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Cyan: Der Hidden Champion aus Wien, der in Deutschland an die Börse gegangen ist

Das Führungsteam von Cyan: CFO Michael Sieghart, CEO Peter Arnoth und CTO Markus Cserna. © Cyan AG
Das Führungsteam von Cyan: CFO Michael Sieghart, CEO Peter Arnoth und CTO Markus Cserna. © Cyan AG

31,7 Millionen Euro nahm die Cyan AG bei ihrem IPO an der Frankfurter Börse Ende März ein. Damit lag der Ausgabepreis der Aktie am oberen Rand der Preisspanne – die Nachfrage war hoch. Der für den Dritten Markt beachtliche Börsengang sorgte in Österreich kaum für Aufsehen. Dabei war die Cyan AG bis vergangenes Jahr ein österreichisches Unternehmen und zwar ein höchst erfolgreiches. Für 2017 erwartet Cyan einen Umsatz von 4,90 Millionen Euro und einen Gewinn von 2,36 Millionen Euro. Heuer soll sich der Umsatz laut Analysten mehr als verdoppeln. Den Firmensitz hat Cyan nur für den IPO nach Deutschland verlegt.

Der IPO als Türöffner bei Großkunden

„Der Börsengang hat uns viele Türen geöffnet“, sagt Markus Cserna, der einzige von fünf Gründern, der heute noch als CTO das Unternehmen leitet. Gerade bei Großunternehmen komme der Auftritt als börsennotierte Firma besser an. In erster Linie sollte der Börsengang allerdings helfen, alte Investoren rauszukaufen. Unmittelbar nach dem Börsengang von Cyan konnte die AG die restlichen 49 Prozent Anteile von der Compass-Gruppe, der MKO Beteiligungs GmbH von Co-Founder Michael Kofler, Gerhard Byrne, einem ehemaligen Geschäftsführer, und dem Co-Founder Klaus Thurnhofer zurückkaufen. Der Preis dafür dürfte im unteren zweistelligen Millionenbereich gelegen haben.

Erfolg kam erst mit dem Fokus auf Mobilfunker

Markus Cserna hat Cyan 2006 gemeinsam mit seinen ehemaligen Arbeitskollegen, Michael Kofler, Klaus Thurnhofer, Thomas Hoffmann und Gerhard Möller gegründet. Die Fünf kannten sich bereits von dem IT-Security-Unternehmen, das später an die britische SurfControl verkauft wurde. SurfControl wiederum ging 2007 um geschätzte 416 Millionen Euro an Websense. „Zuerst waren wir nicht so erfolgreich“, erzählt Cserna von seinem Start ins Unternehmertum. Mit dem Angebot klassischer B2B-Lösungen wie Firewalls war Cyan nicht sonderlich innovativ. „Es war ein mühsamer Verdrängungswettbewerb, denn solche Lösungen hatten die meisten Firmen bereits“, erinnert sich Cserna. Gemeinsam mit Peter Arnoth, der heute CEO von Cyan ist, gelang eine Neuausrichtung auf Mobile-Security und das Unternehmen angelte sich mit T-Mobile seinen ersten Großkunden.

Mit T-Mobile hat Cyan einen Exklusivvertrag in Österreich, der andere Kunden in diesem Land komplett ausschließt. Der Vertrag bringt dem Unternehmen mehr als 2,5 Millionen Euro Umsatz pro Jahr und wurde vergangenes Jahr bis 2021 verlängert. Was das Produkt von Cyan für T-Mobile so attraktiv macht, ist schnell erklärt. Cyan schützt Smartphones und andere mobile Geräte vor Cyberangriffen. Handybesitzer müssen dazu keine App installieren, wie bei anderen Anbietern. „Unsere Lösung ist für Nutzer sehr leicht verständlich“, meint Cserna. „Man muss nach der Aktivierung nichts mehr einstellen oder konfigurieren“.

Geschäftsmodell Revenue-Share

Der Schutz vor Cyberangriffen ist direkt in das Mobilfunknetz integriert und T-Mobile kann es unter seiner eigenen Marke anbieten. Das ist auch der Grund, warum Cyan kaum bekannt ist: es handelt sich um eine „White Label“-Lösung. Für T-Mobile hat die Lösung aber noch andere Vorteile. Sie kostet erst dann etwas, wenn sich ein Handybesitzer tatsächlich für sie entscheidet. Cserna: „Das macht unser Produkt für Großkunden sehr sexy“. Das Sicherheitspaket kann zum Beispiel in einen Tarif integriert sein oder dazu gebucht werden. Cyan partizipiert an diesen Verkäufen mit einem Revenue-Share-Modell.

Neue Zielgruppen: Banken und Regierungen

Wieviele Mobilfunk-Kunden die Sicherheitslösung von Cyan genau im Einsatz haben, darf Cserna nicht verraten, aber, „es sind viele Millionen“. Bei Großkunden konzentriert sich das Unternehmen in Zukunft aber auch auf andere Bereiche. Seit vergangenem Herbst bietet Cyan auch eine Sicherheitslösung für Banken an, die damit zum Beispiel E-Banking-Apps sichern können. Auch da funktioniert das Geschäftsmodell nach dem Revenue-Share-Prinzip. Cserna: „Man könnte das zum Beispiel über die Kontoführungsgebühren abrechnen oder als Modul dazubuchen lassen“. Mit der Banking-Lösung hat sich Cyan bereits die russische Sberbank geangelt und das Fintech MyBucks – in Deutschland ist die Firma auch bereits mit Banken im Gespräch.

2017 hat das Sicherheitsunternehmen außerdem Regierungen als Zielgruppe entdeckt. In Südeuropa habe es Interesse an einer Security-Lösung für Kinderhandys gegeben, erzählt Cserna. Das Produkt von Cyan hätte von Mobilfunkern auf allen SIM-Karten von Kindertarifen und allen anonymen Wertkarten-SIMs freigeschaltet werden sollen. Abrechnen könnte man das zum Beispiel über eine jährliche Servicegebühr, die alle Mobilfunkkunden des Landes bezahlen sollen – ähnlich wie Rundfunkgebühren. „Jeder Nutzer würde einen kleinen Betrag bezahlen, damit Kinder im Internet sicher sind“, erklärt Cserna. Das Geld wiederum hätte die Regierung für Bildungsangebote zum Thema Digitalisierung genutzt.

Mit einer Kinderschutzlösung würde die Cyan quasi an ihre eigenen Wurzeln zurückkehren, denn auch das erste Produkt für T-Mobile war ein Kinderschutz, mit dem Eltern die Web-Inhalte und Apps auf den Handys ihrer Kinder kontrollieren konnten. Derzeit liegt das neue Kinderschutz-Projekt allerdings noch in der Schublade.

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