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Musk & Bitcoin: „Als Follower muss man sich ziemlich verschaukelt vorkommen“

Matthias Reder (Coinfinity) und Johannes Grill (Bitcoin Austria). © J. Grill / M. Reder / André François McKenzie on Unsplash / Montage: Canva
Matthias Reder (Coinfinity) und Johannes Grill (Bitcoin Austria). © J. Grill / M. Reder / André François McKenzie on Unsplash / Montage: Canva

Die einen werfen ihm Unkenntnis der Materie vor, die anderen nehmen seine Tweets zum Anlass ihrer Investment-Entscheidungen: Tesla-Chef Elon Musk spaltet die Krypto-Industrie mittlerweile wie kein anderer. In den vergangenen Wochen hat er für immer neue Dogecoin-Hochs gesorgt, während er Bitcoin und damit dem gesamten Krypto-Markt dann auf Talfahrt schickte. Die Begründung, wegen der Umweltbilanz von Bitcoin keine BTC-Zahlungen bei Tesla entgegen zu nehmen, nehmen ihm nur wenige ab.

Ist Musks Einfluss auf den Krypto-Markt zu groß, manipuliert er die Kurse sogar zum eigenen Vorteil? Wie ernst muss man die Tweets des Milliardärs nehmen? Und was sagen Experten nun zum CO2-Problem von Bitcoin? Johannes Grill, Präsident von Bitcoin Austria, und Matthias Reder für Compliance und AML bei Österreichs ältestem Kryptowährungs-Händler Coinfinity tätig, im großen Doppel-Interview.

Trending Topics: Elon Musk hat diese Woche, aber auch schon zuvor rund um Dogecoin gezeigt, wie einfach er mit Tweets die Kurse von Krypto-Assets beeinflussen kann. Hat er wirklich so großen Einfluss?

Matthias Reder: Musk hat den Nimbus eines erfolgreichen Multimilliardär und Visionär. Ihm hängen mittlerweile über 54 Millionen Follower per Twitter am Tweet-Rockzipfel – da ist der Einfluss schon stark gegeben.

Johannes Grill: Tweets von Promis, aber auch reißerische Schlagzeilen in Massenmedien haben nur einen kurzfristigen Einfluss. Langfristig sind Stabilität, Innovation und der Netzwerkeffekt wesentlich für den Erfolg einer Kryptowährung. 

Kann man Musk Marktmanipulation vorwerfen? Eine Historie dazu gebe es ja.

Matthias Reder: Die US Börsenaufsicht SEC hat ihn in der Vergangenheit bereits rechtskräftig bestraft. Daraufhin ist er mit Tesla Tweets weitaus umsichtiger geworden. Seine Tweets zu Krypto-Werten würde ich persönlich als grenzwertig bezeichnen.

Johannes Grill: Dieses widersprüchliche Verhalten schadet am meisten der Glaubwürdigkeit von Hrn. Musk selbst. Ich kann nur allen Interessierten empfehlen, sich eigenständig Know-How über Bitcoin, Doge & Co aufzubauen, als sich von Tweets Dritter treiben zu lassen.

Dogecoin pumpt wieder – und Musk wird Marktmanipulation vorgeworfen

Viele Menschen schauen ganz genau auf jedes Wort, das Musk tweetet. Manche meinen aber mittlerweile, dass der Mann offenbar keine Ahnung von Krypto hat. Wie ernst nehmt ihr den Milliardär?

Matthias Reder: Musk ist ein genialer Unternehmer und Entertainer. Keiner kann seine Geldgeber so bei Laune halten wie er. Seine Produkte/Dienstleistungen sprechen zwar für sich, jedoch bin ich mir persönlich, was sein Kryptoverständnis angeht, nicht mehr sicher. Und das birgt auch eine gewisse Gefahr. Viele seine Follower nehmen alles für bare Münze und setzen ihr hart verdientes Geld auf die Ansichten und Meinungen von Musk. Wenn sich diese innerhalb von drei Monaten aber um 180 Grad ändert, dann ist das für den Kleinanleger fatal.

Tesla hat 1,5 Milliarden U-Dollar als Firma im Februar 2021 in Bitcoin investiert und Musk hat dies so richtig mittels dutzenden Tweets zelebriert. Man konnte mit Bitcoin seinen Tesla bezahlen und es wurde kommuniziert, dass die so eingenommen Bitcoins NICHT gegen USD zurückgetauscht werden. Nun – 3 Monate später ist alles anders und das ausgerechnet wegen einer Tatsache die schon Jahre bekannt ist: Energieverbrauch. Das ist doch nicht die Art wie man langfristige strategische Investments tätigt.

Johannes Grill: Wir wissen nicht, welches strategische Interesse Tesla tatsächlich in Bezug auf Bitcoin hat oder über den Wissensstand von Elon Musk. Aber hey, jeder kann es nutzen, wozu er/sie will – und das ist gut so. 

Hat Musk mit der teilweisen Abwendung von BTC die Bitcoin-Maximalisten vergrämt?

Matthias Reder: Musk hat seiner Kommunikation keine Taten folgen lassen und das wird ihm zu Recht übel genommen. Denn entgegen der vollmundigen Ankündigung seine Bitcoin Käufe langfristig zu sehen wurden ca. 10 Prozent seiner Bestände wenig später mit viel Gewinn wieder einfach so verkauft. Da muss man sich als Follower schon ziemlich verschaukelt vorkommen.

Johannes Grill: Es ist mir völlig egal, wer sich vom wem in der Twitter-Blase vergrämt fühlt. Es gibt auch ein Leben außerhalb.

