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Eben Moglen auf der re:publica: „Social Media ist nur dazu da, um Neid zu stiften“

US-Professor Eben Moglen auf der re:publica-Bühne. © Jakob Steinschaden
US-Professor Eben Moglen auf der re:publica-Bühne. © Jakob Steinschaden

“Swipe nach links, klicke hier, kaufe das: Wir werden zu Objekten von Experimenten einer Maschine. Alles, was wir tun, lehrt die Maschine.” Wer auf digitale Dystopien steht, der war heute bei der Eröffnungs-Keynote von Eben Moglen auf der Berliner Internet-Konferenz re:publica genau richtig. “Wir machen uns ein Netz, das wir nicht wollen, ein Netz der Überwachung und des Data-Mining”, sagte der Professor für Rechtsgeschichte an der Universität Columbia und seines Zeichens Chefsyndikus der Free Software Foundation sowie Gründer des Software Freedom Law Center. Anstatt eines freien Internet würden wir in einem Netz hängen, in dem Staaten und die großen Plattformen Facebook, Google und Co. den Ton angeben.

Raus aus Facebook

Besonders auf Facebook hat sich Moglen, einer der Vordenker von freier Software und Verschlüsselungstechnologien, eingeschossen. “Social Media ist nur dazu da, um Neid zu stiften”, sagte er vor tausenden Menschen bei seiner Rede, und die Plattform-Betreiber, allen voran Mark Zuckerberg, würden diesen Neid nutzen, um mit Werbung drumherum Milliarden zu scheffeln. Nutzer würden die schlechten Seiten ihres Lebens auslassen und nur in die digitale Welt hinausposaunen, was sie geschafft und gekauft haben, mit dem Effekt, dass ihre virtuellen Freunde und Follower auch so ein Leben und auch solche Waren wollen – Ein perfektes Umfeld für Werbung. „Sharing muss ohne Super-Freund in der Mitte funktionieren, wir müssen von diesen Plattformen weg”, so der Appell Moglens.

Wie das in der Praxis funktionieren könnte, dafür hat der US-Professor nur einen vagen Vorschlag. Junge Menschen sollten heute freie Software verwenden und sich ihre eigenen Netze bauen, zudem bedürfe es einfacher Verschlüsselungstechnologien, um Staaten und Unternehmen von der digitalisierten Privatkommunikation auszuschließen. „Wir müssen ein Netz bauen, dass von Grund auf unsere Privatsphäre berücksichtigt.“

Alles im Sinne der Werbung

Mishi Choudhary, Legal Director beim Software Freedom Law Center, wies gemeinsam mit Moglen auf die Gefahren hin, die Google und Facebook für jene Regionen der Welt bedeuten, die noch nicht mit Internet versorgt sind. Initiativen wie Free Basics von Facebook, das kostenlose Web-Dienste in arme Länder bringt,  würden nicht für mehr Demokratie sorgen, sondern in erster Linie den Geschäftsmodellen des Silicon Valley dienen. “Es ist nicht garantiert, dass ein Fischer mehr Geld verdienen wird, nur weil er Internet hat. Was aber garantiert ist, ist, dass Ads auf Smartphones schneller rendern”, sagte Choudhary. Zum Glück sei Free Basics in Indien von der Regulierungsbehörde gestoppt worden.

Moglen wiederum machte sich aber trotzdem speziell um Indien sorgen. Denn die größte Demokratie der Welt würde am intensivsten daran arbeiten, das Bargeld abzuschaffen. „Wenn wir das Bargeld abschaffen, schaffen wir den freien Markt ab“, sagte Moglen. Im digitalen Zahlungsverkehr würden alle Transaktionen immer über Dritte ablaufen, die dem zustimmen können oder eben nicht. Würde es kein Papiergeld mehr geben, dann könnten keine Geschäfte einfach mehr zwischen zwei Personen gemacht werden ohne die Zustimmung eines Dritten. Moglen: „Wir sind die letzte Generation, die noch eine Wahl hat, aber die Zeit läuft uns davon.“

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