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Cyber-Security: „Impfstofflieferungen werden bereits ausgekundschaftet“

„Die Angriffsoberfläche hat sich radikal erhöht.“ Der Österreicher Klaus Gheri, Vorstandsvorsitzender der Barracuda Networks AG, leitet mit der Firewall-Sparte einen der wichtigsten Unternehmensbereiche des Security-Spezialisten aus den USA. Barracuda Networks hat den Österreichstandort vor vielen Jahren zum wichtigsten Standort der Security-Software gemacht, von Tirol aus werden Kunden aus der ganzen Welt mit Sicherheitslösungen versorgt.

Das Krisenjahr 2020, das Millionen Menschen ins Home Office geschickt hat, ist zur sicherheitstechnischen Herausforderung geworden. „Die Gesundheitseinrichtungen waren schon immer Ziel von Ransomware-Attacken“, so Gheri, und in der Gesundheitskrise haben sich Cyber-Kriminelle einmal mehr auf sie eingeschossen. Denn: „Wenn man es schafft, die Infrastruktur von medizinischen Einrichtungen zu behindern, kann man natürlich Lösegeldforderungen stellen, die relativ schnell bedient werden.“

Warnung vor Sabotage und Lösegeldforderungen

Gheri, der als ausgewiesener Experte in Sachen Cyber-Security gilt, sieht bereits den nächsten Trend. „Impfstofflieferungen werden bereits ausgekundschaftet, um zu sabotieren und Lösegeldforderungen stellen zu können“, sagt er. So werde unter anderm versucht, die Kühlkette zu sabotieren, die ja für die COVID-Impfstoffe kritisch sind. Auch dieses Beispiel zeigt, dass Sicherheitslösungen heute keine digitale Mauer um ein einzelnes Unternehmen mehr sind, sondern durch die hohe Vernetzung ganz anders funktionieren müssen.

„Innen Gut, draußen Böse – dieses Paradigma der Firewall ist überholt. Das Böse heute holt sich jemanden hinein, indem es einen Rückkanal aufbaut“, sagt Gheri. Die Firewall heute bräuchte deswegen zeitgemäße Funktionen. „Sie muss nicht nur filtern und Negatives rausnehmen, sondern proaktiv eingreifen und die Kommunikation optimieren.“ Das Beispiel mit der Lieferkette von Impfstoffen zeigt – Security-Software muss auch dafür sorgen, dass Anwendungen außerhalb des Netzwerkes erreichbar bleiben. Bei Barracuda Networks, das seit etwa vier Jahren Firewalls im Industriebereich anbietet, sieht man eine stark ansteigende Nachfrage nach solchen Lösungen.

Startup Phion als Ausgangspunkt

Die Barracuda Networks AG, die nach wie vor Österreich als wichtigen Standort hat, ist dabei aus einem Startup hervorgegangen. Gheri gründete im Jahr 2000, mitten im Dotcom-Hype, mit Phion eine Jungfirma, die sich schnell im Security-Bereich einen Namen machte. „Wir durften damals das größte Firewall-Projekt der Welt realisieren. Das hat uns die ersten eineinhalb Jahre finanziert“, so der Mitgründer. Dann folgte eine Anschlussfinanzierung über VCs („das war, als die Blase schon etwas geplatzt ist, da war das nicht so leicht“) und schließlich 2007 der Börsengang im Mid Market der Wiener Börse.

Auch keine leichte Zeit, denn damals kam die nächste Blase daher, die schließlich in der Finanzkrise mündete. „Die Börsenkurse sind abgesackt, und unserer ist mitgegangen“, so Gheri. 2009 kam dann aber die Barracuda-Gruppe aus den USA und übernahm Phion mehrheitlich.

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