Der Tenor zur Entscheidung von Tesla, keine Bitcoin-Zahlungen wegen dem “rapide zunehmenden Einsatz von fossilen Brennstoffen für Bitcoin-Mining und -Transaktionen” in den Medien lautete: War ja schon lange bekannt, das ist nur ein vorgeschobenes Argument. Warum diese Entscheidung gerade jetzt?

Matthias Reder: Wer A sagt muss auch B sagen. Derzeit gibt es den Bitcoin eben nur mit diesem Netzwerk und dieser Energieleistung. Im Zuge der derzeitigen Bestrebungen Klimaziele mit Finanzprodukten zu verbinden gibt es laut der Nachrichtenagentur Reuters in den USA Bestrebungen, einen milliardenschweren Handel mit Gutschriften für erneuerbare Treibstoffe einzuführen. Das käme Tesla wirtschaftlich sehr gelegen, wenn sie dabei sein dürfen. Da ist das Thema Energieverbrauch und Bitcoin nicht sehr hilfreich. Meiner persönlichen Meinung nach kam daher von dort der Umkehrschwung.

Johannes Grill: Ein Elon-Musk Interview auf TrendingTopics wäre doch was? 😉

Tether: Stablecoin hauptsächlich durch Schuldverschreibungen gedeckt – nur 3% Cash

In manchen Kreisen wird über Musk mittlerweile gelacht, etwa, weil er ausgerechnet auf den – ziemlich alten – Krypto-Witz Dogecoin setzt. Warum hat er sich DOGE auserkoren? Zieht er eine ganze Branche durch den Kakao?

Matthias Reder: Ich denke niemand lacht, aber man fragt sich, wie ein so hoch intellektueller Mensch wie Musk sich in solch ein ausgewiesenes Spaßprojekt “verlieben” kann. Oder ist deshalb für ihn ein besonderer Reiz indem er schalten und walten kann wie er gerade Lust und Laune hat?

Johannes Grill: Fragt das bitte Elon Musk.

Wie groß ist denn nun das CO2-Problem von Bitcoin? Meinen eigenen Recherchen zufolge kann man das Problem ja nach Belieben klein- oder groß rechnen, Zahlen findet man für jede Argumentation (siehe hier)?

Matthias Reder: Das kommt sicherlich darauf an, aus welchem Blickwinkel man das Problem betrachtet. Den Verbrauch kann man nur schwerlich kleinrechnen. Das dadurch aber “Werte” gesichert werden – aktuell je nach Marktkapitalisierung ca. 1.200 Milliarden USD beim Bitcoin, dann ist das keine kleine Krypto-Spielerei mehr, sondern eine etablierte Assetklasse. Sicherheit kostet Geld.

Des weiteren möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass uns schlichtweg Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Wir wissen einfach nicht, wie hoch der CO2 Ausstoß bei unserem aktuellen Geld- und Finanzsystem ist oder wie der CO2-Fussabdruck einer NFC Zahlung oder einer Bankomatbehebung beträgt. Bei einem transparenten System wie Bitcoin kann ich alles herleiten und berechnen. Da mir persönlich fehlt schlichtweg die Vergleichsmöglichkeit.

Johannes Grill: Bitcoin-Kritiker wie Alex De Vries von Digiconomist versuchen doch nur mit der CO2-Keule Stimmung gegen Bitcoin zu machen. Das Thema ist nahezu ideal, da sie am eigenen Leben nichts ändern müssen und stattdessen auf “die anderen” und eine für sie unverständliche Technologie zeigen können. Die ständigen Vergleiche mit Ländern wie Österreich oder den Niederlanden sind nur unseriöse Marketing-Aufhänger. Man könnte die 100 TWh vom Mining auch mit 50.000 TWh an Verlust & Verschwendung in Relation setzen.

Vor lauter Aufregung übersehen die Empörten dabei die grundsätzlichen Fragen: Sollen Dritte darüber bestimmen können, wofür man Energie nutzen darf?  Oder was Menschen als Geld und Tauschmittel verwenden?

Der Energiebedarf von Bitcoin-Minern ist irrelevant, die Art der Stromerzeugung gilt es anzupassen. Es würde bereits helfen, wenn Kohle nicht mehr mit Steuergeld subventioniert wird. Kohleverstromung wird nicht für die Miner gemacht! Aus Bitcoin-Sicht können morgen gerne alle CO2 ausstoßenden Kraftwerke abgeschaltet werden. Die Miner ziehen weiter und betreiben ihre Rechner einfach dort, wo es dann den günstigsten Strom gibt. Übrigens, die Gestehungskosten von “grünem Strom” sind bereits niedriger als bei Kohlestrom, Tendenz weiter sinkend – und Tesla sorgt für günstige Speicher.

Das CO2-Problem von Bitcoin kann man leider nach Belieben klein oder groß reden

Die Diskussion um den Energieverbrauch hat jedenfalls dafür gesorgt, dass Proof of Stake (z.B. Cardano, Polkadot) als Alternative zu Proof of Work bei immer mehr Krypto-Investoren hoch im Kurs steht. Auch Ethereum will ja dorthin wechseln. Ist das wirklich der Weg, um die Energiekosten zu senken? Oder bringt das dann andere Probleme mit sich?

Matthias Reder: Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich sehe das deutlich positiv, dass es unterschiedliche Ansätze gibt. Schlussendlich wird der Markt die zukünftige Entwicklung regeln.

Johannes Grill: PoW ist der Anker in der physischen Welt und die Garantie, dass keine „Zementierung der Macht“ erfolgen kann. Man stelle sich vor, ein großer Player, Konzern oder Staat, hält 20 Prozent einer Kryptowährung. Möchtest du PoS oder PoW?

Cardano und Polkadot profitieren vom CO2-Problem Bitcoins

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