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Gastbeitrag

Was bei der Finanzierung von Datenzentren zu beachten ist

Wolfram Huber © PHH Rechtsanwälte
Wolfram Huber © PHH Rechtsanwälte

Wolfram Huber ist Partner bei PHH Rechtsanwälte und Experte für Banking & Finance mit Schwerpunkt digitale Infrastruktur. In diesem Gastbeitrag erklärt er, was Anleger bei der Finanzierung von Datenzentren beachten müssen.

Datenzentren zählen dank Zoom, Netflix & Co zu den Gewinnern der Covid-19-Krise, und ein Abflachen des Trends ist nicht in Sicht. Das macht Datenzentren attraktiv für große Infrastrukturfonds und Fremdkapitalgebern mit Schwerpunkt Infrastruktur. Dennoch ist die Finanzierung mit Risiken verbunden, die entsprechend abgesichert werden müssen.

In den vergangenen Jahren ging der Trend von unternehmensintern betriebenen Datenzentren hin zu externen Betreibern, denn Datenzentren sind sowohl bei der Anschaffung als auch im Betrieb sehr kostenintensiv. Neben Ausgaben für die Sicherheit der Daten ist vor allem der enorme Energiebedarf ein Kostentreiber. Schon jetzt verbrauchen etwa die Datenzentren in Frankfurt gemeinsam mehr Strom als der Frankfurter Flughafen und sind inzwischen der größte gewerbliche Stromverbraucher der Stadt.

Cash Flow ist entscheidend

Ob ein Datenzentrum für eine Finanzierung in Frage kommt, hängt von einer Reihe von Kriterien ab. Die Besicherung durch Gebäude und IT-Anlagen ist bei der Prüfung der Finanzierbarkeit zwar von Vorteil, aber nicht vorrangig. Die Schuldentilgungsfähigkeit hängt vielmehr vom erzielbaren Cash Flow, konkret also von Laufzeit und Höhe der Miet- oder Nutzungsentgelte für die Serverflächen und Nebendienstleistungen, ab. Für Fremdkapitalgeber ist dabei entscheidend, ob die Mietverträge entsprechend lange Kündigungsverzichte aufweisen. Wenn dies nicht der Fall ist, muss das Risiko eines Cash Flow-Ausfalls nach Ablauf der ursprünglichen Mietdauer anderweitig, etwa durch eine Garantie der Sponsoren, abgedeckt werden.

Besondere Risikostruktur

Neben der Sicherung des Cash Flows ist die Identifikation und vertragliche Verteilung von Risiken, die beim Bau und insbesondere während des Betriebs, auftreten, erforderlich. Als Spezialimmobilien können sie nur an geeigneten Standorten errichtet werden, eine alternative Nutzung des Gebäudes ist nur beschränkt möglich, und Datenzentren erfordern unter anderem eine unterbrechungsfreie Stromversorgung mit Notstromaggregaten, optimale Anbindung an einen Internetknoten, intelligente Kühlsysteme und erhöhten Schutz vor unberechtigtem Zugriff. Hinzu kommen besondere Haftungsrisiken, wenn der Betrieb auch nur kurzfristig ausfällt oder der Datenschutz betroffen ist.

Um für Fremdkapitalgeber attraktiv zu sein, müssen die identifizierten Risiken entsprechend abgefedert werden, etwa durch Versicherungen, zusätzliche Garantien oder Bonität der Kunden. Aber auch die Zuverlässigkeit und Kapitalstärke der übrigen Projektparteien, etwa des Energielieferanten, sind für das Risikoprofil des Projektes ausschlaggebend. Grundsätzlich gilt dabei immer: Je höher der Aufwand, eine Projektpartei zu ersetzen, oder je höher die Wahrscheinlichkeit, binnen kurzer Zeit keinen geeigneten Ersatz zu finden, desto wichtiger ist die Zuverlässigkeit der bestehenden Projektpartei.

Grüne Energie als Treiber für Standort Österreich

Ein nicht zu unterschätzender Standortvorteil für Österreich als Standort für Datenzentren könnte auch das Thema Nachhaltigkeit sein. Denn die Finanzbranche stellt an Betreiber von Datenzentren zunehmend strengere Nachhaltigkeitsanforderungen. Gerade in Österreich, wo erneuerbare Energien von großer Bedeutung sind, bietet sich „Grüne Energie“ für den Betrieb von Datenzentren an. Langfristige Direktstromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements) zwischen Betreibern von Datenzentren und Erzeugern von erneuerbaren Energien können dabei für beide Seiten vorteilhaft sein – einerseits für den Betreiber, der Planungssicherheit erhält und seine ESG-Kriterien erfüllt, andererseits für den Energieerzeuger, der sich langfristig einen stabilen Zahlungsstrom sichert. Auch die Kombination von Datenzentren und Energieerzeugung unter einer Hand kann ein interessantes Geschäftsmodell sein. Dennoch bleibt noch Optimierungspotenzial bei der Energieeffizienz von Datenzentren. So könnte Abwärme von Datenzentren einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden und die Klimabilanz verbessern – doch hier steht die Branche noch am Anfang.

Über PHH Rechtsanwälte

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