Channel

Impact

Evergreen Innovation Camp

Hackathon: Wie kann man tracken, wo unser Holz geschlägert wurde?

© Evergreen Innovation Camp
© Evergreen Innovation Camp

Nach heftiger Kritik an den Holzeinkäufen österreichischer Unternehmen in Osteuropa in den letzten Jahren ist es für die heimische Industrie noch wichtiger geworden, die Rückverfolgbarkeit von Holzprodukten bis zurück zum einzelnen Baumstamm zu gewährleisten und für den Konsumenten transparent zu machen.

Die österreichische HS Timber Group – vormals Holzindustrie Schweighofer – hat ihre FSC-Zertifizierung („Forest Stewardship Council“) 2017 nach Anschuldigungen verloren, womöglich illegal geschlägertes Holz in Rumänien bezogen zu haben. Seither hat die Gruppe, hinter der die Evergreen Privatstiftung von Unternehmer Gerald Schweighofer steht, viel Geld investiert, um die Rückverfolgbarkeit des verarbeiteten Holzes zu verbessern – etwa in das GPS-System Timflow, das „lückenloses Monitoring der Transportroute vom Verladeplatz bis zum Werkstor“ garantieren soll und in Rumänien zum Einsatz kommt.

Studierende „hacken“ Holz

Doch wie kann man genau tracken, welche Stämme wo genau im Wald geschlägert werden und in welchen Sägewerken sie danach landen? Dieser Aufgabe haben sich kürzlich in Wien über 70 Teilnehmer aus Österreich, Deutschland und der Schweiz beim Hackathon „Evergreen Innovation Camp„, initiiert von der gleichnamigen Stiftung, gewidmet. Der Hauptpreis für die beste Lösungsidee ging an ein Team von fünf Studenten aus Österreich.

Das Team „Tree ID“ entwickelte in rund 48 Stunden ein Konzept, das auf den Abgleich von Laservermessungsdaten aus dem Wald und im Werk basiert. Vor der Ernte werden die stehenden Bäume mittels Laser-Abtastung vermessen. Dabei werden Stammkontur und die Astverteilung entlang des Stamms so eindeutig erkannt, dass später (z.B. im Sägewerk) eine Wiedererkennung möglich sein sollte. Prämiert wurde das Team mit 10.000 Euro.

Auf Platz 2 des Hackathons, der an der BOKU in Wien stattfand, landete das Team „Smeasure“. Sie haben einen Prototypen entwickelt, bei dem Kamera und GPS-Modul in das Maßband des Forstarbeiters integriert werden. So soll die Astverteilung bereits gefällter Bäume eindeutig erfasst werden, um das Holz später eindeutig dem Ort der Schlägerung zuordnen zu können. Platz 3 ging an das Team „Logsmiths“: sie wollen mit einem Markier-Hammer RFID-Chips an Stämmen gleich nach der Ernte anbringen, um so automatisch die GPS-Koordinaten zu registrieren.

„Großes Anliegen“

Das „Evergreen Innovation Camp“ ist das Nachfolgeprojekt des zuletzt mit 300.000 Euro dotierten „Schweighofer Prize“, der bis 2017 vergeben wurde. „Die transparente Rückverfolgung jedes einzelnen Baumstamms vom Ernteort im Wald bis zur Ankunft im Sägewerk ist ein Zukunftsthema für die nachhaltige Holzversorgung der internationalen Holzindustrie. Daher ist es auch der HS Timber Group, vormals Holzindustrie Schweighofer, ein großes Anliegen, neue, innovative und ökonomisch umsetzbare Lösungen zur Nachverfolgung von Holz zu fördern und zu unterstützen“, heißt es seitens des Unternehmens. Man werde den Hackathon 2020 voraussichtlich wieder veranstalten.

Zu den Vorwürfen, mit denen das Unternehmen in den Vorjahren konfrontiert wurde, heißt es: „Das Unternehmen selbst erntet kein Holz, sondern bezieht dieses nur aus streng kontrollierten Quellen. In Rumänien wurde dafür im Jahr 2017 eine Sicherheitsarchitektur für die Holzlieferkette implementiert, die in der europäischen Holzindustrie einzigartig ist. Damit soll sichergestellt werden, dass nur aus legalen Quellen Holz bezogen wird.“

Organisiert wurde der Hackathon von der Blue Minds Group rund um Unternehmerin Evelin Steinberger-Kern und dem ehemaligen Bundeskanzler Christian Kern.

Springe zu:

Ganzen Artikel lesen
Corona-Krise