nutzern in Live-Videos kommunizieren. Was auch noch einmal betont wurde: Bei WhatsApp versendete Nachrichten oder Ortungsdaten werden nicht auf den Facebook-Servern gespeichert. Auch Instagram wird um weitere Funktionen ausgebaut. Die bei jungen Menschen populäre Foto- und Video-App wird um Videocalls zwischen zwei Nutzern erweitert.

300.000 Bots für Messenger

David Marcus (hier im Interview mit Trending Topics) lobte anschließend die Entwicklung von Messenger. Es gebe mittlerweile 300.000 Chatbots auf der Plattform, acht Milliarden Nachrichten würden zwischen Nutzern und Unternehmen monatlich hin- und hergesendet werden. Eine neue Funktion: Messenger soll künftig Übersetzungen machen können, begonnen wird mit „Engisch – Spanisch“. Wie auch Instagram sollen AR-Features für Messenger freigeschaltet werden. Damit können Nutzer ihre Instagrtam-Stories und Entwickler ihre Messenger-Chatbots um Augmented-Reality-Funktionen anreichern.

Außerdem soll die Wartezeit für Chatbot-Entwickler vorbei sein. Wie berichtet ließ Facebook vorübergehend keine neuen Chatbots mehr zu, weil bestehende Bots auf ihre Zugriffe auf Nutzerdaten überprüft werden mussten. Ab sofort würde man wieder neue Bots aufnehmen, allerdings werden diese genau geprüft.

VR-Brille ab 219 Euro

Ab sofort verkauft Facebook auch die Virtual-Reality-Brille „Oculus Go“ ab 219 Euro (auch in Österreich, der Schweiz und Deutschland erhältlich). Das Besondere des Headsets: Es kommt ohne Smartphone oder Computer aus, mit dem oft andere VR-Brillen gekoppelt werden müssen. Für das Gerät, das vom chinesischen Hersteller Xiaomi fabriziert wird, stehen rund 1.000 Apps bereit, davon viele Spiele. Um sie zu laden, braucht man keinen Facebook-Account, muss sich aber im Oculus Store anmelden. Erste Tester wie Golem.de sind recht angetan von dem Gerät, auch wenn es bessere am Markt gibt.

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