Channel

People

HR-Startup

Exclusive Insights: Warum JobRocker sein Management-Team umbauen muss

Die JobRocker-Gründer Klaus Furtmüller und Günther Strenn. © JobRocker
Die JobRocker-Gründer Klaus Furtmüller und Günther Strenn. © JobRocker

„Es gibt kaum einen so unterdigitalisierten Bereich wie die Personalberatung“, sagt Günther Strenn. Der gebürtige Salzburger hat 2016 gemeinsam mit Klaus Furtmüller JobRocker gegründet und wirbelt mit einem Algorithmus die Headhunting-Branche durch. Der Computer findet passende Kandidaten für nahezu jeden Job und nimmt den Headhuntern des Startups fast die gesamte Arbeit ab: „Wir sparen durch den Algorithmus sicher 60 Prozent der Zeit“. Das schlägt sich auch in den Kosten und den Preisen nieder. Der Umsatz lag vergangenes Jahr bereits im siebenstelligen Bereich und soll sich heuer verfünffachen: „Wir wachsen jedes Monat um durchschnittlich 15 Prozent“, sagt Strenn.

Emotionale Trennung von COO und CDO

Um das Unternehmen in die nächste Wachstumsphase führen zu können, hat Strenn nun das Führungsteam des Startups ausgetauscht. Mit Martin Pauer und Gregor Weihs haben gleich zwei C-Level-Executives JobRocker verlassen müssen. Weihs war für das operative Geschäft zuständig, Pauer für Marketing.

Für Strenn war die Trennung ein emotionaler Moment, denn Weihs war bereits vor der Firmengründung im JobRocker-Team und Pauer stieß wenige Monate danach dazu. Strenn: „Wir haben ihn aufgenommen wie einen Gründer“. Vor allem mit Weihs verbindet Strenn auch eine langjährige Freundschaft. Aus vertraglichen Gründen sind beide noch sechs Monate bei der Firma angestellt, wurden allerdings freigestellt. Die Anteile von Pauer und Weihs, beide im niedrigen einstelligen Prozentbereich, kauft Strenn zurück. Strenn gehören nach wie vor rund 56 Prozent der Firma, Furtmüller rund neun Prozent.

Druck der Investoren nachgegeben

Dass die beiden jetzt gehen müssen, hat laut dem JobRocker-Gründer mit dem starken Wachstum zu tun: „Wir müssen jetzt Vollgas geben und brauchen Menschen, die das schon einmal gemacht haben“. Nach den mehr als 2 Millionen Euro Investment von dem Münchner VC Surplus liegt die Bewertung bei rund 10 Millionen Euro. Für die nächste Finanzierungsrunde stellt sich Strenn bereits eine vier- bis fünfmal so hohe Firmenbewertung vor. Ihm zufolge waren es vor allem die Investoren, die Druck ausgeübt hätten, das Führungsteam neu aufzustellen.

Für Pauer und Weihs war es eine Trennung im Guten. Weihs will nach der langen Zeit in der Personalberatung Branche wechseln, konkrete Pläne haben aber beide noch nicht.

Neuer COO, kein Marketing-Chef mehr

Ab Mai übernimmt bei JobRocker ein neuer COO, Pauers Marketing-Agenden werden nicht nachbesetzt. Wer der Neue ist, darf Strenn noch nicht verraten, da er derzeit noch in seinem bisherigen Job ist. Jedenfalls handelt es sich um einen Manager mit 17 Jahren Branchen-Erfahrung. Er wird nun die Leitung der Headhunter und des Sales-Teams übernehmen, laut Strenn die beiden größten Wachstumstreiber von JobRocker.

Das Team von JobRocker ist mittlerweile auf fast 70 Mitarbeiter angewachsen und schon bald wird das erst vergangenen Herbst bezogene Büro wieder zu klein. Rund 20 Sales-Mitarbeiter kümmern sich um die Kundenakquisition und etwa 30 Berater kümmern sich um die Besetzung vakanten Stellen der Kunden. Alles ist auf Effizienz getrimmt: Seit drei Monaten werden neun von zehn Kunden über Webinare betreut – physische Termine gibt es nur noch selten. Strenn: „Das ist in der Personalberatung nicht üblich, kommt aber sehr gut an und spart uns eine Menge Zeit“.

Auch beim Headhunting spart JobRocker viel Zeit: „Wir sind im Schnitt zwei bis dreimal so schnell wie Mitbewerber“, sagt Strenn über die Konkurrenz der klassischen Personalberater. Zu verdanken hat das Startup das einem von Klaus Furtmüller entwickelten Algorithmus, der Kandidaten screent und sortiert. Im Unterschied zu den Matching-Algorithmen anderer Firmen, ist der von JobRocker sehr treffsicher. 70 bis 80 Prozent der Stellen werden mit Mitarbeitern besetzt, die der Algorithmus gefunden hat, sagt Strenn. Der Algorithmus greift auf die Job-Profile von JobRocker zu, wo sich mittlerweile eine Nutzerzahl im sechsstelligen Bereich registriert hat.

Derzeit ist aber in jedem einzelnen Fall trotzdem ein Headhunter im Spiel. Nur noch den Algorithmus zu verwenden, ist laut Strenn in den nächsten ein bis zwei Jahren unrealistisch. Schuld daran sei aber vor allem die konservative Einstellung der Branche.

Juristen besonders schwer zu finden

Dass JobRocker eine Stelle gar nicht besetzen kann, kommt laut Strenn sehr selten vor. Am leichtesten finden Algorithmus und Headhunter Buchhalter in Wien, am schwierigsten ist es bei Juristen. Sehr stark nachgefragt sind derzeit Developer. Da hat JobRocker laut Strenn das Glück, danke des Algorithmus bei Entwicklern und IT-Personal sehr beliebt zu sein.

Springe zu:

Ganzen Artikel lesen
Promotion