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Energy Web: Eine Blockchain für den Energiemarkt geht an den Start

Stromnetz im Fluss. © Pixabay
Stromnetz im Fluss. © Pixabay

Blockchain-Technologien und Energieunternehmen – diese Kombination, das haben wir in vielen Interview und Berichten bereits gehört, ist vielversprechend. Mit der Energy Web Chain (EW Chain) ist heute im Rahmen des Event Horizon Summit in Berlin die erste öffentliche Blockchain für den Energiesektor gelauncht worden.

Sie soll unter anderem ermöglichen, um erneuerbare Energien zu handeln oder das Bezahlen von Ladevorgängen bei Elektroautos einfacher abzuwickeln. Die Blockchain soll dabei garantieren, dass wirklich erneuerbarer Strom gekauft oder verkauft wird.

Stromversorger als Partner

Hinter der EW Chain steckt die Energy Web Foundation (EWF), die 2017 vom Rocky Mountain Institute und dem Berliner Startup Grid Singularity rund um die Gründer Ewald Hesse, Ana Trbovich, Erwin Smole, Aeron Buchanan, Jutta Steiner und Gavin Wood ins Leben gerufen wurde. Derzeit baut die EWF auf zehn Partnerunternehmen, die die Nodes (also Server) betreiben, mit denen Transaktionen gerechnet und bestätigt werden.

Unter den Partnern finden sich etwa der Stromversorger Elia aus Belgien, Singapore Power, oder Engie aus Frankreich. In Zukunft sollen es 40 bis 50 Partner werden, die die Nodes betreiben.

Dezentralisierung als Ziel

„Unser nächstes Ziel, das spätestens im vierten Quartal 2019 erreicht werden soll, ist die vollständige Dezentralisierung der Kette. Ab diesem Zeitpunkt wird es nicht mehr ‚unsere‘ Chain sein, sondern die Blockchain des Energiesektors“, verspricht Hervé Touati, CEO von EWF. „Es wird die erste öffentliche Blockchain, in der Blöcke von Unternehmen des Energiesektors validiert werden.“

Mit dem Schweizer Ort Zug hat sich die EWF einen beliebten Standort für ihre Blockchain-Aktivitäten ausgesucht.  „Wir sind kein Charity, wir müssen unsere Kosten decken. Unsere Partner bezahlen jährliche Gebühren, wir bieten Consulting an und entwickeln Software für Kunden“, sagt Touati zu Trending Topics. Als Investor hat EWF übrigens Scytale Ventures aus Berlin an Bord geholt, die sich auf Blockchain-Investments spezialisiert haben.

Das Geschäftsmodell der Foundation sei vergleichbar mit dem von Red hat. Die von IBM gekaufte Firma bietet prinzipiell kostenlose Open-Source-Software an, macht aber sein Geld mit zusätzlichen Services in den Bereichen Cloud Computing oder Storage.

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Die ersten dApps sind am Start

Derzeit laufen im Testnet 17 dezentralisierte Apps (dApps), in den nächsten Wochen sollen sie dann aus der Testumgebung in den Echtbetrieb gehoben werden. Ein Beispiel für eine der dApps ist „gridBox“ von Entwickler GridX. Sie soll dazu dienen, mit Hilfe von IoT-Geräten den Energieverbrauch in Gebäuden zu messen und den Energiebedarf in Echtzeit zu berechnen.

Laut EWF-CEO Touati wolle man Energieversorgern mit der Blockchain die Möglichkeit geben, in Zukunft an die Solaranlagen, Elektroautos, Ladestationen oder Stromspeichern anzudocken, die in Zukunft bei Millionen von Endkonsumenten zu finden sein werden. Dann soll es darum gehen, dass Energieunternehmen auf smarte Weise mit Konsumenten und anderen Firmen Strom handeln können.

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Energieunternehmen setzen auf die Technologie

Auch in Österreich arbeiten Energieunternehmen mit Blockchains. Die Salzburg AG und Verbund haben gemeinsam bereits Ende 2017 eine Blockchain-Initiative gestartet. Die Energie Steiermark hat erst gestern bekannt gegeben, mit dem australischen Startup Power Ledger zu kooperieren, um in einem ersten Schritt Haushalten in Graz den Handel mit Strom, der in eigenen Photovoltaik-Anlagen produziert wird, mit Nachbarn zu ermöglichen.

Blockchain-Technologien sehen Energieunternehmen vor allem als kostengünstige Möglichkeit, Strom ohne Zwischenhändler kaufen und verkaufen zu können. Dass überall sprießende Solaranlagen oder Windkraftanlagen in Privathaushalten einmal die großen Energieversorger abschaffen werden, damit ist aber nicht zu rechnen.

“Am Schluss gehts darum, dass jeder im Netz zu jeder Sekunde Strom hat. Die Blockchain und private Photovoltaikanlagen alleine werden das nicht gewährleisten”, sagte Martin Graf, Vorstandsdirektor der Energie Steiermark, in einem Interview mit Trending Topics. “Wir wollen das Backbone sein. Es muss Unternehmen wie uns geben, die die Restlasten abdecken.

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