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Erste Bank CEO Dörfler: „Österreichs Unternehmen fürchten Brexit nicht“

Stefan Dörfler ist Vorstandsvorsitzender der Erste Bank. @ Erste Bank
Stefan Dörfler ist Vorstandsvorsitzender der Erste Bank. @ Erste Bank

Österreichs Unternehmen müssen mit Brexit, Handelskonflikten und US-Sonderzöllen viel aushalten. Um so erstaunlicher ist die ungebrochene gute Stimmung der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Beachtliche 91 Prozent der österreichischen KMU blicken dem Jahr 2019 optimistisch entgegen, geht aus einer Umfrage der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG mit dem Marktforschungsinstitut IMAS hervor.

Betriebe sehen Auswirkungen von Brexit und Handelskrieg

Im 4. Quartal war zwar eine leichte Abkühlung der Konjunktur zu spüren, aber es gebe immer noch ein sehr solides Wirtschaftswachstum in Österreich, sagt der Vorstandsvorsitzende der Erste Bank Österreich. Daher sei die Stimmung der KMU sehr positiv. Allerdings sehen 71 Prozent eine Auswirkung von Brexit und dem Handelskrieg zwischen den USA und China auf heimische Unternehmen.

Nur ein Viertel (16%) befürchtet starke Auswirkungen auf den eigenen Betrieb. „Das spricht für die hohe Kompetenz und Aufmerksamkeit der Unternehmer“, betont Dörfler. Der Anteil einer direkten Verbindung der österreichischen und der britischen Wirtschaft sei überschaubar.

„Schaut her, was sich die Briten eingebrockt haben“

„Ich bin mir sicher, das sich KMU auch in stürmischen Zeiten gut entwickeln werden“, stellt der CEO der Erste Bank in Aussicht. Eine Prognose im Hinblick auf den Brexit für die kommenden Tage möchte er nicht wagen. Der Brexit habe direkt kaum Auswirkungen auf Österreichs Unternehmen.

Die indirekte Wirkung auf Europa ist sehr wesentlich. Diese dürfe man aber nicht nur als Risiko sehen. „Es kann ein neues Europa-Bewusstsein entstehen.“ In Zukunft werde man sagen, „schaut her, was sich die Briten eingebrockt haben“. „In Europa geht es nur gemeinsam“, da habe er eine klare Meinung. Denn Österreich sei im Vergleich zu Asien unsichtbar. „In Europa haben haben wir durchaus eine Stimme.“

Was Betriebe im Blick behalten müssen

Auf die tägliche operative Arbeit wirke sich der Brexit wenig aus. „Die Unternehmen haben exzellent darauf reagiert und haben sich auf die Situation eingestellt.“ Auf die Frage was Unternehmer beim Brexit im Blick behalten müssen, rät der Banker den Wirtschaftsraum zu beobachten. „Wie verhält sich unsere Region und wie ist die Gesamtentwicklung im europäischen Wirtschaftsraum?“

Zudem erhält der Brexit so viel Aufmerksamkeit, dass andere Probleme außer Acht gelassen werden. „Es wurde daher weniger über Italien geredet. Das sei aber extrem wichtig. Schließlich sei Italien immer noch die Nummer 2 als Exportland für uns. Auf die Regionen China und die USA habe man eine beschränkte Einflussmöglichkeit. „Bei China und USA sind wir Zuschauer.“

Regierung gefordert

Um sich für zunehmende Herausforderung zu wappnen, sei auch die Politik gefragt. 74 Prozent erscheint eine Reduktion der Lohnnebenkosten sinnvoll. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) fordern sogar und eine Steuererleichterungen der bestehenden Regulierungen (54 Prozent).

Unternehmen spüren Digitalisierung

Laut der Studie spüren 89 Prozent die Digitalisierung. Allerdings sehen 70 Prozent der Befragten die Digitalisierung als Chance. „Nachdem es 2017 noch 85 Prozent waren, wird die weitere Entwicklung hier genau zu beachten sein“, sagt Dörfler. „Auch wir haben unsere Aktivitäten im Digitalisierungsbereich gestärkt.“

65 Prozent würden kräftig in Forschung und Entwicklung (F&E) investieren. „Das freut uns sehr, weil wir gern in diesen Bereich investieren“ 2018 verzeichnete die Sparkassengruppe einen Volumenzuwachs bei Finanzierungen von 5,3 Prozent auf 70,7 Mrd. Euro. Bei der Erste Bank alleine wuchs das Kreditvolumen im Unternehmensbereich in den letzten drei Jahren im Schnitt zwischen sechs und acht Prozent. Langfristig sei F&E ein enormer Wettbewerbsfaktor und mache Österreich für junge Leute attraktiv.

„KMU sind zentraler Motor unseres Landes“

Klein und mittelständische Unternehmen in Österreich seien „ein ganz zentraler Motor unseres Landes“, meint Dörfler vor Journalisten. Laut des Mittelstandsberichts 2018 des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort gehören rund 328.900 Unternehmen den KMU-Betrieben an. Damit machen sie 99,6 Prozent aller Unternehmen mit 2 Mio. Beschäftigten, von insgesamt 3,74 Mio. Beschäftigten in Österreich aus. KMU erzielen mehr als 60 Prozent der Erlöse sowie der Wertschöpfung der heimischen Wirtschaft aus.

Für die Studie wurden 500 Unternehmen gefragt.

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