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Elektromobilität: Deutscher Physiker sagt Ende des Verbrennungsmotors für 2026 voraus

Der Verbrennungsmotor - bald ein Museumsstück? © Flickr/Trailers of the East Coast (CC BY 2.0)
Der Verbrennungsmotor - bald ein Museumsstück? © Flickr/Trailers of the East Coast (CC BY 2.0)

Ein Verbot für Verbrennungsmotoren ab 2040 in Frankreich und Großbritannien. Große Ankündigungen von Volvo, Jaguar Landrover, Mercedes-Benz, VW und BMW zum Umstieg auf die Elektromobilität bis 2025. Ein Rennen um den Abbau von Lithium für die Produktion von Auto-Akkus. Startups, die die Infrastruktur an Ladestationen schnell ausbauen wollen. Und hinter all dem ein visionärer Unternehmer namens Elon Musk, der mit seinen Tesla-Autos und der Gigafactory  – das größte Gebäude der Welt – eine ganze Branche vor sich hertreibt. Stellt sich nur noch die Frage: Wie lange gibt es den Verbrennungsmotor dann eigentlich noch?

Der deutsche Physiker Richard Randoll von der Leibniz Universität in Hannover will sich diesen Zeitpunkt jetzt ausgerechnet haben. In seiner Dissertation „Investigations on a Packaging Technology for PCB Integrated Power Electronics“, die er beim Autokonzern Daimler erarbeitet hat, nennt er sehr konkret das Jahr 2026. In neun Jahren, so Randoll, sollen 100 Millionen Elektroautos produziert werden, also die gesamte Weltproduktion. Für 2022 sagt der Wissenschafter voraus, dass jeder zehnte Neuwagen einen E-Motor verbaut haben wird.

Wie rechnet Randoll?

Für seine Vorhersage hat Randoll die weltweiten Verkaufszahlen von reinen Batterie-Elektrofahrzeugen ausgewertet. Und kommt zu dem Schluss, dass sie die verkaufte Stückzahl seit 2011 alle 15 Monate verdoppelt. Rechnet man das in die Zukunft, müsste also theoretisch der Sommer 2026 der Zeitpunkt sein, an dem keine neuen Autos mit Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden.

Als Ausgangspunkt für seine These nimmt Randoll den Marktstart des Nissan Leaf von 2011, also des ersten wirklichen Elektroautos in Großserie. Gehe man von einer mittleren Lebensdauer eines Wagens mit Verbrennungsmotor von 15 Jahren aus, dann sei 2026 der Technologiewechsel von Sprit auf Strom geschafft. Zumindest zeigt das Randolls Exponentialfunktion am Papier.

Rennen um die Akkus

Was der Wissenschaftler natürlich nicht vorhersagen kann, ist, wie sich die Praxis entwickelt. Die erwähnten Automobilhersteller sprechen natürlich gerne von ihrer E-Strategie, bei genauerer Betrachtung sieht man allerdings auch, dass sie weiter Benziner oder Hybrid-Fahrzeuge bauen werden. Auch ist die Frage offen, ob es überhaupt so viele Akkus geben wird, um 2026 rund 100 Millionen Autos mit einem entsprechendem Akku ausstatten zu können. Und: Welche Auswirkungen staatliche Regulierungen und Förderungen auf die Branche haben werden (z.B. beim Ausbau von Ladestationen), ist ebenfalls schwer abzusehen.

Im Bereich der Batterien ist jedenfalls ein Rennen ausgebrochen. Auf der Internationalen Auto Ausstellung hat Samsung SDI, einer der aktuell größten Akku-Produzenten, angekündigt, Tesla überflügeln zu wollen. Ein neuer Akku-Pack soll Autos eine Reichweite von 600 bis 700 Kilometer ermöglichen. Zum Vergleich: Das „Long Range“-Modell des Tesla 3 schafft rund 500 Kilometer. Aktuell und in den nächsten Jahren ist Tesla im Verbund mit dem japanischen Konzern Panasonic der größte Hersteller von Auto-Akkus.

Top 5 Produzenten Gigawattstunden 2017 Gigawattstunden 2020
Panasonic/Tesla (JPN/USA) 12 51
CATL (CHN) 2 45
BYD (CHN) 10 24
LG Chem (KOR) 12 18
Samsung SDI (KOR) 9 17

Quelle: Cairn ERA/US Department of Energy/The Economist

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