Kommentar

Dass der Playboy bald keine nackten Frauen mehr zeigt, liegt auch an Facebook, Instagram und Apple

Wo liegt die Zukunft des Playboy? © Lorin Canaj/Playboy/Montage: TrendigTopics.at
Wo liegt die Zukunft des Playboy? © Lorin Canaj/Playboy/Montage: TrendigTopics.at

Die Meldung, dass der Playboy ab kommenden Jahr keine nackten Frauen mehr zeigen will, haben diese Woche einige zuerst für Satire gehalten. Muss man den Playboy künftig tatsächlich wegen der guten Storys kaufen, wurde gescherzt? Doch es ist kein Schmäh. Das Internet hat das weltweit bekannte Magazin überholt. „Du bist heute von jedem erdenklichen Sexakt nur einen Klick entfernt, und das gratis“, sagt Playboy-Chef Scott Flanders heute, mit Fotos von nackten Frauen könne man heute keine Zeitschriften mehr verkaufen. Ab 2016 will man sich beim Playboy, auch wenn es weiter Frauen in „provokativen Posen“ (aber eben nicht mehr ganz nackt) zu sehen gibt, auf starke Eigen-Storys konzentrieren.

Gratis-Porno macht Nacktbilder obsolet

Dass das Internet die Sex-Inhalte des Herrenmagazins obsolet macht, ist nur ein Teil der Analyse. Die Auflage des Playboy ist von ihrem Höchststand 1975 mit 5,6 Millionen Stück auf heute etwa 800.000 geschrumpft. Kein Wunder: Wer heute Pornografie sehen möchte, braucht nur zum Computer greifen und eines der vielen Video-Portale des MindGeek-Imperiums aufrufen (ehemals Manwin, betreibt von Luxemburg mit 1000 Mitarbeitern Seiten wie YouPorn oder Pornhub). Dort gibt es kostenlose Sexvideos in Hülle und Fülle, und kostenlos obendrein, weil werbefinanziert.

Mehr als 100 Millionen Nutzer begrüßt MindGeek täglich auf seinen Web-Portalen und kann täglich etwa drei Milliarden Online-Anzeigen ausliefern. Die Macht von MindGeek ist mittlerweile so groß, dass man bereits 2011 eine Partnerschaft mit Playboy eingegangen ist und seither für die Sparte Playboy Plus Entertainment und die Playboy-TV-Angebote mitverantwortlich ist – also für jene Playboy-Angebote, wo es noch ganz Nackte zu sehen gibt.

Die Prüderie der IT-Riesen

Doch Gratis-Pornografie alleine ist es nicht, die Playboy zu der Entscheidung gezwungen hat. Es sind auch die neuen digitalen Vertriebswege für Content, die die Entscheidung herbeigeführt haben. Seit August 2014 verzichtet die Online-Ausgabe des Playboy, Playboy.com, auf Nacktbilder, und die Entscheidung hat nicht geschadet – die Besucherzahlen sind von vier auf heute 16 Millionen geklettert. Der Grund: Die Artikel können über Facebook oder Twitter verbreitet werden, ohne Gefahr zu laufen, zensiert zu werden. Denn vor allem bei Facebook sind die Hausregeln ziemlich prüde und besagen:

Facebook schränkt die Darstellung von Nacktheit ein, da einige Zielgruppen innerhalb unserer globalen Gemeinschaft auf diese Arten von Inhalten unter Umständen sensibel reagieren können, insbesondere aufgrund ihres kulturellen Hintergrunds oder Alters.“

Diesen Regeln, die immer wieder Kontroversen um gelöschte Nippel-Bilder auslösen, muss sich auch der Playboy beugen, wenn er den wertvollen Traffic will, den Facebook mit seinen fast einer Milliarde täglich aktiven Nutzer liefern kann. Auch bei Twitter und der Facebook-Tochter Instagram sind pornografische Inhalte nicht gerne gesehen, was die Reichweite drücken kann.

Und dann ist da noch Apple, das mit seinen zahlungswilligen Kunden, seinem App Store und der neuen News-App ein wichtiger digitaler Vertriebskanal auch für Magazine und News-Seiten ist. Auch dort heißt es:

„Apps containing pornographic material, defined by Webster’s Dictionary as „explicit descriptions or displays of sexual organs or activities intended to stimulate erotic rather than aesthetic or emotional feelings“, will be rejected.“

In einem solchen Umfeld muss der Playboy auf Nacktbilder verzichten, wenn er für seine Marke Reichweite erzielen will, denn aufs seit Jahren schrumpfende Print-Geschäft wird man sich wohl nicht wieder zurückbesinnen. Gratis-Pornografie und digitale Prüderie sind jetzt die beiden Pole, zwischen denen die Macher navigieren müssen. Die Regeln machen längst andere.

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