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Das sind die 13 Krypto-Trends, die das Jahr 2018 noch prägen werden

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Das Auf und Ab an den Börsen, das Hin und Her bei den Regulierungsbehörden, das Für und Wider in Bezug auf Blockchain-Technologien. Diese Entwicklungen und Diskussionen kann man täglich mitverfolgen. Doch was passiert sonst noch in der Krypto-Community, und in welche Richtung und auf Basis welcher Technologien entwickelt sich der Markt?

1. Private Sales statt ICOs

Initial Coin Offerings waren Ende 2017, Anfang 2018 ein großes Ding – auch in Österreich gab es mit Hero, Hydrominer oder Pantos einige erfolgreiche ICOs, die Krypto-Assets im Gegenwert von vielen Millionen Euro in die Kassen von Startups gespült haben. Doch International ist ein Abflauen des Trends zu der neuartigen Form des Crowdfunding zu bemerken. Wie etwa der ICO Tracker von Coindesk zeigt, ist die Funding-Summe von ICOs von März auf April stark zurückgegangen:

Stattdessen gehen Startups, vor allem aus Angst vor Behörden, dazu über, die ihre Token lieber in Private Sales an akkreditierte Investoren zu verkaufen. Vor allem in den USA sind ICOs aufgrund vieler Betrugsfälle ins Visier der SEC geraten. Zuletzt hat Telegram seinen ICO abgesagt, weil in zwei Presales bereits 1,7 Milliarden Dollar bei Investoren eingesammelt werden konnten. Für gefragte Projekte scheint es mittlerweile einfacher, Geld bei professionellen Risikokapitalgebern oder institutionellen Investoren zu sammeln als in der Crypto-Community.

2. Security Token Offerings (STOs)

Vor allem in den USA läuft gerade eine hitzige Debatte samt Klagen und Prüfungen durch Behörden: Sind Krypto-Assets wie Ether (ETH) oder XRP von Ripple nicht eigentlich wie Wertpapiere zu behandeln? So genannte Security Token Offerings (STOs) könnten sich als rechtlich geregeltes Vehikel entwickeln, um Anlegern über Token tatsächlich Anteile an einem Unternehmen zu verkaufen und nicht “nur” Utility-Token, die Zugang zu einer Dienstleistung der ausgebenden Firma gewähren.

Spannend dazu wird sein, wie die US-Börsenaufsicht SEC Ethereum und Ripple einstuft. Schon seit längerem steht die Frage im Raum, ob diese als Securities (Wertpapiere) gelten sollen.

3. Airdrops

Wenn Krypto-Projekte ihre Token nicht mehr primär über ICOs unters Volk bekommen, müssen sie nach anderen Wegen suchen, die Assets zu verteilen. Ein immer populärer Weg dafür sind so genannte Airdrops. Dabei handelt es sich um ein Marketing-Tool, um an eine Community Token auszuschütten, für die nicht bezahlt wird. Die Idee dahinter ist, Early Adopters eine Möglichkeit zu geben, die Token bei den für sie zu benutzen. Von jenen Nutzern, die bei einem Airdrop mit Token versorgt werden, wird oft der Beweise verlangt, dass sie bereits Krypto-Assets wie Bitcoin oder Ethereum besitzen – so soll überprüft werden, dass es sich wirklich um aktive Mitglieder der Community handelt.

4. Verbesserung der Scalability

Ethereum mit bisher maximal 1,35 Millionen Transaktionen pro Tag, Bitcoin mit bisher maximal knapp 500.000 Transaktionen pro Tag. Die Blockchains der beiden führenden Krypto-Assets sind noch weit davon entfernt von den Volumina, die Kreditkartenfirmen wie VISA (mehr als 24.000 Transaktionen/Sekunde) oder Bezahl-Dienste wie PayPal (rund 200 Transaktionen/Sekunde).

Deswegen wird aktuell an unterschiedlichen Technologien und Methoden gearbeitet, um die Zahl der möglichen Transaktionen der Bitcoin- und Ethereum-Blockchain zu erhöhen und die Transaktionszeiten zu verkürzen. Das Lightning Network etwa hat sich zum Ziel gesetzt, Überweisungen auf der Bitcoin-Blockchain viel schneller als bisher zu machen und wurde in Österreich bereits erfolgreich getestet. Bei Ethereum hat Gründer Vitalik Buterin so genanntes “Sharding” verkündet, das auch die Skalierbarkeit der Ethereum-Blockchain erhöhen soll. Einmal eingeführt, sollen dann immerhin bis zu 1.500 Transaktionen pro Sekunde möglich werden.

