Mobility

Die Roboter-Autos kommen fix – es ist nur mehr die Frage wann

Drei Jahre, zehn Jahre, 40 Jahre: Die Schätzungen der Experten, wann ganze Städte autonom befahrbar sind, sind sehr divers. Viele autonome Shuttles fahren heute nur auf Teststrecken. Manche sind schon in den öffentlichen Verkehr eingebunden, fahren jedoch sehr langsam. Von völliger Autonomie kann nicht gesprochen werden, da ein Sicherheitsfahrer an Bord ist und im Notfall eingreifen muss.

Auch in der Schweiz, einem der Zentren zur Forschung in diesem Bereich, lenkt schon so manches Fahrzeug selbst. Auf verschiedenen Teststrecken und in Kleinstädten gibt es bereits Pilotprojekte. Daher haben wir uns mit der Österreichischen Außenwirtschaft auf den Weg in die Schweiz gemacht, um den Quo einzufangen (siehe auch im Video oben).

Sicherheitsfahrer für den Notfall

Die 30.000-Einwohner-Gemeinde Zug ist der Testmarkt für das autonomes Shuttle „MyShuttle“ der Schweizer Bundesbahnen. Ganz unbemannt ist es nicht. „Das Fahrzeug fährt auf einer oder auf mehreren virtuellen Schienen und wir haben auch einen Sicherheitsfahrer, der im Notfall als Backup übernehmen kann. Wir vertrauen auf die Technologie, müssen aber unseren Kunden 100-prozentige Sicherheit bieten“, sagt Zoltán László, Projektleiter für selbstfahrende Fahrzeuge bei der SBB.

Seit Mai 2018 ist das Fahrzeug genehmigt und fährt auf einem Testgelände. Seit Anfang Jänner 2019 ist es auf der Straße. „Unser Projekt hat eigentlich drei Kernaspekte: erstens die technische Maturität der ganzen Komponenten kennenzulernen. Zweitens gilt es herauszufinden, ob es der Nutzer gut findet, und drittens wird geschaut, wie man das Shuttle in das System des öffentlichen Verkehrs integrieren kann. Ein kommerzielles Angebot werden wir zwar durchrechnen, aber es ist wirklich nicht das Ziel – die Technologie ist bei weitem noch nicht so weit“, sagt László. Seiner Schätzung nach, wird es noch zehn bis 15 Jahre dauern, bis autonomes Fahren in Städten weit ausgerollt werden kann.

15 Robotik-Teams an der ETH Zürich

Auch an der renommierten Universität ETH Zürich sind die Prognosen unterschiedlich. Bis zu 40 Jahre könne es Experten zufolge noch dauern, bis Städte komplett autonom befahrbar sein werden. Rund 15 Professoren befassen sich hier mit dem Thema Robotics. Hinter ihnen stehen große Teams. „Ich würde sagen, wir sind im Thema Robotics bzw. Autonomes Fahren nicht nur ein Hub für die Schweiz oder für Europa, sondern sogar für die ganze Welt“, sagt Margarita Chli, Professorin am Robotics Lab der ETH Zürich.

Eine Prognose, wann ganze Städte oder gar Länder autonom befahrbar sind, kann sie nicht abgeben. „Wir sind uns noch nicht sicher, wie weit wir vom komplett autonomen Fahren entfernt sind. Es ist wichtig, dass die Dinge wirklich sehen lernen. Dass sie über verschiedenste Sensoren erkennen, ob die Ampel grün oder rot ist. Ohne dem können Roboter nicht navigieren“, sagt sie. Ihr Kollege Kay Axhausen, Professor am Institut für Transport Planning Systems, schätzt, dass es noch ca. 30-40 Jahre dauern wird, bis es eine derartig vernetzte Stadt geben wird.

Einbindung in das öffentliche Leitsystem

In der Gemeinde Neuhausen am Rheinfall fährt das autonomes Shuttle „Trapizio“ als Linie 12 bereits seit März 2018 im Straßenverkehr. Der Sicherheitsfahrer muss auch hier in bestimmten Situationen eingreifen. Und zwar mit einem herkömmlichen Xbox-Controller. Mit der Einbindung des Shuttles in das öffentliche Leitsystem hat man Neuland betreten. „Die Zulassungsbehörden wussten wie wir nicht genau, was auf sie zukommt. Das heißt, wir haben in sehr enger Zusammenarbeit mit den Zulassungsbehörden unsere eigenen Testvoraussetzungen geschrieben“, sagt Peter Schneck, CEO von Trapeze Switzerland.

Schon in ein paar Jahren soll die Linie 13 folgen, die anders als die Linie 12 komplett autonom ohne Sicherheitsfahrer fahren soll. „Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten fünf Jahren voll autonome Lösungen haben werden. Ich glaube sogar in drei Jahren – das ist unser Projektziel hier für die Linie 13, also für die nächste Stufe. Landstraßen sind sehr komplex, da gehe ich eher von zehn Jahren aus, sowie auch bei Autobahnen“, so Schneck.

Bei der Frage, wann wirklich ganze Städte autonom befahrbar sind, spalten sich die Meinungen. Manche Prognosen sind optimistischer als andere, manche liegen weit in der Zukunft. Für manche ist es aber auch gar nicht so wichtig, wann es soweit ist. „Sobald es kommt, wird es das komplette System disruptieren. Da ist es nicht so wichtig, ob es in fünf, zehn oder 15 Jahren kommt. Man muss vorbereitet sein, weil dann wird sich von den Parkflächen, Chauffeurdiensten, Garagenleistungen bis zum öffentlichen Verkehr und Taxi alles sehr stark verändern“, so László.

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