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Einige Startups warten mittlerweile verzweifelt auf Hilfsgelder und Förderungen

© lalesh aldarwish von Pexels
© lalesh aldarwish von Pexels

14 Wochen können in einem normalen Jahr lange sein, im Krisenjahr 2020 scheinen sie ewig zu dauern. Zumindest für jene Firmen, die sich mitten in der COVID-Pandemie von Monat zu Monat retten und dabei auf dringend notwendige Hilfs- und Fördergelder warten. So haben sich in den vergangenen Wochen immer mehr Startup-Gründer bei Trending Topics gemeldet, die verzweifelt auf Zahlungen des Austria Wirtschaftsservice bzw. auf eine finale Unterschrift aus dem Finanzministerium warten.

Seit nunmehr etwa drei Monaten wartet ein Gründer aus Wien auf das ihm zugesagte Geld. „Bei uns wird es in November kritisch wegen den doppelten Gehältern. Und wir wissen auch nicht, wann wir unser Team erweitern können“, sagt er zu Trending Topics. Er habe eine Zusage für einen Zuschuss aus dem COVID-Startup-Hilfsfonds. Doch dem Vernehmen nach fehlt dem aws das Geld – das Finanzministerium hat die Ausbezahlung der letzten Tranche für den Hilfsfonds, der insgesamt 50 Millionen Euro ausmachte, noch immer nicht veranlasst – die letzten etwa vier Millionen Euro sollen noch fehlen.

„Formelle Details“ müssen noch geklärt werden

Dem Vernehmen nach soll es sich um mehr als ein Dutzend Startups handeln, die derzeit in der Luft hängen und darauf warten, dass das Finanzministerium bald Geld fließen lässt und Unterschriften tätigt. Bei der Jungen Wirtschaft, die einen guten Draht zum Finanzministerium hat, ist man bereits „von mehreren Fällen“ informiert.

Der COVID-Startup-Hilfsfonds wurde Anfang Mai im Rahmen der Corona-Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung gestartet. Anfang August war das Geld dann bereits zugesagt – viel schneller als gedacht. Dass nun einige Startups auf Gelder warten, ist nicht der Regelfall – insgesamt konnten sich mehr als 200 Firmen die Zuschüsse aus dem COVID-Startup-Hilfsfonds holen.

„Beim Covid-19-Start-ups-Hilfsfonds werden derzeit die formellen Details zur Ausbezahlung der letzten Tranche des Programmes mit den Ressorts abgeklärt. Nach Abschluss wird die Erledigung der wenigen noch offenen Anträge möglich sein“, heißt es seitens aws. „Darüber hinaus setzen wir aber auch in allen anderen Programmen wichtige Schritte, um die Unternehmen so rasch wie möglich unterstützen zu können.“

Man lege bei den neu gestarteten Programmen besonderen Wert auf eine rasche Bearbeitung. Bei der aws Überbrückungsgarantie sei ein eigenes Schnellverfahren entwickelt worden, dass eine Zusage innerhalb von 24 Stunden ermögliche, bei der aws Investitionsprämie konnten bereits etwa 60 Prozent aller Anträge zugesagt werden.

„Können es uns nicht lange leisten“

Einfach ist die Situation für das BMF derzeit sicher nicht, schließlich wurde kürzlich das Budget 2021 vorgestellt, das für das kommende Jahr ein sattes Defizit von 21 Milliarden Euro vorsieht (2020 wird mit einem Defizit von rund 28,5 Milliarden Euro gerechnet). Zudem wurde eine zusätzliche Milliarde für den Umsatzersatz für Firmen, die während Lockdown II im November zusperren müssen (also Gastro und Hotels) bereitgestellt. Trotzdem ist vielen noch der Ausspruch „Koste es was es wolle“ im Ohr.

Bei den Geldern, die die aws derzeit nicht an Startups ausbezahlen kann, handelt es sich nicht nur um den COVID-Startup-Hilfsfonds. Eine weitere Jungfirma aus Oberösterreich berichtet, dass sie seit etwa sieben Wochen auf die finale Unterschrift des Finanzministeriums für das Double-Equity-Programm der aws warten. Dabei wird privates Eigenkapital, das in der Regel von Investoren bzw. Business Angels kommt, verdoppelt.

Weil die aws, die das Programm abwickelt, bereits zugesagt hat, hat das Startup schon angefangen, das Team auszubauen. Die Leute haben wir zum Teil schon eingestellt und zum Teil schon Arbeitsverträge unterschrieben“, so ein Mitgründer gegenüber Trending Topics. „Die Leute würden wir ohne Double Equity nicht einstellen, und können es uns nicht lange ohne leisten.“

In den letzten Wochen haben sich wiederholt Startups bei Trending Topics gemeldet, die viele Wochen auf Geld bzw. eine finale Zusage gewartet haben. In anderen Fällen als den oben beschriebenen hat sich die Situation gelöst. Ein Gründer, der etwa 50 Tage auf die Antragsbearbeitung wartete, konnte nach einer Beschwerde bald wieder Entwarnung geben – eine andere Wiener Gründerin konnte vor einigen Wochen auch Entwarnung geben und berichtete freudig, dass sie die Zusage für den COVID-Startup-Hilfsfonds noch in letzter Sekunde bekommen hat.

Lange Bearbeitungszeiten in der Kritik

Auch bei der FFG, die neben der aws die zweite wichtige Förderstelle in Österreich für Startups ist, scheint es zu stocken, wenn es um Termine für Förderzusagen oder absagen geht. „Wir haben Anfang September zusätzlich zu super fachlicher Auskunft das Feedback bekommen, dass die Bearbeitungszeit mindestens 12 bis 14 Wochen ist, es noch zwei Sitzungen heuer gibt, wobei der Termin im Oktober schon voll ist und der im Dezember auch nicht garantiert werden kann. Es wird eher bis nächstes Jahr dauern. Das ist angesichts der Lage natürlich wenig hilfreich und dauert einfach viel zu lange“, so ein Gründer gegenüber Trending Topics.

Seitens FFG heißt es wiederum, dass die steigende Zahl bei Projektanträgen sich nicht nachteilig auswirke, „weder auf die Förderzusagen, noch auf unsere Bearbeitungs- und Betreuungszeiten. Wenn die FFG ein Projekt fördert, werden mit dem Einreichdatum des Projektantrags Kosten anerkannt. Deshalb raten wir allen, die Zeit zu nutzen: Dranbleiben, nachschärfen, sich gut mit Forschungspartnern vernetzen“, so eine FFG-Sprecherin.

Dass Startups derzeit bei der Planung mit Fördergeldern in der Luft hängen, kann man aber auch so sehen: „Man sollte nie von Förderungen abhängig sein. Unser Fördersystem ist Luxus im internationalen Vergleich und es ist bekannt, dass es zu Verzögerungen kommen kann“, schreibt ein anderer Gründer.

Anmerkung: Die Startup-Gründer wollten nur unter Zusage der Anonymität in diesem Artikel mit Trending Topics über das Thema sprechen.

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