5. Dezentralisierte Exchanges

Binance, OKEx, Coinbase oder Huobi sind mit dem Boom des Crypto-Trading zu großen Firmen mit viel Umsatz gewachsen. Doch warum sollten nicht auch Exchanges selbst nach dem dezentralen Prinzip funktionieren, nach dem auch Bitcoin und Co funktionieren? Der Coincheck-Hack Anfang des Jahres hat gezeigt, was passieren kann, wenn Nutzer ihre Assets bei einer Börse liegen haben.

Dezentralisierte Exchanges (DEXs) wie IDEX für ERC20-Token verlegen das Trading auf Distributed-Ledger-Technologie. Die Nutzer haben dabei die Kontrolle über ihre Token und müssen diese nicht an Wallets schicken, die bei zentralisierten Börsen liegen. Außerdem entziehen sie sich Regulierungen, da sie eben dezentral sind. Mit 0x Protocol oder OmiseGO gibt es bereits Protokolle, mit deren Hilfe DEXs gebaut werden können.

6. Rennen der Plattformen

Ethereum ist derzeit mit einer Marktkapitalisierung von rund 70 Milliarden Dollar die mit Abstand größte Blockchain-Plattform, auf der andere Projekte mit ICOs, Smart Contracts und dezentralen Apps (dApps) aufzubauen versuchen. Das heißt aber nicht, dass nicht auch andere Foundations und Gründer versuchen, alternative Plattformen aufzubauen – etwa Cardano (von Ethereum-Mitgründer Charles Hoskinson), Stellar (von Ripple-Mitgründer Jed McCaleb), NEO, NEM oder EOS.

Auch andere, kleinere Projekte wie ICON, Waves, Golem oder TRON werden immer wieder als vielversprechende Ethereum-Konkurrenten genannt. Wer sich letztendlich durchsetzt oder ob es viele Blockchain-”Betriebssysteme” nebeneinander geben kann, wird auch das Jahr 2018 zeigen.

Um Vergleiche zu ziehen: Google, Facebook oder Amazon waren nicht die ersten Suchmaschinen, Social Networks oder Online-Shops, aber sie haben es geschafft, viele ihrer Konkurrenten durch bessere Produkte aus dem Markt zu drängen.

7. Großbanken steigen ins Trading ein

Goldman Sachs zelebriert es derzeit vor und richtet einem Bericht der New York Times zufolge einen eigenen Trading Desk für den Handel mit Bitcoin und Co ein. Dabei werden allerdings aus regulatorischen Gründen nicht Bitcoins ge- und verkauft, sondern Futures. Bei diesen Termingeschäften wird auf das Steigen oder Fallen von Kursen durch Anleger gewettet. Sollte das Trading für Goldman Sachs ein Erfolg werden, könnten andere Großbanken auch nachziehen, immerhin steht die Investmentbank an der Spitze der Finanzindustrie.

8. Kampf der Standorte

Immer mehr, vor allem kleine Länder, wollen sich als optimale Standorte für Krypto-Startups etablieren. Die Schweiz wurde vom eigenen Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann bereits zur “Krypto-Nation” ernannt, hat mit Zug einen Ort, an dem sich internationale Projekte (u.a. die Ethereum Foundation) ansiedeln, und die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) hat bereits klare Regeln für ICOs aufgestellt.

Währenddessen wollen auch Länder wie Malta oder Liechtenstein attraktiver für die Krypto-Ökonomie werden. Liechtenstein will in seinem kleinen Fürstentum neue Geschäftsmodelle entstehen lassen und die Rechtssicherheit für alle Beteiligten erhöhen. Malta wiederum will Unternehmen die mit virtuellen Währungen und Distributed Ledger-Technology (DLT) arbeiten, Lizenzen und Sandboxes zur Verfügung zu stellen (Trending Topics berichtete). Die großen Krypto-Börsen Binance und OKEx haben bereits verlautbart, nach Malta kommen zu wollen. Auch andere Staaten wie Singapur, Litauen oder Island werden aus unterschiedlichen Gründen immer beliebter bei Blockchain-Firmen.

