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eCOVID19: Wiener HealthTech-Startup bringt Corona-App zur Hotline-Entlastung

© scarletred
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Um den Ansturm an Betroffenen managen zu können, gelten digitale Tools für immer mehr Behörden und Regierungen als Teil der Lösung. In diese Kerbe schlägt jetzt auch das Wiener Startup Scarletred von Gründer Harald Schnidar. Mit eCOVID19 bringt das junge Unternehmen eine eigene Telemedizin-App auf den Markt, die vor allem eines machen soll: Menschen, die Symptome von COVID-19 zeigen möglichst unkompliziert zu beraten und an die richtige Stelle weiter zu leiten. Darüber hinaus soll die Software in Folge weitere Funktionen bekommen. Diese Woche soll die App verfügbar werden.

In einem ersten Schritt funktioniert die kostenlose App, die es für iPhone und Android gibt, folgendermaßen: Der Nutzer beantwortet am Display einige Fragen zu seinem Gesundheitszustand und wird dann automatisch einer Risikostufe zugewiesen – grün, gelb, rot. Je nach Risikostufe soll es dann unterschiedliche Optionen geben. So soll man entweder an die (oft überlastete) 1450-Hotline weiter geleitet werden, oder man soll einen Videocall mit einem Mediziner machen können. „Wir wollen momentan vor allem Mediziner in Heimquarantäne, die dem Gesundheitssystem entzogen sind, in die App holen, damit sie telemedizinische Betreuung machen können“, sagt Schnidar im Gespräch mit Trending Topics. „Die App richtet sich an alle Personen, die sich einem schnellen elektronischen COVID19-Self-Check unterziehen wollen und basierend darauf auch eventuell eine Tele-Konsultation in Anspruch nehmen wollen.“

Plattform für Telemedizin

Scarletred hat sich in den letzten Jahren eigentlich auf auf die Überwachung von Hautkrankheiten mittels App spezialisiert und hat in den USA ein eigenes Büro eröffnet (Trending Topics berichtete). Die Corona-Krise in China war dann schon vor zwei Monaten der Auslöser, das Team an der neuen App arbeiten zu lassen. Unterstützung bekommt das Startup bei der neuen App von der Stadt Wien, dem Pflegeeinrichtungsanbieter SeneCura, dem Bundesrechenzentrum und A1. „Wir haben das Produkt bis jetzt zu 100% selbst aus dem eigenen Cashflow entwickelt“, sagt Schnidar. „Wir haben noch keine Investoren ins Boot geholt, sind aber mit großen namhaften Pharmaunternehmen im Gespräch.“

Die App, die sich Nutzer aufs Smartphone laden können, ist dabei nur das eine Ende der Software – das andere ist eine Web-Plattform, über die sich Mediziner einloggen können, um mit den Nutzern digital in Kontakt zu treten. „eCOVID19 ist keine reine Gesundheits-App, sondern eine zertifizierte medizinische Software-Plattform“, sagt Schnidar. „Es existiert zusätzlich zur App auch ein Web-Interface, zu welchem Mediziner und Psychiater Zugang bekommen. Über dieses Interface kann unter anderem eine Echtzeit-Telemedizin-Triage der Nutzer erfolgen.“ Schnidar betont dabei, dass die App als Medizinprodukt zertifiziert wurde. „Der Verwendungszweck schreibt rechtlich eine solche Deklaration vor, denn bei COVID-19 geht es um eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung“, sagt er.

Ampelsystem und anonymer QR Benutzercode in der eCOVID19-App. © Scarletred
Ampelsystem und anonymer QR Benutzercode in der eCOVID19-App. © Scarletred

Ärzte entlasten

Um möglichst rasch viele Ärzte in die App zu bekommen, arbeitet Scarletred bereits mit ersten Spitälern und Österreichs größtem Pflegeeinrichtungsanbieter SeneCura zusammen, weitere Partner sollen nun hinzukommen.  „SeneCura hat mit Ärztinnen und Ärzten aus unseren derzeit großteils geschlossenen OptimaMed-Rehabilitationseinrichtungen eine Hotline für die Beratung des leitenden Pflegepersonals in unseren Einrichtungen aufgebaut. Nunmehr wird gemeinsam mit dem Wiener Unternehmen Scarletred die erfolgreiche Kooperation im Bereich der Telemedizin fortgesetzt“, heißt es seitens des Unternehmens. „Mit dem eCOVID-19 Symptomcheck kann den SeneCura-Sozialzentren damit noch effizienter und rascher ein Screening über das Vorliegen einer COVID-19 Erkrankung zur Verfügung gestellt werden. Und die Hausärztinnen und Hausärzte aber auch die Gesundheitsnummer 1450 werden deutlich entlastet.“

Die eCOVID19-App ist in einem ersten Schritt als Symptom-Check konzipiert. Schnidars Ideen gehen aber darüber hinaus. „Wir haben die eCOVID19-Anwendung mit dem aktuellen Funktionsumfang primär auf Grund unserer Verantwortung als soziales Unternehmen heraus entwickelt“, sagt Schnidar. „Damit die Anwendung aber nun auch breiter und größer werden kann, holen bei eCOVID19 Biopharma-Firmen und eventuell auch Versicherungen mit an Bord.“ Eine Idee: Die App soll später auch als digitaler Ausweis dienen können, um einmal wieder Reisen ins Ausland oder zumindest innerhalb der EU antreten zu können. Die Software könnte Behörden dabei über den scanbaren QR-Code die notwendige Auskunft zum COVID-19 Gesundheitsstatus geben und ob ein Reiserisiko vorliegt oder nicht.

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