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Die USA haben einen neuen Verbündeten gegen China: Indien

Indische Soldaten in der Grenzregion zu China. © Maninderjeet Singh Sidhu on Unsplash
Indische Soldaten in der Grenzregion zu China. © Maninderjeet Singh Sidhu on Unsplash

China raus, USA rein. Das ist die überspitzte Kurzfassung der Szenerie, die sich derzeit in Indiens Tech- und Internet-Welt abspielt. Bis 2025 soll Indien China als bevölkerungsreichstes Land der Welt überholen, und das Wirtschaftswachstum des Subkontinents war vor der Corona-Krise stärker unterwegs als jenes Chinas. Parallel dazu hat sich der Konflikt zwischen den beiden Riesenstaaten nicht nur an der Grenze im Himalaya verschärft, sondern auch im Netz.

Die jüngste Entwicklung: Wie Reuters berichtet, wird der chinesische Internet-Riese Alibaba und seine Tochter Ant Group im nächsten halben Jahr alle Investment-Aktivitäten in Indien stoppen. Damit setzt Alibaba seinen bisherigen Investments – seit 2015 wurden etwa 2 Milliarden Dollar investiert – ein abruptes (vorläufiges) Ende. Alibaba hatte zuvor etwa in Paytm (Payment), Zomato (Food Delivery) oder BigBasket (E-Commerce) investiert.

Kalte Schulter für Huawei wird in Indien

Die Frage wäre überhaupt, ob Alibaba und andere chinesische Internet-Riesen wie Tencent überhaupt noch in Indien investieren könnten. Auch gegen Huawei wird am Subkontinent derzeit mobil gemacht. Zwar gibt es keinen formellen Bann – jedoch folgen Indiens Telekomunternehmen der Meinung der Regierung und haben eine Zusammenarbeit mit Huawei in Sachen 5G-Ausbau und Mobilfunk eine Absage erteilt.

Der durch US-Sanktionen ohnehin schon schwer angeschlagene Anbieter von Netzwerkausrüstung und Smartphones wird durch den informellen Bann in Indien noch einmal zusätzlich getroffen. Bharti Airtel and Vodafone Idea haben der Financial Times zufolge bereits damit begonnen, eine technische Zukunft ohne Equipment zu planen. Der zweit größte Mobilfunkmarkt der Welt (nach China) ist damit wieder sehr interessant für US- und europäische Firmen wie Nokia oder Ericsson.

Damit folgt Indien dem Beispiel der USA. Präsidnet Trump entfachte einen Feldzug gegen Huawei, um es vom US-Markt wegen möglicher Wirtschaftsspionage über Hintertüren in den Nutzen auszuschließen. Auch TikTok wurde mit ähnlicher Begründung ein Rauswurf aus den USA angedroht.

US-Unternehmen investieren Milliarden in Indien

Überhaupt werden die Bande zwischen Indien und den USA und seinen Internet-Riesen immer dicker. Wie Trending Topics berichtete, ist Jio Platforms dieses Jahr zum präferierten Investment-Ziel des Silicon Valley geworden. Facebook, Google, Vista Equity Partners, Silver Lake, General Atlantic, Intel und Qualcomm haben gemeinsam mit einigen anderen mehr als 20 Milliarden Dollar in das Mobilfunk-Unternehmen investiert.

Der Reiz von Jio, eine Tochter von Reliance Industries (wiederum das größte Unternehmen Indiens): Es ist eine Art Super-Telco mit fast 400 Millionen Nutzern, der gleichzeitig auch das Portal zum Internet mit Portal Musik-Streaming, Video-Streaming, News, Games, Cloud-Dienste, Chats, VoIP und sogar einem Health-Portal ist. Über Jio versprechen sich Google und Facebook, einen direkten Draht zu indischen Konsumenten und Businesses zu bekommen, um ihnen Dienste wie WhatsApp-Payment oder Google Pay schmackhaft zu machen.

Während also die US-amerikanischen Unternehmen sich mit vielen Milliarden den Zugang zum indischen (Zukunfts-)Markt kaufen, werden chinesische Dienste aus dem Land geworfen. Wie berichtet hat Indien die Apps von Tencent (WeChat), ByteDance (TikTok), Alibaba (UC Browser) oder Baidu (Maps) bereits verbannt – zugunsten von hauseigenen Klonen und der US-amerikanischen Dienste.

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