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eToro: „Die Pandemie hat die Finanzmärkte noch stärker in den Mainstream befördert“

Krypto-Trading bei eToro. © eToro
Krypto-Trading bei eToro. © eToro

Neobroker ist das neueste Schlagwort nach dem Trend der Challenger-Banken. Aktien, Kryptowährungen, ETFs und Edelmetalle – alles aus einer Hand, am besten verpackt in einer stylischen App. Mit Robinhood aus den USA und der Corona-Krise hat die viel beschworene „Demokratisierung des Investierens“ 2020 volle Fahrt aufgenommen und vielen Playern am Markt neue Kundschaft zugespült.

Einer der Profiteure der Krise ist auch die bereits 2007 in Tel Aviv als RetailFX gegründete Trading-Plattform eToro – und hat damit bereits viel miterlebt in Sachen Online-Investments. Dennis Austinat, DACH-Chef von eToro, spricht im Interview über den Boom der Neobroker, die Verantwortung der Plattformen gegen Zocker und ob das Krisenjahr nun mehr Menschen zum Investieren bringt.

Trending Topics: eToro ist einer von mehreren Anbietern, bei dem Nutzer in Aktien, Kryptowährungen, Rohstoffe oder ETFs investieren können. Wie hat sich das Krisenjahr 2020 entwickelt? Überall hört man, dass nun die breite Masse die Lust am Investieren gepackt hat.

Dennis Austinat: Wir haben in diesem Jahr definitiv einen Aufwärtstrend bei den Registrierungen auf unserer Plattform erlebt. Im ersten Halbjahr verzeichneten wir ein Wachstum von 100 % bei den neu registrierten Benutzern im Vergleich zu derselben Zeit des vergangenen Jahres.

Ein Teil dieser neuen Registrierungen ist sicher auf COVID-19 zurückzuführen, da die durch die Pandemie verursachte Marktvolatilität das Thema Investitionen für viele in den Vordergrund gerückt hat. Das Wachstum wird jedoch andererseits auch durch die Einführung unseres kommissionsfreien Aktienangebots vorangetrieben. Dies hat mehr Menschen dazu veranlasst, in Aktien zu investieren, indem eine wichtige Eintrittsbarriere – die Kosten – minimiert wurde. Infolgedessen haben sich die Aktieninvestitionen auf eToro im ersten Halbjahr im Vergleich zum vergangenen Jahr vervierfacht.

Wir haben gesehen, dass unsere Nutzer während der Coronavirus-Pandemie in Unternehmen investiert haben, deren Produkte zu dieser Zeit von vielen genutzt wurden: Microsoft, Amazon und Apple gehörten im Juli zu den beliebtesten Aktien bei eToro-Tradern in Deutschland.

Bitcoin ist bei eToro-Anlegern während des gesamten Jahres 2020 beliebt geblieben. Das liegt daran, dass Bitcoin zunehmend als eine Inflationsabsicherung gegen einen abgewerteten Dollar angesehen wird, da es dezentralisiert ist und nicht wie klassische Währungen von Zinssätzen beeinflusst wird. Wir beobachten auch ein wachsendes Interesse an alternativen Währungen wie Cardano’s ADA, Tezos, Zcash und Binance Coin, die alle aktuell wichtige Upgrades ihrer Protokolle vornehmen.

Millennials gelten für Trading-Plattformen als eine neue spannende Zielgruppe. Wie verhält sich Ihre Zielgruppe bei eToro? Kommen 2020 nun die „jungen Wilden“?

Der Zuwachs an Neukunden kommt aus ganz verschiedenen Altersgruppen, wir sehen hier eher eine generelle Zunahme in sämtlichen Altersklassen. eToro ist eine globale Investitionsplattform und wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Finanzmärkte für jedermann zu öffnen. Wir bieten Anlegern die Möglichkeit, sowohl in traditionelle Anlageklassen wie Aktien, Rohstoffe und ETFs als auch in Krypto-Assets zu investieren. Daher umfassen unsere Nutzer ein breites Spektrum von Altersgruppen und demographischen Merkmalen.

Österreicher und Deutsche gelten als sehr zurückhaltend, was Aktien angeht. Warum hat das ein Krisenjahr wie Corona verändert?

Die durch die Pandemie hervorgerufene Volatilität der Märkte hat sicherlich das Thema Aktien für viele in den Vordergrund gerückt, aber ich denke, es ist noch zu früh, um zu sagen, ob sich das Anlegerverhalten auch langfristig verändern wird.

