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Velonto: Linzer Startup wagt sich in das Haifischbecken der Essenslieferdienste

Das Velonto-Team © Velonto
Das Velonto-Team © Velonto

Der Markt für Zustelldienste von Essen aus Restaurants ist in Österreich heiß umkämpft. Im Frühjahr hat Uber Eats den Rückzug bekannt gegeben  – 200 Fahrradboten waren betroffen. Dann folgte Foodora. 600 Radler mit pinken Taschen, die vornehmlich Essen gehobenerer Restaurants auslieferten. Foodora gehört nämlich dem deutschen Unicorn Delivery Hero, genauso wie der österreichische Platzhirsch Mjam. Eine Markte genügt für den kleinen Markt, findet Delivery Hero – die 600 Radfahrer fahren nun für Mjam.

Ganz alleine ist Mjam nun natürlich trotzdem nicht. Der große Konkurrent heißt Lieferservice.at und gehört ebenfalls zu einem internationalen Mutterkonzern, der niederländischen Takeaway.com. Die beiden Platzhirsche Delivery Hero und Takeaway lösen ihre Rivalität in einzelnen Märkten mitunter pragmatisch. In Deutschland hat der niederländische Konzern das gesamte Geschäft von Delivery Hero, also Lieferheld, Pizza.de und Foodora, um rund eine Milliarde Euro übernommen.

Velonto, das Fahrradkurier-Startup in Linz

Warum wir das erzählen? Weil es nun in Linz ein Gründerteam gibt, das sich mitten in dieses Haifischbecken wagt. Seit einem Jahr fahren eine Hand voll Fahrradkuriere in Linz für das Startup Velonto. Zunächst war die Idee von Josef Chen, Erik Rohringer, Paul Nober, Jakob Mayrhofer und Moritz Haas, einen allgemeinen Lieferdienst aufzuziehen – ein wenig wie Veloce in Wien, das ebenfalls von Privatpersonen über eine App genutzt werden kann. Velonto ging noch einen Schritt weiter und ließ seine Nutzer Einkaufslisten anlegen und schickte Fahrradkuriere für sie einkaufen. Ein Konzept, mit dem gleich zwei Wiener Supermarkt-Lieferdienste gescheitert sind: Zuper und Yipbee.

+++ Ex-Supermarkt-Lieferdienst Zuper übernimmt Wiener Startup Delinski  +++

„Echtes Restaurantessen“ funktioniert besser

Auch Velonto ist aufgefallen, dass fertiges Essen besser funktioniert als die Lieferung der Zutaten aus einem Supermarkt: „Da wir aufgrund der schon fast einjährigen Testphase in Linz festgestellt haben, dass besonders Essenslieferungen beliebt sind, haben wir uns dazu entschlossen mit regionalen Gastronomen zusammenzuarbeiten und eine komplett neue App zu entwickeln“, erklärt Erik Rohringer, der bei Velonto für die Produktentwicklung zuständig ist. Ende August ist der Start der neuen App geplant. Linzer Restaurants sollen unabhängiger von großen Ketten werden und Nutzer sollen eine bessere Auswahl haben – „die hohe Qualität von „echtem“ Restaurantessen“, meint Rohringer.

Sieben besser bezahlte Radfahrer

Von der Konkurrenz hebe man sich außerdem durch eine Fülle von Leistungen für Restaurants ab, die Bestellprozess, Auslieferung und Marketing umfassen. Mjam beispielsweise fährt erst seit Anfang 2018 mit einer eigenen Lieferflotte. Die wächst aber rasant und seit heuer sind auch die Radler von Foodora mit an Bord. Während Velonto derzeit mit sieben Fahrern liefert, hat Mjam mehr als 700 Radfahrer in seiner Flotte. Die Kuriere fahren auf Selbstständigenbasis und verdienen vier Euro pro Auslieferung, wobei es eine Untergrenze von acht Euro pro Stunde gibt. Velonto verspricht fünf Euro pro Lieferung, wobei vier Lieferungen pro Stunde realistisch seien. Nutzer bezahlen eine Liefergebühr von rund drei Euro und Restaurants eine Provision.

Velonto hat jedenfalls bereits Expansionspläne. In den nächsten zwei Jahren soll die App perfektioniert werden. Konkret plant das Startup, sich auch wieder Einzelhändlern zu öffnen. Dazu sollen die Produkte in der App aber wie in einem Online-Shop ausgewählt werden können. Schließlich will Velonto weitere Städte erobern. Für Wien und München gebe es bereits ganz konkrete Pläne.

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