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Exit: Salzburger Kopierschutz-Spezialist Denuvo wird an Naspers-Tochter verkauft

Im Denuvo-Office in Salzburg. © Denuvo
Im Denuvo-Office in Salzburg. © Denuvo

“Meine Motivation ist wirklich, das Ding in die nächste Wachstumsphase zu führen.” Reinhard Blaukovitsch könnte sich ab sofort zurücklehnen und das Leben genießen, doch er tut es nicht. Seine Firma Denuvo aus Salzburg, die sich auf Kopierschutz-Software spezialisiert hat und Electronic Arts, Ubisoft, Sega oder Microsoft zu ihren Kunden zählt, gehört seit dieser Woche offiziell der Firma Irdeto aus aus den Niederlanden. Sie hat Blaukovitschs Firma in einem Millionen-Deal übernommen und gehört ihrerseits zum südafrikanischen Medienriesen Naspers.

Denuvo, das 2013 durch einen Management-Buy-out von Sony entstand, wird seinen Hauptsitz in Salzburg behalten und das dortige, derzeit etwa 50-köpfige Team ausbauen. Das Unternehmen, das zuvor zu 70 Prozent Blaukovitsch und zu 30 Prozent seinem Geschäftspartner Robert Hernandez gehörte, ist aktuell auf Computer-Spiele spezialisiert. Doch mit Irdeto bzw. Naspers im Rücken soll die DRM-Technologie (Digital Rights Management) auch auf andere Bereiche wie Business-Software, IoT-Anwendungen oder Mobile-Games (in erster Linie auf Android) ausgeweitet werden. Die Marke Denvuo wird dazu bestehen bleiben. Begleitet wurde der Exit von i5invest (i5invest-CEO Herwig Springer hier im Interview).

„Da der globale Markt für Videospiele bis 2020 auf 128,5 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, sehen wir die große Chance, unsere fast 50-jährige Sicherheitsexpertise zu nutzen, um den Cybersicherheitsanforderungen auf dem wachsenden Markt gerecht zu werden“, sagt Irdeto-CEO Doug Lowther. Die Übernahme von Denuvo kam über erste Gespräche vor rund acht Monaten zustande. Irdeto wollte zuerst Lizenzen kaufen, bis daraus Übernahmeverhandlungen in den letzten Monaten von 2017 wurden. Denuvo hat bis dato mehr als 350 Millionen Lizenzen seiner Software vergeben.

Reinhard Blaukovitsch, Gründer und Geschäftsführer von Denuvo. © Denuvo
Reinhard Blaukovitsch, Gründer und Geschäftsführer von Denuvo. © Denuvo

Für Steam, Oculus oder Tencent

“Das ist mein Baby, ich bleibe noch mindestens drei Jahre als Geschäftsführer”, sagt Blaukovitsch zu Trending Topics. Diese Woche hat er sich auf die Reise gemacht, um Kunden in den USA und Japan persönlich von der Übernahme und die weitere Strategie zu informieren. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Bei einem Jahresumsatz von 6,5 Millionen Euro im Jahr 2017 kann man aber von einer zweistelligen Millionensumme ausgehen, schätzen wir in der Trending Topics-Redaktion.

Denuvo hat bis dato 40 bis 50 Computer-Spiele (z.B. „FIFA“, „Dishonored 2“, „Assassin’s Creed: Origins“, „Battlefield 1“) pro Jahr mit einem Kopierschutz versehen. Da diese Titel heute weniger auf DVDs oder Blu-rays ihren Weg zu Konsumenten finden, sondern häufig über Online-Plattformen bezogen werden, passt Denuvo die Verschlüsselung für Plattformen wie Steam, Origin, Oculus oder Tencent (chinesischer Spiele-Riese) an. Im Unterschied zu anderen Lösungen werde der Kopierschutz von Denuvo nicht in den Source-Code, sondern in den Binär-Code gebaut, so Blaukovitsch. Die so genannte Anti-Tamper-Software sorgt dafür, dass Spiele nicht mehr richtig funktionieren, wenn illegale Kopien angefertigt werden.

Rennen mit Crackern

“Es gibt keinen Kopierschutz, der zu 100 Prozent ewig hält. Wichtig aber ist, dass man konstant neue Versionen und Verbesserungen auf den Markt bringt. Wenn eine Version geknackt ist, dann muss man schnell reagieren können”, sagt der Denuvo-CEO. Immer wieder gibt es Meldungen, dass der Denuvo-Kopierschutz in verschiedenen Versionen von Crackern geknackt werden konnte – allerdings oft erst Monate, nachdem sie erschienen sind.

Und das ist auch das Entscheidende in dem Geschäft. Game-Publisher machen den größten Umsatz in den zwei bis vier Wochen, nachdem ein Titel erschienen ist. In diesem Zeitraum muss der Kopierschutz halten. “Es gibt kleine Hacker-Gruppen, mit denen man sich ein Rennen liefert und die immer nach Lücken suchen“, sagt Blaukovitsch. „Das sind durchaus talentierte Leute, die ich gerne bei mir im Team hätte. Wir haben schon solche Talente gefunden. Das ist wichtig, weil die wissen, wie Attacken funktionieren.”

Als Startup sieht Blaukovitsch seine Firma nicht. “Für mich war immer wichtig, den Startup-Gedanken in der Firma zu haben. Aber ich würde uns nicht als Startup bezeichnen, da wir ja aus einem Management-Buyout heraus entstanden sind.”

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