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Dog Policy: Hunde verbessern das Arbeitsklima, haben aber auch Konfliktpotenzial

Hund im Büro. © Lum3n von Pexels
Hund im Büro. © Lum3n von Pexels

Zur allgemeinen Startup-Kultur gehören Hoodies, Bio-Drinks, „Get Shit Done“-Sprüche an der Wand, ein Tischfußballtisch und – genau, ein oder mehrere Hunde im Büro. Die Vierbeiner gelten im Office als wichtiger Zugewinn, weil sie das Arbeitsumfeld auffrischen, zwischendurch in stressigen Situationen für einige freundliche Momente sorgen und Mitarbeitern mittels Gassi-Gehen auch mal kurz eine Unterbrechung in der stundenlangen Computer-Arbeit bescheren.

Mittlerweile sind Firmen gar dazu übergegangen, ihre Dog Policy als besonderes Zuckerl bei der Anwerbung neuer Mitarbeiter einzusetzen. In Deutschland machte die Funke Mediengruppe dazu kürzlich gar eine eigene Aussendung und berief zwei Manager auch noch öffentlichkeitswirksam zu Chief Dog Officers. Katja Bauer, Redakteurin der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, und Pressesprecher Dennis Jerchow sind die Verantwortlichen, die die Mitarbeiter mit den Regeln vertraut machen, bevor diese ihre Hunde ins Büro mitbringen. In Österreich finden sich viele Digitalunternehmen unter den hundefreundlichsten Firmen.

Mehr gute Stimmung, weniger Stress

„Hunde sorgen im Büro für gute Stimmung, allein die Anwesenheit kann Stress mindern und das Wohlfühlen steigern, Halterinnen und Halter verbringen ihre Pausen aktiver und erholen sich so besser. Diese und viele weitere Vorteile sind längst durch Dutzende Studien belegt“, so Bauer. „Mit dem Projekt wollen wir die Zufriedenheit aller Kolleginnen und Kollegen steigern, egal ob mit oder ohne Hund.“

Und da liegt auch der Hund begraben (sry, musste sein). Denn meistens ist es so, dass einige wenige Mitarbeiter ihre Hunde mitnehmen, und sich die restlichen dann damit arrangieren müssen. Lautes Bellen, keine Stubenreinheit, Kynophobie (Angst vor Hunden) und Hundehaar-Allergien können dann schnell zu Problemen bei den Kollegen führen. Das sind auch Mitgründe, warum ausgerechnet bei Tractive, dem oberösterreichischen Scale-up für Tier-Tracker, derzeit keine Hunde am Arbeitsplatz für die etwa 125 Mitarbeiter erlaubt sind.

„Es ist schwierig bei dieser Größe“, sagt Michael Hurnaus, CEO bei Tractive. „In einem Großraumbüro ist es nicht die ideale Lösung, überall die Hunde zu haben. Das ist besser in Agenturen oder kleineren Firmen.“ Bevor er Tractive 2012 gründete, war er bei Amazon in den USA tätig. Auch dort hätte es, nachdem von einem Tag auf den anderen Hunde erlaubt worden waren, schnell auch Probleme gegeben. Auch bei anderen Unternehmen hätte es nicht geklappt. „Firmen im Tierbereich waren die ersten, die das erlaubt haben“, so Hurnaus. Bei PetSafe, einem Hersteller für Elektronik-Gadgets für Haustiere, musste die Hundeerlaubnis sogar zurück genommen werden, weil es nicht klappte. „Das war dann noch schlimmer für alle, als wenn es gar nicht erlaubt worden wäre.“

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Office Dogs brauchen klare Regeln

Deswegen sollte die Einführung einer Hundeerlaubnis auch mit entsprechenden Regeln erfolgen – denn je mehr Mitarbeiter, desto mehr Hunde, desto mehr Konfliktpotenzial. „Man muss das realistisch betrachten. Es gibt sicher gute Möglichkeiten, die man finden kann, die auch für alle Mitarbeiter funktionieren“, sagt Hurnaus.

Bei Martin Rütter, einem anerkannten Hunde-Profi und -Trainer im deutschsprachigen Raum, wie auch beim Bundesverband Bürohund finden sich hilfreiche Tipps, was den Umgang mit Hunden und die Dog Policy im Unternehmen betrifft. So sollte man unter anderem auf folgende Punkte achten:

  • vorab ist zu klären, ob es unter den Mitarbeitern Tierallergiker oder Menschen mit Angst vor Hunden gibt – das sind Ausschlussgründe. Der Hund darf aber auch nicht andere beim Arbeiten stören
  • ein Hund braucht einen fixen, ruhigen Platz im Büro, optimalerweise abseits des Geschehens gleich neben seinem Besitzer. Gut sind ein Körbchen oder sogar eine Hundebox, in die sich das Tier zurückziehen kann
  • der Hund muss grundlegende Befehle (Sitz, Platz, etc.) können und muss seinem Besitzer stets folgen. Am wichtigsten ist, dass er auf seinem Platz bleibt. Ein Hund, der auf Kommandos nicht hört und frei im Büro herumläuft, wird nicht funktionieren
  • Der Hund muss mit anderen Hunden im Büro verträglich sein bzw. müssen sich die Hundehalter untereinander abstimmen. Wildes Spielen oder gar Territorialkämpfe darf es nicht geben
  • Die Kollegen sollten informiert werden, was sie dem Hund geben dürfen und was nicht – ansonsten wird das Tier mit Leckerlis oder gar falscher Nahrung gefüttert oder sogar überfüttert. Auch sollten sie Ruhezeiten des Hundes respektieren und ihn nicht permanent als Streichelobjekt und Kuscheltier sehen
  • Hunde können immer wieder Dinge beschädigen – auch teure Geräte und Gegenstände im Büro. Der Halter sollte deswegen eine entsprechende Versicherung abschließen, um unerwarteten Kosten vorzubeugen. Auch der Arbeitgeber kann auf Hundehaftpflichtversicherung bestehen
  • Hunde müssen regelmäßig raus. Deswegen ist es optimal, wenn es in der Nähe des Büros einen Platz gibt, an dem man mit dem Hund Gassi gehen kann
  • zu klären ist, ob Vermieter des Büros Hunde überhaupt erlaubt

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