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Amazon-Alternative

Die neue Amazon-Alternative kommt aus Wien – und hilft dem lokalen Buchhandel

Symbolbild Lobu-Fahrradbote, der Bücher zustellt.
Lobu stellt Bücher in Wien noch am selben Tag CO2-neutral mit dem Fahrrad zu. In der Testphase beschränkt auf den 18. Bezirk. Bild: © Peter Mayrhofer

Lobu ist gerade einmal einen Monat alt, doch die beiden Schüler Konstantin Klingler (17) und Moritz Stephan (16) haben mit ihrem Projekt schon für Aufsehen gesorgt. Bücher werden per SMS bestellt, Lobu holt sie vom lokalen Buchhändler und stellt sie noch am selben Tag per Fahrrad CO2-neutral zu. Die Testphase ist auf den 18. Bezirk beschränkt und läuft noch bis 17. Februar – und das sogar kostenlos. Das schafft derzeit nicht mal Branchenriese Amazon, der in den vergangenen Jahren vor allem in Hinblick auf die Arbeitsbedingungen seiner Mitarbeiter immer wieder im Zentrum der Kritik stand.

Das Team hinter Lobu besteht aus einem Programmierer und einem Grafiker sowie freiwilligen Helfern, die die Bücher ausliefern. Wir haben die beiden Gründer zum Interview gebeten.

Lobu will dem lokalen Buchhandel helfen

Seit wann gibt es Lobu und wie kam es zu der Idee, Lobu ins Leben zu rufen?

Lobu gibt es in dieser Form seit Anfang Jänner 2017. Die Idee existiert aber schon weitaus länger. Wir haben einfach gemerkt, dass es durch die zunehmende Bedrohung durch große Versandhändler für kleine, lokale Buchhandlungen immer schwieriger wird, ihr Geschäft weiterzuführen. Da wir beide sehr gerne lesen und wir die persönliche Beratung und angenehme Atmosphäre in kleinen Buchhandlungen überaus schätzen, wollten wir etwas dagegen unternehmen.

Wie ist die bisherige Resonanz auf eure Idee?

Die Resonanz ist überwältigend positiv! Unser E-Mail-Konto ist übergelaufen mit Nachrichten, in denen Leute ihr Lob ausgedrückt oder ihre Unterstützung angeboten haben. Wir freuen uns sehr, dass wir so viel tolles Feedback bekommen, denn es zeigt uns, dass Lobu eine Idee ist, die es wert ist, weitergeführt zu werden!

Habt ihr in der Testphase neue Erkenntnisse gewonnen oder es euch in der Theorie anders vorgestellt als in der Praxis? Was sind die derzeitigen größten Herausforderungen?

Wir haben die Testphase jetzt bis 17.2.2017 verlängert, um noch mehr Leuten die Möglichkeit zu geben, Lobu auszuprobieren. Die größte Herausforderung ist definitiv die Anzahl der Bestellungen. Wir dachten ursprünglich, dass wir in dieser Testphase vielleicht insgesamt 10 Bestellungen bekommen. Jetzt bekommen wir schon mehr als das an einem einzigen Tag! Um das Ganze trotzdem zu bewältigen, haben wir uns aber schnell die verschiedenen Aufgaben aufgeteilt und ein System entwickelt, um alles übersichtlich zu halten. Parallel dazu auch noch den Medienansturm zu bewältigen ist allerdings wirklich nicht einfach, aber bis jetzt haben wir es noch sehr gut geschafft.

Wie finanziert sich eure Geschäftsidee bzw. wie plant ihr, sie in Zukunft zu finanzieren? In der Testphase ist die Zustellung kostenlos, sollen künftig die Kunden für den Service bezahlen oder die Buchhandlungen?

Das genaue Zahlungsmodell steht leider noch nicht fest, aber wahrscheinlich wird es eine Mischung aus beidem werden, um niemanden unnötig zu belasten.

Was passiert eigentlich, wenn jemand ein Buch bestellt, das nicht lagernd ist?

In diesem Fall überprüfen wir bei unserer Partner-Buchhandlung „Hartliebs Bücher“, wie lange es dauern würde, bis das Buch da wäre. In fast allen Fällen können wir es dann schon am nächsten oder übernächsten Tag liefern.

Konstantin Klingler und Moritz Stephan vor einem vollgefüllten Bücherregal.
Die Idee hinter Lobu hatten die Schüler Konstantin Klingler (li) und Moritz Stephan. Foto: © Lobu

Schrittweise Erweiterung auf alle Bezirke Wiens geplant

Was sind eure Zukunftspläne mit Lobu, habt ihr nur Wien im Auge?

Natürlich wollen wir jetzt zuerst eine funktionierende Infrastruktur aufbauen, um das Ganze in der Zeit nach der Testphase professionell betreiben zu können. Damit einhergehend wird eine schrittweise Erweiterung auf alle Wiener Bezirke und langfristig eine Expansion in andere Städte angepeilt.

Wie darf man sich denn den aktuellen Arbeitstag eines Lobu-Gründers vorstellen? Sind es vor allem Medienanfragen, die eingehen oder kommen so viele Buchanfragen, dass ihr gar nicht nachkommt?

Wie gesagt, ist es sehr dicht gepackt. Jedoch schaffen wir es durch gute Arbeitsteilung, alles zu bewältigen. Natürlich wollen wir auf alle Medienanfragen eingehen, aber ein zufriedener Kunde ist uns wichtiger und daher bearbeiten wir Bestellungen immer zuerst. Generell ist es mehr ein „On-the-go“-Arbeiten, da wir zwischen Schule, Terminen, Buchhandlung, Herumfahren und dazwischen alles organisieren: von den Bestellungen über die Interviewanfragen bis zu den Kooperationsangeboten.

Arbeiten auf Hochtouren an Gründung

Stehen denn schon Preise fest und was sagt ihr denn zum Feedback eines Users, dass ihr kein Lieferdienst seid, sondern ein Buchhandel (mit Zustellung) und er euch dringend zu juristischer Beratung rät?

Die genaue Preisgestaltung ist noch nicht festgelegt, da wir noch an der Form des finalen Konzepts arbeiten. Natürlich haben wir auch kompetente, rechtliche Beratung, mit der wir alle weiteren Schritte abklären. Da das Projekt derzeit aber wirklich nur in einer Testphase ist, mit der wir ausprobieren wollten, ob sich überhaupt jemand für die Idee interessiert und wir kein Geld verlangen, ist es momentan noch nicht so problematisch. Wir sind aber bestrebt, alles rechtlich abzusichern, vor allem, wenn wir offiziell gründen und arbeiten auf Hochtouren daran.

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