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Dropbox, Facebook, Google, Evernote: Sterben der Standalone-Apps zeigt Rückbesinnung auf Kerndienste

RIP Rooms, Mailbox, Carousel, Slingshot, Songza & Riff. © Fotolia/hitdelight, Montage TrendingTopics.at
RIP Rooms, Mailbox, Carousel, Slingshot, Songza & Riff. © Fotolia/hitdelight, Montage TrendingTopics.at

Vor einiger Zeit war es noch State of the Art, dass sich große Internet-Dienste für die mobile Nutzung gerne in kleine, einfach konsumierbare Häppchen aufteilten. Anstatt alle möglichen Funktionen in eine einzige, überladene App zu packen, wollte man Smartphone-Nutzern schlanke Single-Use-Apps bieten. Diese Strategie sieht auf dem Papier sicher sinnvoll aus, hat sich in der Praxis aber nicht zwingend als erfolgreich erwiesen. 2015 und vor allem in den letzten Wochen haben Silicon-Valley-Riesen wie Facebook, Google und Dropbox das Ende einer ganzen Reihe von Standalone-Apps bekannt gegeben, deren Funktionen in die Haupt-Apps gepackt werden:

1. Facebook stellt Slingshot, Riff und Rooms ein

Das Social Network hat diese Woche bekannt gegeben, drei Apps einzustellen. Da ist zum einen Slingshot, das als Foto-Sharing-App gegen Snapchat positioniert war, das aus den App Stores entfernt wurde. Weiters wird Riff, eine kaum bekannte und wenig genutzte App Riff für die gemeinsame Erstellung von Videos, nicht mehr zum Download angeboten. Und schließlich wird Rooms, eine App zum anonymen Chatten, am 23. Dezember eingestellt. Der große Hintergrund: Facebook schließt seinen internen Inkubator Creative Labs, der eingerichtet wurde, um sich an neuen Apps zu versuchen. Zwar will Facebook andere Apps wie Moments oder Paper, die auch den Creative Labs entsprungen sind, weiter betreiben, doch der Strategieschwenk scheint klar: Das Social Network will sich auf seine großen, starken Apps Facebook, Instagram, Messenger und WhatsApp konzentrieren und diese weiter als Plattformen etablieren.

2. Dropbox killt Mailbox und Carousel

Der Online-Speicherdienst Dropbox hat diese Woche bekannt gegeben, seine beiden Standalone-Apps Mailbox (E-Mail) und Carousel (Foto) einzustellen. Stattdessen will man Kernfunktionalitäten der beiden Apps in das Hauptprodukt integrieren. Urprünglich wollte man die beiden Dienste als zusätzliche Zugangspunkte zur Dropbox-Cloud etablieren, nun hat man aber erkannt, dass Nutzer offenbar lieber alles in der Hauptanwendung erledigen.

3. Google schließt Songza und Helpouts

Im Rennen um von Menschenhand kuratierte Musik-Dienste gegen Apple hat Google 2014 das Start-up Songza aufgekauft. Dessen Ende ist nun besiegelt: Am 31. Jänner wird die App eingestellt, die Grundidee allerdings weiterleben. Die Songza-Funktionen sind mittlerweile in der Play Music-App von Google integriert worden. Auch der Dienst Helpouts, der von den Hangouts ausgegliedert wurde und wo man per Videochat Experten konsultieren konnte, wurde eingestellt.

4. Evernote verzichtet auf Food, Hello und Peek

Der Notiz-Dienst Evernote hat 2011 die Standalone-Apps Hello, Peek und Food gestartet, mit denen man Visitenkarten, Rezepte und Lernunterlagen einfach digitalisieren und in der Evernote-Cloud ablegen konnte. Hello und Peek wurden bereits Anfang des Jahres eingestellt, im Herbst musste dann die Food-App dran glauben.

Bei Techcrunch finden sich noch weitere Beispiele von Standalone-Apps, die größere Internetfirmen wieder eingestellt haben (z.B. Square, Twitter). Andere große Dienste fangen gar nicht erst an, Unterfunktionen in eigenständige Apps auszulagern. Bestes Beispiel ist Snapchat: Dort kann man Fotos schicken, Videos drehen, chatten, Video-chatten und selbst Medien wie Buzzfeed, Vice oder Vox konsumieren, ohne die App verlassen zu müssen.

Spannend wird auch sein, wie Firmen wie Runtastic weitermachen: Die Linzer Adidas-Tochter hat bis dato etwa 20 verschiedene Apps auf den Markt gebracht. Während man zuvor viele verschiedene Apps für Einzelanwendungen gebracht hat (z.B. für Liegestütze, Sit-ups) ist die neueste Kreation „Results“ (TrendingTopics.at berichtete) wieder eine größere App, die viele verschiedene Funktionen gleichzeitig bietet und daruaf abzielt, den Nutzer zum monatlich zahlenden Abonnenten zu machen. Denn auf Dauer werden Runtastic und andere nicht permanent neue Apps zum Einzelkauf auf den Markt werfen können, sie müssen die User zu Dauerkunden machen.

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