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DirectSens: Mit Biosensoren dem Zucker in Milch und Blut auf der Spur

Die DirectSens-Gründer. © DirectSens
Die DirectSens-Gründer. © DirectSens

Es ist ein Markt, den man gar nicht unterschätzen kann. Weltweit haben rund 75 Prozent der Menschen eine Laktoseintoleranz, können also Milchzucker nicht oder nur unvollständig verdauen. Der Anteil an der Bevölkerung schwankt je nach Region: In Asien vertragen nur etwa sechs Prozent der Bevölkerung Milch, in Nordeuropa sind es wiederum 90 Prozent. Doch durch das steigende Ernährungsbewusstsein der Bevölkerung steigt die Nachfrage nach laktosefreien Produkten auch in unseren Breitengraden. Es findet sich kaum mehr ein Hipster-Cafe, der nicht entsprechende Milch anbietet.

Für das Wiener Spin-off DirectSens sind das spannende Entwicklungen. Die Firma, eine Gründung von 5 Absolventen der Universität für Bodenkultur hat sich auf die Messung verschiedener Zuckerarten mit präzisen Biosensoren spezialisiert. Das erste kommerzielle Produkt namens „LactoSens“, ein Ergebnis langjähriger Forschungsarbeit, ist seit dem Start 2016 in der Molkereiindustrie in über 50 Ländern zum Einsatz.

„Das Gerät ermöglicht eine einfache und schnelle Bestimmung der Restlaktosekonzentration vor Ort und vereinfacht dadurch die Milchanalytik wesentlich“, sagt Christoph Sygmund, Geschäftsführer von DirectSens. „Das Gerät besteht aus Biosensor-Teststreifen und dem dazugehörigen Messgerät mit Software. Es ist für die Qualitätskontrolle bei der Herstellung von laktosefreien Milchprodukten in Molkereibetrieben gedacht.“

„Wir profitieren sicher vom Trend“

Dass die Nachfrage nach dem Sensor der Wiener Firma groß ist, hat viel mit den geänderten Ernährungsgewohnheiten der Menschen zu tun. „Wir profitieren sicher von dem Trend, dass Konsumenten immer genauer wissen wollen, was in ihrem Essen drinnen ist und auch immer genauer darauf schauen was sie zu sich nehmen“, sagt Sygmund.Ohne den Trend „laktosefrei“ würden nicht so viele Molkereien laktosefreie Produkte herstellen. Dadurch wäre auch der Bedarf nach unserem LactoSens geringer.“

Derzeit beschränkt sich das Geschäftsmodell von DirectSens auf Geschäftskunden, also in erster Linie auf Molkereien. „Prinzipiell denken wir aber immer wieder über die Weiterentwicklung zu einem Schnelltest für die Endkonsumenten nach und werden auch öfters danach gefragt“, so der DirectSens-Geschäftsführer. „Auch unser neuestes Produkt, ein Laktatsensor, profitiert von einem ähnlichen Phänomen. Menschen wollen immer mehr über ihren Körper wissen und bestimmte Parameter messen. Besonders gilt das für sportlich aktive Personen, die sich durch das Wissen ein effizienteres Training oder ein gesünderes Leben erwarten.“

Weitere Biosensoren in Arbeit

Das LactoSens-Gerät ist dabei aber nur der erste von vielen weiteren, in Planung befindlichen Biosensoren. Das zweite Produkt ist eine Sensor-Nadel zur kontinuierliche Überwachung des Blutzuckers von Diabetes-Patienten. Es sei ein „Upgrade bisheriger Blutzucker-Sensortechnologien“, so Sygmund. „Zielsetzung ist die Lizensierung dieser Technologie an ein Diagnostikunternehmen innerhalb der nächsten 2 Jahre.“ Außerdem wird im EU-geförderten Projekt ELSAH gemeinsam mit dem AIT, Infineon oder dem Imperial College London an einem smarten Patch für die kabellose Messung von molekularen Biomarkern geforscht. Dabei geht es darum, mit winzigen Nadeln Laktat- und Glucose-Werte zu messen.

„LactoSens ist derzeit unser Hauptprodukt. Generierte Umsätze werden in die Entwicklung des Unternehmens investiert“, sagt Sygmund. Um dorthin zu kommen, hat das Team seit 2013 einige Anstrengungen unternommen. „Mit Hilfe privater Investoren konnte die Lücke bis zu den ersten Umsätzen geschlossen werden“, so Sygmund weiter. Und: „Ohne öffentliche Förderungen ist die Entwicklung solcher Produkte nur sehr schwer oder gar nicht realisierbar. Wir hatten das Glück, dass verschiedene Förderstellen das Potential unserer Technologieplattform erkannt haben und uns von Anfang an unterstützt haben.“

„Hervorragendes Umfeld für Ausgründungen“

Als DirectSens vor sechs Jahren gegründet wurde, gab es bereits viel Unterstützung durch Förderstellen – dafür ist Österreich bekannt. Doch heute wäre es leichter, ein Biotech-Unternehmen zu gründen. Sygmund: „In den letzten Jahren hat sich noch einmal viel in diese Richtung, etwa mit Inkubatoren und Gründungszentren, getan. In Österreich gibt es mittlerweile ein hervorragendes Umfeld für Ausgründungen.“

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