Gastkommentar

DLD Tel Aviv 2015: Was man in der Innovationshochburg Israel lernen kann (und was nicht)

Ambuzzador-Chefin Sabine Hoffmann macht Selfie in Tel Aviv. © S. Hoffmann
Ambuzzador-Chefin Sabine Hoffmann macht Selfie in Tel Aviv. © S. Hoffmann

Nach einem so spannenden DLD im Januar in München, freute ich mich sehr, den DLD auch einmal in Tel Aviv in Israel miterleben zu dürfen. Im Rahmen der Österreich Delegation, initiiert von Martin Drexler – eine von 53 Delegationen aus der ganzen Welt. Was den DLD Tel Aviv besonders macht, sind die Start-ups, die sich am Festival Gelände präsentieren, um deinen einen oder anderen Investor oder auch Kunden zu gewinnen.

Das Highlight der Konferenz selbst, war für mich die halbe Stunde mit Friedensnobelpreisträger Shimon Perez, der bis 2014 Präsident von Israel war. Erfrischend, wenn er mit seiner Erfahrung auf unsere Welt blickt, in mitten von Konflikten und dem digitalen Zeitalter, das nicht alle gleichermaßen erreicht – so berichtete Perez mit Sorge, dass nur 4,5 Prozent der arabisch sprechenden Einwohner Israels Internetzugang hätten. Nach seinem erstaunlich versierten Blick auf die technischen Möglichkeiten der digitalen Transformation, ermunterte er uns, auf das Träumen nicht zu vergessen, als DIE Quelle der Inspiration.

Sterbende Geschäftsmodelle und disruptive Produkte

Inhaltlich habe ich mir von der Konferenz trotz 30 Grad und Sandsturm (ja, die Konferenz fand unter freiem Himmel und in sporadisch klimatisierten Zelten statt) ein paar Highlights mitnehmen können: „sterbende“ Geschäftsmodelle erkennen, dass sie sich im Sterbeprozess befinden (wie Sascha Lobo es formulieren würde), befinden sich allerdings im Zustand der Starre und haben keine Antworten auf viele Fragen. So etwa Online-Journalismus, Advertising oder die Telcos. Ein wenig Hoffnung haben traditionelle Werber, wie Rob Dembitz (Lion Festival) präsentierte, indem sie die klassischen Werbeformen aufbrechen mit disruptiven Produkten, wie etwa der Panasonic Klimaanlage, deren Spot auch in Cannes prämiert wurde.

Mehr zukunftsgerichtet war das Panel zum Thema „Maker Movements“, wo kreative, mehr oder weniger ernst gemeinte Geschäftsmodelle präsentiert wurden. Mein Favorit war 3D-gedruckte Designer Fashion von der Designerin und Produzentin Danit Peleg.

Für und Wider der Anonymität im Netz

Spannende war zum Abschluss für mich die Diskussion rund um Hasspostings, die zu keiner Einigung führte: Wollte die eine Seite die Anonymität des Internets aufheben, so war die andere Seite strikt dagegen, weil sich damit der USP und die Kraft des Internets ad absurdum führe. So wären die Hasspostings halt der Preis für die Kreativität, die das Internet im Rahmen von Crowdsourcing-Prozessen hervorbringt.

Meine Conclusio? DLD Tel Aviv ist ein guter Einstieg um internationale Start-up Atmosphäre zu schnuppern, die Konferenz empfehle ich eher in München. So wieder Im Januar 2016.

Sabine Hoffmann ist Geschäftsführerin der Wiener Social-Media-Agentur ambuzzador.

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