Start-up-Story

„Das eBay der nächsten Generation“: Shpock knackt 10 Millionen User und setzt auf Native Advertising

Katharina Klausberger und Armin Strbac im "Superheroes"-Besprechungsraum. © Jakob Steinschaden
Katharina Klausberger und Armin Strbac im "Superheroes"-Besprechungsraum. © Jakob Steinschaden

Wenn alles gut geht, dann kühlen ab heute wuchtige Industrieklimaanlagen die Büros der Flohmarkt-App Shpock im 2. Wiener Bezirk. Denn die 45 Mitarbeiter (aus 14 verschiedenen Nationen) des österreichischen Start-ups werden auch in den nächsten heißen Sommertagen einiges zu tun haben, um die nunmehr zehn Millionen Nutzer zu betreuen, die alte Gegenstände über die ortungsbasierte App in der Nachbarschaft verkaufen.

„Für uns ist es ein wichtiges Ereignis, als kleines Wiener Start-up auf zehn Millionen User angewachsen zu sein. Beim Start 2012 haben wir uns nach einem Monat über 10.000 Downloads gefreut, ein Jahr später waren es bereits eine Million“, sagt Shpock Mitgründerin Katharina Klausberger im Gespräch mit TrendingTopics.at. Sie hat mit ihrem Mitgründer Armin Strbac zuerst finderly, ein Internet-Portal für Elektronik-Empfehlungen, gelauncht. Dann aber sattelten sie um auf die jetzige Flohmarkt-App, bei der Nutzer besonders gerne Kleidung, Möbel oder elektronische Geräte zum Verkauf anbieten. „Also eigentlich alles, was im Leben oft gewechselt wird“, sagt Strbac. „Für uns ist immer besonders faszinierend, wie sich die Produkte je nach Wiener Bezirk unterscheiden. Im siebten Bezirk gibt es viele Design- und Einrichtungsgegenstände, in den Außenbezirken gibt es viel Baby-Zeug.“ Shpock – ein Spiegel der Gesellschaft und ihres Konsumverhaltens also.

Das eBay der nächsten Generation

„Wir sehen uns nicht als Konkurrenz von eBay, sondern als die nächste Generation“, sagt Strbac. „Unsere User sind 30 abwärts, und bei eBay sind sie 30 aufwärts.“ Und damit sind wir auch schon beim Geschäftsmodell von Shpock gelandet, dass sich von dem des Online-Händlers durchaus unterscheidet. „Uns wurde erst Monate nach dem Start klar, dass wir uns eigentlich im Bereich der Kleinanzeigen bewegen. Für uns war das immer so ein furchtbar langweiliges Wort, dass man im Kontext von Zeitungen oder Online-Portalen kennt. Es hatte immer etwas Langsames, Behäbiges“, sagt Strbac. „Aber natürlich kann man aus diesem Business die Geschäftsmodelle übernehmen, und was es da immer schon gegeben hat, war das Hervorheben.“ Wenn also jemand bei Shpock (Kurzform für „Shop in your pocket“) etwas schnell verkaufen will, kann er sein Inserat direkt in der App besser positionieren. Gegen eine Gebühr von 2 Euro kann man etwa zehn zusätzliche Fotoplätze kaufen, für sechs Euro kann man sein Inserat eine Woche im prominenten „Brandheiß“-Bereich positionieren, oder für zehn Euro seine Kleinanzeige an die Spitze der Suchergebnisse katapultieren.

Doch während sich diese kostenpflichtigen Premium-Features an die normalen Nutzer richten, arbeitet Shpock auch an Möglichkeiten, um die Werbebudgets großer Firmen anzuzapfen. Das Stichwort heißt Native Advertising: Künftig sollen Händler Werbung für Produkte unter die Kleinanzeigen der User mischen können. Sucht man dann etwa in der Gegend nach einem TV-Gerät, bekommt man nicht nur Second-Hand-Ware zu sehen, sondern auch ein Sonderangebot bei einem Elektronikhändler ums Eck. Das macht Sinn, immerhin kommt die App mittlerweile auf mehr als eine Milliarde Seitenabrufe – also genug Reichweite auch für große Werber. „Wir fangen jetzt mit der Implementierung der Anzeigen an. Wir wollen aber keine riesigen Interstitials, sondern Werbung, die sich nicht wie ein Fremdkörper anfühlt“, so Strbac.

Im 2. Wiener Bezirk arbeiten mittlerweile 45 Leute aus 14 Nationen für Shpock. © Jakob Steinschaden
Im 2. Wiener Bezirk arbeiten mittlerweile 45 Leute aus 14 Nationen für Shpock. © Jakob Steinschaden

Potenzial bietet auch der Marktplatz selbst: Laut Klausberger werden bei Shpock mittlerweile Gegenstände im Wert von 2,5 Milliarden Euro gehandelt. Würde man sich da wie eBay als Vermittler mit einer kleinen Provisionsgebühr dazwischen schalten, könnte man Provision verlangen. Voraussetzung dafür wäre aber ein ausgefeiltes Payment-System. Derzeit läuft der eigentliche Verkaufsakt bei Shpock noch offline ab: Käufer und Verkäufer treffen sich, die Ware wird bar bezahlt.

Verhältnis zu willhaben.at? „Nicht vorhanden“

Die Märkte, in denen Shpock heute operiert, sind Deutschland, Österreich und Großbritannien. „Das Geschäft in UK geht virtuell von Wien aus. In der App-Economy kann man heute alles sehr zentral steuern“, sagt Klausberger. Zwar nutze man die komplette Palette der Marketing-Möglichkeiten – neben Online-Werbung gab es sogar einen TV-Spot – , aber: „Das Wichtigste für uns ist aber immer noch Word of Mouth, also dass die Nutzer es weitererzählen und ihre zum Verkauf stehenden Produkte via Social Media teilen“, sagt Strbac. Die USA zu erobern, wäre reizvoll, doch vorerst will man sich auf die eigenen Stärken fokussieren.

Wie aber ist das Verhältnis zum lokalen Markt, insbesondere zu willhaben.at, dem in Österreich führenden Kleinanzeigen-Portal, mit dem sich Shpock den norwegischen Medienkonzern Schibsted als Gesellschafter teilt? (Schibsted kaufte 2013 um einen siebenstelligen Betrag 40 Prozent von Shpock und hält außerdem 50 Prozent an willhaben.at, Anm.) „Nicht vorhanden“, sagt Klausberger. Man tausche sich lieber mit anderen Start-ups aus, die ähnliche Denkweisen hätten, als mit bereits etablierten Internet-Unternehmen. Eines davon ist Runtastic (kürzlich um 220 Millionen Euro an Adidas verkauft), deren Business Angel Hans Hansmann auch bei Shpock an Bord ist. „Jeder hat unterschiedliche Probleme, aber jedes Unternehmertum hat auch ähnliche Phasen. Wenn man eine Firma aufbaut, ist man mit gewissen Herausforderungen konfrontiert, und da ist es einfach gut, sich auszutauschen“, so Klausberger.

Dass man 2015 weiter von Shpock lesen wird, davon kann man ausgehen. Demnächst soll es noch eine “Überraschung” im Produktbereich geben, an der man derzeit „mit Volldampf“ arbeite. Strbac: „Shpock wird sich heuer noch sehr stark weiter enwickeln.“

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