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tecnet-CEO Doris Agneter: „Das Startup-Leben ist intensiver als jeder andere Job“

Tecnet Equity Geschäftsführerin Doris Agneter ©tecnet

Doris Agneter ist eine der wichtigsten Frauen im heimischen Innovations-Business. Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigt sie sich mit Venture Capital und verwaltet als Geschäftsführerin der niederösterreichischen Tecnet Equity einen 50-Millionen-Euro-Fonds, mit dem sie bereits 2011 in das niederösterreichische Startup Sipwise investierte, das jetzt mehrheitlich an Alcatel-Lucent Enterprise verkauft wurde. Erst im Jänner wurde sie mit dem Award „Fund Managerin 2018“ ausgezeichnet. Im Trending Topics-Interview spricht sie über die Innovations-Szene in Niederösterreich, über die Angst von Universitäten, Spin-Offs zu gründen und warum man auch die negativen Seiten des Startup-Lebens beleuchten sollte.

Trending Topics: Was unterscheidet die niederösterreichische Startup-Szene von jener anderer Bundesländer?

Doris Agneter: Wir haben in Niederösterreich einen äußerst starken Fachhochschul-Bereich – St. Pölten, Krems, Wiener Neustadt, daher heben wir uns stark von anderen Bundesländern ab. An den Fachhochschulen fahren wir mit accent ein eigenes Startup-Programm, nämlich den Creative Pre-Incubator. Das ist ein einjähriges Programm für Studierende und Absolventen der niederösterreichischen Fachhochschulen, im Rahmen dessen wir ihnen bei der Ausarbeitung ihrer Geschäftsidee helfen. Wir bieten ihnen dabei an, das Unternehmertum im geschützten Umfeld auszuprobieren.

Wie lange gibt es den Creative Pre-Incubator schon?

Den hat das accent Gründerservice gemeinsam mit der FH St. Pölten bereits 2013 als Pilotprojekt ins Leben gerufen und mit der FH Krems umgesetzt. Mittlerweile hat er sich nicht nur etabliert, sondern gilt als Best-Practice-Beispiel der EU und als InnoBridge-Projekt, also als innovationsförderndes Instrument. Es kommen Experten aus der ganzen EU, um sich den Creative Pre-Incubator anzusehen.

Wie viele Startups sind bereits durch das Programm gegangen?

Dutzende Projekte aus den Fachhochschule St. Pölten und Krems, und Wiener Neustadt wird demnächst Teil des Creative Pre-Incubators sein. 2017 hatten wir mit „A Slice of Reality“, die ein eigenes interaktives Aufnahme- und Wiedergabesystem entworfen haben, sogar einen Gewinner des Staatspreises, sie bekamen den Förderpreis im Rahmen des Staatspreises Digital Solution.

Tecnet Equity investiert in die besten Startups aus Niederösterreich. Mit dem Sipwise-Verkauf zeigt sich aucb, dass Ihr Team offensichtlich eine gute Nase hat.

Wir haben derzeit acht Unternehmen im Portfolio und hatten schon – neben Sipwise – einige erfolgreiche Verkäufe, wie etwa nxtControl, ein echtes deep-tech Unternehmen im Bereich IOT, welches wir an den französischen Konzern Schneider Electrics verkauft haben. Wir sind immer auf der Suche nach neuen spannenden Startups.

Worauf achten Sie, wenn Sie sich bei einem Startup beteiligen?

Natürlich Team und Produkt, ob es IP und Patente hat und ob die Forschungsergebnisse verwertbar sind. Das Unternehmen muss eine gewisse Technologie-Komponente und einen hohen Innovationsgrad haben.

Sie haben den starken Fachhochschul-Bereich in Niederösterreich angesprochen. Was könnte besser werden?

Spin-Offs sind zwar im Steigen begriffen, aber da müssen noch sehr viele Initiativen gesetzt werden. Ich orte da vielerorts die Angst bei universitären Einrichtungen aber auch Unternehmen, durch ein Spin-Off die hellsten Köpfe zu verlieren. Wir haben deshalb in Niederösterreich schon 2016 eine ‚Spin-Off‘-Initiative gestartet, damit aus den Ideen und Forschungsergebnissen in der Wissenschaft erfolgreiche Neugründungen entstehen. Letztendlich entstehen dadurch ja auch wertvolle Arbeitsplätze.

Aber aus Erfahrung weiß man, dass Forscher nicht immer gute Gründer und erst recht nicht gute Unternehmer sind.

Das stimmt mitunter, aber wir coachen Forscher, wie sie ihre Erfindung in die Wirtschaft bringen können und bieten auch Workshops an. Wir haben mit research-to-value (r2v) ein Unterstützungsprogramm entwickelt, um mit Forschern gemeinsam nachzudenken, wie man ihre Arbeiten verwerten kann.

Wird das Thema Startup derzeit nicht ein wenig „overhyped“, wie manche Skeptiker meinen?

Ich beschäftige mich jetzt bereits seit 20 Jahren mit dem Thema. Ich finde es positiv, dass das Thema derzeit so propagiert wird, da die Gründungs-Thematik nun in der Gesellschaft angekommen ist und nun auch junge Menschen das eigene Startup als Job-Alternative sehen. Freilich wird der Begriff „Startup“ oft auch in einem falschen Zusammenhang verwendet und mitunter hängt man sich da oder dort das Startup-Mäntelchen um.

 Nebst all der vielen Initiativen, Demo-Days, Shows und Startup-Challenges. Es scheitern auch viele Startups.

So ist es. Negativ ist meiner Meinung nach, dass das Startup-Leben eigentlich nur immer positiv dargestellt wird. Es ist harte Knochenarbeit, es ist intensiver als jeder andere Job. Man braucht nicht nur einen langen Atem, sondern ein gutes Netzwerk an Unterstützern – und natürlich den richtigen Partner bei der Finanzierung. Man darf keine Angst haben, ein junges Unternehmen zu gründen. Aber man muss – und das ist Voraussetzung – Ausdauer, Überzeugung und Freude mitbringen.

Ebbt der gegenwärtige Hype ab oder stehen wir erst am Anfang?

Ich glaube nicht, dass der Startup-Boom so schnell abebbt. Vor allem deshalb, weil viele Initiativen gestartet worden sind, von Co-Working-Spaces bis Entrepreneurship-Lehrgängen. Es wird vielleicht weniger Shows und – ich nenne es – witzige, lockere Aktionen geben, aber wir werden uns weiter mit dem Thema beschäftigen.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation mit tecnet.

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