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Der österreichische Gründer, der sein Startup mit Tesla-Aktien finanzierte

ScarletRed-CEO Harald Schnidar. ©ScarletRed
ScarletRed-CEO Harald Schnidar. ©ScarletRed

Harald Schnidar sitzt mir beim Lunch gegenüber und kommt gar nicht zum Essen. Zu viel hat er über sein Health-Startup Scarletred zu erzählen, das gerade in einer spannenden Phase der Unternehmensentwicklung steckt. Auf der Crowdfunding-Plattform Green Rocket sammelt Schnidar derzeit bei Unterstützern Geld ein – viel Geld. Mehr als 540.000 Euro sind schon zusammengekommen, eine Million ist das große Ziel.

Mit dem Geld der Investoren – es sind Nachrangdarlehen, die jährlichen Fixzins oder jährlichen Gewinn und an der Wertsteigerung des Unternehmens abwerfen – soll die App des Startups für den Konsumentenmarkt fertig gemacht werden. Die Software verspricht, Analysen bei Hautkrankheiten und deren Behandlung liefern zu können. “Derzeit ist die App für die Analyse geeignet, doch das Ziel ist wirklich, dass man damit Hautkrankheiten diagnostizieren und den die Effizienz des Behandlungsverlaufs voraussagen kann”, sagt Schnidar.

Die USA ruft

Große Kunden wie L’Oréal, Henkel und Lilly setzen bereits auf die Methode und sollen sich so bis zu 50 Prozent der Entwicklungszeit und Kosten bei der Einführung neuer Pharma- und Kosmetikprodukte sparen können. Schnidars App scannt dabei die Farbtöne der Haut und misst mit Hilfe eines kleinen Aufklebers, den man auf die Haut pickt, wie sich etwa ein Sonnenbrand oder eine Wunde durch die Behandlung mit einem Medikament verändert. Pharma- und Kosmetikfirmen sollen so einfach Daten über die Wirkung ihrer neuen Medikamente oder Behandlungsmittel bekommen.

Um in den USA Fuß zu fassen, hat Schnidar eine Niederlassung in den USA in Cambridge bei Boston nahe dem renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) eröffnet. “Da drüben können wir ganz große und auch revolutionäre neue Anwendungen mit unseren Kunden und Partner angehen”, sagt er.

Die App von ScarletRed. © ScarletRed
Die App von ScarletRed. © ScarletRed

„Da muss ich investieren“

Gegründet hat Schnidar 2015. Dafür sieht der Cap Table seiner Firma noch ziemlich frisch aus. Er hält 90 Prozent, Bruder und Frau sind mit jeweils 5 Prozent beteiligt. “Die beiden glaubten von Anfang an an die Idee”, sagt Schnidar. In den vergangenen Jahren gab es einige Förderungen von aws und FFG für das Startup, den Rest hat er aus der eigenen Tasche bezahlt und kürzlich sind nun auch die Mitarbeitet im Rahmen der Crowd-Kampagne und unser Mitarbeiterbeteiligungsprogramm miteingestiegen. “Es hat einen guten Grund, warum ich keine Business Angels oder Investoren zu Beginn an Bord geholt habe bzw. dies nicht musste”, sagt der Gründer.

Denn 2013, also die Aktie einer damals noch eher unbekannten Elektroautofirma Tesla noch bei rund 30 Dollar stand, hat Schnidar zugeschlagen. “Ich war damals im Silicon Valley und habe da zum ersten Mal einen Tesla-Shop gesehen”, sagt er. “Da habe ich gedacht: Das ist die Zukunft der Mobilität, da muss ich investieren.” Einige Jahre später, als die Tesla-Aktie dann explodierte, verkaufte Schnidar (“ein schöner sechsstelliger Betrag”) und steckte das Geld 1:1 in die eigene Firma. “Ohne dieses Geld würde es Scarletred in der heutigen Form nicht geben”, sagt er. Auch die Förderungen hätte er nicht bekommen, wenn er nicht auf selbst Eigenkapital eingebracht hätte.

ScarletRed-CEO Harald Schnidar. © ScarletRed
ScarletRed-CEO Harald Schnidar. © ScarletRed

“Gold-Standard in der Dermatologie”

Für die nächsten großen Schritte reicht das Geld aus den Tesla-Aktien nun nicht mehr, um Scarletred (der Name bezieht sich auf die Rötung bei manchen Hautkrankheiten) zum internationalen Durchbruch zu verhelfen. “Medizinprodukte sind anders als viele andere Produkte, vor allem wenn sie digital sind”, sagt Schnidar. “Entwicklung und Testen, das braucht viel Zeit und Personal.” Vier Jahre dauerte die klinischen Entwicklungsphase. Mit dem Geld aus dem Crowdfunding will er nun einen Gang höher schalten, schließlich soll die Software zum “Gold-Standard in der Dermatologie” werden.

Der Markt scheint riesig: Etwa zwei Milliarden Menschen leiden weltweit an Akne, bis zu 10 Prozent der Bevölkerung leiden unter Neurodermitis, und bis zu 125 Millionen Personen haben die Schuppenflechte. Solche Krankheiten besser per Smartphone erkennen und behandeln zu können, das ist Schnidars Ziel. Bis dahin wird er seine Geschichte noch öfters erzählen, denn er will nun auch große strategische Investoren mit ins Boot holen.

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