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Der Umstieg auf Open Source und was Microsoft damit zu tun hat

© Photo by Markus Spiske on Unsplash
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Für Software-Kenner ist das Thema nichts Neues, für manche Politiker aber schon: Open Source. Doch in den verstärkten Bemühungen, Europa unabhängiger von den US-Anbietern von Software zu machen, ist offener Code die neue Antwort. So hat die neue Stadtregierung in München den „Einstieg in Ausstieg von Microsoft“ verkündet und will bei der Software für die Stadtverwaltung künftig mehr auf Open Source setzen. Die Stadtregierung setzt sich aus SPD und Grünen zusammen.

Microsoft ist mit dem Betriebssystem Windows und der Software-Suite Office (Word, Powerpoint, Excel) weiter verbreitet. In Hamburg wird der Ausstieg aus dieser Software-Welt nicht über Nacht passieren. Die rot-grüne Hamburger Stadtregierung will jedenfalls die Open-Source-Suite „Projekt Phoenix“ von Dataport auf freiwilliger Basis in Behörden und Betrieben einführen und den Nutzern damit eine Alternative zu Microsoft-Produkten zu bieten. Bei Dataport handelt es sich um einen Informations- und Kommunikations-Dienstleister der öffentlichen Verwaltung.

Der Fall München

Hamburg ist nicht die erste deutsche Stadt, die auf Open Source umsteigen will. Berühmt ist die Geschichte von München, das bereits ab 2003 den Umstieg von Microsoft auf Linux durchführte („LiMux“). Das verlief einige Zeit ganz gut und soll viele Kosten gespart haben, bis der Stadtrat 2017 beschloss, doch wieder auf Microsoft umzusatteln, weil die Open-Source-Software kommerziellen Produkten hinsichtlich Funktionsumfang hinterher hinke. Nun kam es vor wenigen Wochen wieder zu einem Kurswechsel: Die Stadtregierung, nunmehr wieder Rot-Grün, will jetzt doch wieder auf Open Source wechseln.

Bei Microsoft sieht man die einstige vehemente Ablehnung von Open Source „(Steve Ballmer bezeichnete Linux schon mal als „Krebs“) in der Vergangenheit mittlerweile als historischen Irrtum. „Microsoft stand auf der falschen Seite der Geschichte, als Open Source zu Beginn des Jahrhunderts explodierte“, sagte Microsoft-Präsident Brad Smith kürzlich im Rahmen eines Online-Events des MIT.

Die Cloud im Hintergrund

Doch aus dem Geschäft ist Microsoft damit noch lange nicht. Auch wenn in Zukunft weniger Windows- oder Office-Lizenzen an Stadtverwaltungen verkaufen könnte – bei der Cloud, wo die Software laufen wird, wird der US-Konzern immer mitmischen. Auch angetrieben durch das starke Wachstum bei Cloud-Diensten, die auch Open Source unterstützen, ist der Aktienkurs von Microsoft 2020 auf zuvor nie dagewesene Höhen gewachsen.

Auch bei den Cloud-Bestrebungen in der EU spielen Open Source und Microsoft gleichwohl ihren Rollen. Bei Gaia X der deutschen und bei der Ö-Cloud der österreichischen Bundesregierung wird stark auf Open Source gesetzt (Trending Topics berichtete). Diese europäischen Clouds sollen, sollten sie einmal stehen, der Verwaltung und europäischen Firmen als digitale Infrastruktur dienen, um nicht den großen US-Anbietern ausgeliefert zu sein. Doch ohne eine US-Firma geht es offenbar nicht: Microsoft. Sowohl bei Gaia X als auch bei der Ö-Cloud besteht Interesse, dass Microsoft (Anbieter von Azure) mit von der Partie ist.

Auch auf Bundesebene soll in Österreich der Schwenk Richtung Open Source stattfinden. Laut Regierungsprogramm soll ein Masterplan inklusive Machbarkeitsstudie erstellt werden, um eine Strategie zur Nutzung von Open Source Software im Bund zu entwickeln.

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