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Fabico: Wie ein Wiener Unternehmer die sozialen und ökologischen Probleme der Kaffeekapseln löst

© Gerry Frank
© Gerry Frank

Das Unternehmen Fabico von Geschäftsführer Mario Tutic hat sich der Liebe zum Kaffee und zur Umwelt verschrieben. Fabico steht für „Fair Bio Coffee“ und will die drängendsten Probleme der Industrie nachhaltiger lösen als die global agierenden Konkurrenten. Konzerne – allen voran  Nespresso aus der Schweiz – haben den Kaffeemarkt in der westlichen Welt durch die Einführung der Kapselsysteme nachhaltig verändert.

Patentierte Bio-Kapsel und Fairtrade-Kaffee

Wie soziale und ökologische Probleme im Geschäft mit Kaffee gelöst werden können, will Tutic zeigen. Seine komplette Zulieferkette des Wiener Unternehmens weißt eine positive Ökobilanz aus. Die Kapseln bestehen ausschließlich aus Biokunststoff (Maisstärke) sowie einem Aromaschutz aus Bagasse (Zuckerrohr). Die Kapseln sind mit jeder Kapselmaschine kombinierbar und werden überall dort vollständig kompostiert, wo Bakterien existieren – also etwa im Erdboden, in Süß – und Salzwasser, in Hauskompost oder Biomüll. Es entsteht wertvoller Biostoff.

Die verwendeten Bohnen stammen von Fairtrade-Kleinbauernkooperativen. Das Fairtrade-Zertifikat ermöglicht den Bauern in den Anbaugebieten durch fixe Abnahmequoten und langfristige Handelsbeziehungen stabile Preise und schafft durch Gemeinwohl-Projekte sozialen Frieden in den Dörfern und Kommunen der Bauern. Damit löst Fabico zwei der drängendsten Probleme der Kaffeeindustrie. Das konsequente Konzept der Müllvermeidung setzt sich auch im Fabico-Shop fort: Die Pappbecher, die über den Tresen gehen, sind zu 100 Prozent kompostierbar. Das Unternehmen produziert auch Kaffeemaschinen, die weniger Strom verbrauchen als die Konkurrenzprodukte.

Jeder konsumiert im Schnitt 8,3 Kilo Kaffeebohnen pro Jahr

Die bunten Kapseln mit den zugehörigen Maschinen haben den klassischen Filterkaffee als Zubereitungsart binnen zehn Jahren abgelöst. Seit der Markteinführung der Stecksysteme mit den kleinen Plastikbehältnissen ging der Gebrauch von Filteraufsätzen in österreichischen Haushalten  von 74 auf 33 Prozent zurück. Obwohl das Kilo Nespresso-Kapseln hochgerechnet 84 Euro kostet – gegenüber 12 bis 29 Euro für ein Kilo Bohnen. 2016 gaben Konsumenten erstmals mehr Geld für Kapselsysteme als für traditionellen Röstkaffee aus. Convenience is king.

Und die Margen sind riesig. Denn der weltweite Kaffeeverbrauch hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt. Jeder Österreicher konsumiert pro Jahr 8,3 Kilogramm des braunen Goldes. Durch die Kapselsysteme entsteht aber auch unschöne Nebeneffekte. In Deutschland hinterlassen die Kapseln laut Stiftung Warentest 5.000 Tonnen Müll pro Jahr. Für Österreich würde das umgerechnet eine Menge von 500 Tonnen bedeuten. Laut Unternehmensangaben werden hierzulande 84 Prozent der Kapseln an den 130 Sammelstellen abgegeben und recycelt.

Probleme: Arbeitsbedingungen und Rohstoffgewinnung

Doch auch die Herstellung der Kapseln ist problembehaftet. Für die Aluminium-Gewinnung  werden in Brasilien Regenwälder abgeholzt, um Minenfirmen den Abbau von Bauxit, den Rohstoff für Aluminium, zu ermöglichen. Die UNO hat neue Standards für die Aluminiumindustrie entwickelt, dazu gehört das Verbot von Kinderarbeit. Ende 2017 kann man sich als Abbauer und Hersteller danach zertifizieren lassen. Die prekären Lebensumstände der Erntearbeiter auf den Kaffeeplantagen weltweit sind ein weiterer Missstand. Nespresso will ab 2020 ausschließlich nach diesem Zertifikat produzieren.

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