Die globale Finanzkrise von 2008 hatte viele Menschen dazu veranlasst, den Umgang mit ihren Finanzen zu überdenken. Das daraus resultierende Wachstum der Fintech-Branche im folgenden Jahrzehnt bedeutete, dass viele Menschen zum ersten Mal Zugang zu Investitionsmöglichkeiten hatten, die ihnen vorher in der Form nicht zur Verfügung standen.

Die Pandemie hat die Finanzmärkte noch stärker in den Mainstream befördert und dazu geführt, dass mehr Menschen daran teilhaben. Das führt außerdem dazu, dass mittlerweile immer mehr Menschen offen über das Thema Investitionen reden und aktiv nach Weiterbildungsmöglichkeiten zu Themen rund um Aktien suchen. Im Laufe der Zeit wird dies dazu beitragen, das Vertrauen des Einzelnen in seine Fähigkeit zu stärken, Investitionsmöglichkeiten zu beurteilen, Risiken zu bewerten und diversifizierte Portfolios aufzubauen, die den eigenen Bedürfnissen entsprechen.

Robinhood hat seine geplante UK-Expansion abgeblasen und fokussiert nun weiter auf den US-Markt. Ist Europa überhaupt ein interessanter Markt für Trading-Plattformen?

Auf jeden Fall! Die Tatsache, dass sich 250.000 Menschen in Großbritannien auf eine Warteliste für eine noch nicht gelaunchte Anlageplattform eingetragen haben, zeigt, wie stark die Nachfrage nach provisionsfreien Aktienanlagen in diesem Markt ist. Wir sehen, dass diese Nachfrage in ganz Europa ein Echo findet.

Seitdem wir im vergangenen Jahr die kommissionsfreie Aktienanlage eingeführt haben, registrierten sich allein in Großbritannien 256.000 neue Nutzer für eToro und weltweit mehr als 3 Millionen Menschen.

Dennis Austinat, DACh-Chef bei eToro. © eToro
Dennis Austinat, DACh-Chef bei eToro. © eToro

Das Trading-Verhalten der Millennials ist – das sieht man in den Daten von Robinhood – durch Herdentrieb („coole“ Aktien wie Tesla) oder sehr kurzfristiges Anlageverhalten („buy the dip“ bei gecrashten Aktien wie Ford, American Airlines, Carnival Cruise) gekennzeichnet. Wie beurteilen Sie die Situation?

eToro verfolgt eine verantwortungsbewusste Investitionspolitik. Wir ermutigen unsere Nutzer, langfristige Strategien zu verfolgen, zu verstehen, worin sie investieren, zu diversifizieren, wo möglich, und nur Beträge zu investieren, deren Verlust sie sich leisten können.

Für Neueinsteiger stellen wir eine Reihe von Weiterbildungsressourcen zur Verfügung, darunter ein Demokonto, bei dem die Nutzer ohne den Einsatz von echtem Geld, ihre Anlagestrategie testen und die Entwicklung risikofrei beobachten können. Unsere Copy-Funktion ermöglicht es auch weniger erfahrenen Investoren oder solchen mit wenig Zeit, die Investitionsstrategien von Investment-Experten zu kopieren.

Krypto, Rohstoffe, Aktien, ETFs: Bei eToro gibt es eine ganze Reihe an verschiedenen Asset-Klassen. Welche werden am häufigsten gekauft? Und: Investieren die selben Nutzer in verschiedene Asset-Klassen, oder bleiben sie in der Regel bei ihren Asset-Favoriten?

Im Jahr 2017 kamen 70 Prozent der weltweiten Benutzer wegen des Zugriffs auf Krypto-Assets zu uns. Aktuell stellen wir ein steigendes Interesse an Aktien fest. Die Art der favorisierten Investments der Nutzer ändert sich also ständig.

Das Ziel von eToro ist es, den Investoren eine Auswahl zu bieten. Wir hoffen, dass sie, auch wenn sie ursprünglich wegen einer bestimmten Anlageklasse wie Krypto zu uns kommen, sich später diversifizieren werden. Unsere bisherigen Erfahrung zeigen auch definitiv in diese Richtung. Viele der Krypto-Investoren von 2017 sind noch heute auf eToro; sie haben ihre Krypto-Assets behalten und diversifizieren heute zusätzlich in andere Anlageklassen. Der Großteil der Nutzer investiert heute auf unserer Plattform in Aktien.