9. Immer mehr dApps

Wenn 2017 das Jahr der ICOs war, dann wird 2018 das Jahr sein, in dem die finanzierten Projekte (hoffentlich) liefern. Weil immer mehr dApps (dezentrale Applikationen) erwartet werden, gehen bereits eigene “dApp Stores” bzw. “dApp Browser” in Stellung, die das Entdecken der dApps ermöglichen. Ein Beispiel dafür ist Toshi, eine Ethereum-Wallet, die gleichzeitig Zugriff auf dApps in einem In-App–Browser gibt. Mit dabei ist natürlich die bisher bekannteste dApp, CryptoKitties.

10. Blockchain-Smartphones

Wie berichtet, gibt es immer mehr Firmen, die Smartphones mit Blockchain-Technologien verbinden. Sirin Labs etwa arbeitet am “Finney”, Blacture von Rapper Pras Michel will dieses Jahr das “Motif” auf den Markt bringen, und Embedded Downloads verkauft bereits das “BitVault”. Alle versprechen verschlüsselte Kommunikation und die Integration von Krypto-Wallets am gerät, um dort Token und Coins speichern zu können.

11. Industrie springt auf die Blockchain auf

Natürlich arbeiten vor allem Banken bereits seit einigen Jahren mit Blockchain-Technologien und Krypto-Projekten zusammen. Doch gerade 2018 sieht man, dass immer mehr große Unternehmen auf den Zug aufspringen. BMW, General Motors, Ford und Renault haben sich der Mobility Open Blockchain Initiative (MOBI) angeschlossen, mit Batavia testen Bank of Montreal (BMO), CaixaBank, Commerzbank, Erste Group, IBM und UBS Blockchain-Technologie für internationale Transaktionen, und auch andere Projekte wie das R3 Consortium oder Hyperledger scharen immer mehr Unternehmen um sich.

Auch Amazon Web Services oder der chinesische Internet-Riese Baidu bieten “Blockchain-as-a-Service” in ihren Clouds an, damit Unternehmen einfacher mit der Technologie arbeiten können. Insgesamt identifiziert Marktforscher CB Insights 36 Industrien – von Hedge Funds über Auto-Leasing bis zu Online-Werbung -, die von der Blockchain-Welle erfasst werden.

12. State Issued Cryptocurrencies

Nach dem “Petro” von Venezuela, das eher als Umgehung von Sanktionen gewertet wird (vor allem durch die USA), arbeiten auch andere Staaten an eigenen Kryptowährungen. Bestes Beispiel ist Schweden mit der “e-krona”. Weil die Bargeldnutzung ohnehin auf dem Rückzug in dem skandinavischen Land ist, experimentiert die schwedische Reichsbank an einem digitalen Pendant zum analogen Cash.

Die e-krona soll vor allem für kleinere Zahlungen zwischen Individuen dienen. Bevor sie auf den Markt kommen kann, müssen aber noch die richtige Technologie gewählt und getestet werden und die Gesetze angepasst werden. Andere Länder könnten Schweden folgen, wenn sich das Projekt als Erfolg erweist – etwa Estland.

13. Steuersenkungen

Eine Branche, in der in so kurzer Zeit so große Gewinne (und Verluste) gemacht werden, ist auch immer auf der Suche nach attraktiven Steuergesetzen. Um Geschäftsleute und Unternehmer im Krypto-Bereich im eigenen Land halten zu können, verlegen sich nun einige Länder darauf, diesen attraktive Rahmenbedingungen zu bieten. Frankreich etwa hat zuletzt festgelegt, dass Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen nun einer Pauschale von 19 Prozent unterliegen und nicht mehr wie bisher mit bis zu 45 Prozent besteuert werden.

In Weißrussland ist im März 2018 ein neues Gesetz in Kraft getreten, das Trading mit Krypto-Assets für die nächsten fünf Jahre steuerfrei macht. Auch hier der Hintergedanke: Freundliche Rahmenbedingungen sollen Unternehmen ins Land locken, die im Blockchain-Bereich arbeiten oder ICOs durchführen wollen.

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