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EZB: Leitzinsen bleiben trotz steigender Inflation niedrig – vorerst

Europäische Zentralbank in Frankfurt. © Paul Fiedler on Unsplash
Europäische Zentralbank in Frankfurt. © Paul Fiedler on Unsplash

Wenn die Inflation überhand nimmt, dann haben Geldpolitiker meistens folgendes Gegenmittel parat: die Anhebung der Zinsen. Trotz steigender Inflation (sie lag im Mai im Euroraum bei 2,0 Prozent) hat sich der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) heute dagegen entschlossen, die Leitzinsen nicht zu erhöhen. Diese bleiben damit bis auf weiteres bei 0,00 %, 0,25 % bzw. -0,50 % (letzteres sind die berühmt berüchtigten Negativzinsen, die man für Einlagen bezahlt) – und die Schleusen für billiges Geld zur Ankurbelung der Wirtschaaft nach der Corona-Krise bleiben damit offen.

Mit einer Anhebung der Leitzinsen hat im Vorfeld ohnehin kaum jemand gerechnet – auch wenn es eine zentrale Aufgabe der EZB ist, mittelfristig darauf zu achten, dass die Inflation nicht die 2 Prozent übersteigt. In manchen Ländern ist das bereits der Fall: In Deutschland liegt die Inflation derzeit bei 2,5 Prozent, in Österreich bei 2,8 Prozent, in anderen Ländern aber auch deutlich niedriger. Doch für den Herbst prognostizieren Wirtschaftsforscher bereits eine Inflationsrate von vier Prozent – dann wird die EZB reagieren müssen.

Der EZB-Rat argumentiert, dass man eine Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen vermeiden möchte (derzeit sind etwa Kredite bei den niedrigen Zinsen sehr günstig zu bekommen). „Der EZB-Rat geht davon aus, dass die EZB-Leitzinsen so lange auf ihrem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden, bis er feststellt, dass sich die Inflationsaussichten in seinem Projektionszeitraum deutlich einem Niveau annähern, das hinreichend nahe, aber unter 2 % liegt, und dass sich diese Annäherung in der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation durchgängig widerspiegelt“, heißt es in einer Stellungnahme des Rats.

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USA und Asien mit erhöhtem Druck

Doch wie lange das funktionieren kann, bleibt abzuwarten. In den USA lag die Inflation bereits bei fünf Prozent, vor allem wegen gestiegener Energiepreise. Das setzt dort die Notenbank selbstverständlich unter Druck. Beobachter fordern bereits, dass die Fed die Inflation nicht aus dem Ruder laufen lassen dürfe, auch wenn es darum gehe, die durch Corona angeschlagene Wirtschaft mit billigem Geld zu versorgen.

Auch gibt es durch globalisierten Handel eine versteckte Inflation, nämlich über gestiegene Erzeugerpreise. In China sind diese  im Mai mit 9 Prozent so stark gestiegen wie seit 2008 nicht mehr – und als „Werkbank“ der Welt und massiver Exporteur von Waren auch nach Europa kommen diese Teuerungen auch beim Konsumenten an.

Gerade Neobroker wie Scalable Capital oder Trade Republic sowie Bitcoin-Verfechter warnen schon länger vor einer steigenden Inflation im Zuge der Corona-Krise – und nutzen das als Argument, um Menschen zum Investieren in Aktien, ETFs oder Kryptowährungen zu bringen. Durch die Geldentwertung sei es besser, in alternative Assets, also eben Firmenanteile oder BTC zu investieren, als dabei zuzusehen, wie das Geld immer mehr an Wert verliert.

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