Keine Provisionen, Aufschläge, Ticketing- oder Verwaltungsgebühren – wie verdient eToro dennoch Geld mit seinen Nutzern? Was ist die wichtigste Einnahmequelle?

eToro verdient in erster Linie Geld, indem es eine Provision auf die Verbreitung jedes auf der Plattform getätigten Handels erhebt. Wir berechnen diese Provision nicht für Aktien oder ETFs, die ungehebelt gekauft werden. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte unsere Website.

Der Selbstmord eines jungen Robinhood-Nutzers hat dieses Jahr aufgezeigt, dass Financial Literacy extrem wichtig ist, es aber viele Defizite gibt, die im schlimmsten Fall zu folgenschweren Fehlinterpretationen führen. Wie geht eToro mit diesem Thema um?

Unsere verantwortungsbewusste Handelspolitik soll den Kunden helfen, kluge Investitionsentscheidungen zu treffen und zwar in Anerkennung der Tatsache, dass jeder Handel mit Risiken verbunden ist. Für unerfahrene Nutzer, die neu mit dem Investieren beginnen möchten, stellen wir eine Reihe von Ressourcen zur Verfügung, um ihnen dabei zu helfen, sich über die Märkte und die Funktionalität unserer Plattform zu informieren haben wir neben der Der Zugang zu einem kostenlosen Demokonto, bei dem die User die Entwicklung eines bestimmten Investments beobachten können, ohne echtes Geld investieren zu müssen, ist dabei ein zentrales Element.

Des weiteren führen wir bei jedem Nutzer, der sich bei eToro registriert, einen kombinierten Angemessenheits- und Eignungstest durch, bevor er der Plattform beitreten kann. Basierend auf den Antworten sind teils verschiedene Funktionen oder Hebel eingeschränkt.

Wir befürworten eine langfristige Anlagestrategie und bieten unseren Anlegern die Wahl, wie sie investieren wollen – sie können selbst investieren, einen anderen Anleger kopieren oder in ein Portfolio investieren.

Bei eToro gibt es eine ganze Reihe an Kryptowährungen, aber eine sehr beliebte nicht: Tether (USDT). Gegen die Unternehmen hinter Tether laufen Sammelklagen, und es bestehen in der Branche große Zweifel daran, ob USDT tatsächlich durch echte Dollars gebacked ist. Ist das der Grund, warum man USDT bei eToro nicht handeln kann?

eToro arbeitet stets daran, die Plattform kontinuierlich zu verbessern, indem hochrangige Krypto-Assets auf der Grundlage der Marktkapitalisierung und des Handelsvolumens hinzugefügt werden. Wir können nicht zu einzelnen Assets Stellung nehmen, aber berücksichtigen beim Auswahlverfahren neuer Krypto-Währungen stets eine Reihe von Faktoren, bevor sie zur eToro-Plattform hinzugefügt werden.

Ihre Plattform bietet Nutzern CFDs an, also Differenzkontrakte an, die als hochspekulativ gelten. Im Kleingedruckten heißt es, dass 75% der Konten von Privatanlegern Geld verlieren, wenn sie CFDs von diesem Anbieter handeln. Man solle überlegen, ob man verstehe, wie CFDs funktionieren, und ob man es sich leisten könne, das hohe Risiko einzugehen, das Geld zu verlieren. Wenn die große Mehrheit ohnehin Geld dabei verliert und nur die wenigsten CFDs durchschauen, warum bietet eToro das überhaupt an?

eToro ist eine Multi-Asset-Plattform, die sowohl professionellen als auch privaten Kunden offen steht. Es geht uns darum, den Anlegern Wahlmöglichkeiten zu bieten. Auf der Grundlage ihrer individuellen Umstände und Ziele können die Nutzer wählen, in welche Anlageklassen und wie sie investieren wollen, das heißt entweder, sie investieren direkt, kopieren einen anderen Anleger oder investieren in ein Portfolio.

Jeder, der sich bei eToro registriert, muss einen kombinierten Angemessenheits- und Eignungstest absolvieren, bevor er der Plattform beitreten kann. Dieser bewertet die individuelle Einstellung zum Risiko, das Verständnis über die Finanzmärkte und dessen spezifischer Instrumente. Ein Angemessenheitspass ist nicht erforderlich, um in Aktien oder echte Krypto-Assets zu investieren, jedoch haben Kunden, deren Ergebnisse vermuten lassen, dass sie die Produkte oder die damit verbundenen Risiken nicht angemessen verstehen, nur begrenzten Zugang zu risikoreicheren Instrumenten – einschließlich CFDs, Hebelgeschäften und Copy-Trading.

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