Gastbeitrag

Crowdfunding: Das sind die erfolgreichsten Kampagnen Österreichs 2016

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2016 war ein verdammt gutes Jahr für Crowdfunding. © Fotolia
2016 war ein verdammt gutes Jahr für Crowdfunding. © Fotolia

Vergangenes Jahr haben wir gemeinsam mit dem Crowdfunding-Experten Wolfgang Gumpelmaier-Mach einen Jahresrückblick veröffentlicht, der die erfolgreichsten Crowdfunding-Kampagnen aus 2015 zeigte. Zum Jahresbeginn haben wir Wolfgang wieder gebeten, uns die Highlights des Crowdfunding-Jahres 2016 zusammenzufassen.

Die Bekanntheit von Crowdfunding steigt

2016 ist das Interesse an Crowdfunding weiter gestiegen. Das zeigen nicht nur die Zahlen und Volumina der erfolgreichen Projekte, auch die Anzahl der Anfragen bei den Plattformen ist gestiegen. Das hängt unter anderem mit der verstärkten Aufklärungsarbeit zusammen, die sowohl Crowdfunding-Plattformen, als auch unabhängige BeraterInnen und Organisationen leisteten. Unter anderem trafen sich im September beim CrowdDialog.eu in Graz über 420 Experten aus 32 Staaten, um über die Themen Crowdsourcing, Crowdfunding und Crowdinnovation zu diskutieren.

Diese und andere Veranstaltungen haben wesentlich zur Bekanntheit und Professionalisierung von Crowdfunding in Österreich beigetragen. Das Wissen um die unterschiedlichen Arten von Crowdfunding (Beteiligung, Darlehen, Belohnung, Spende) zählt hier ebenso dazu wie das Bewusstsein, dass Crowdfunding kein Spaziergang ist und das volle Engagement der GründerInnen und Projekt-InhaberInnen benötigt. Erfreulich ist dabei, dass viele UnternehmerInnen die Mehrwerte von Crowdfunding erkannt haben und es als Kommunikations- und Innovationstool im Rahmen der Unternehmensstrategie nutzen. Denn eine Crowdfunding-Kampagne sorgt oftmals für eine enge Verbindung zur Zielgruppe und Unternehmen profitieren nicht nur vom Kapital der Crowd, sondern auch vom Wissen und Netzwerk der Community.

Conda hält bei 14,6 Millionen Euro. © Anja Grundböck
Conda hält bei 14,6 Millionen Euro. © Anja Grundböck

Dass Crowdfunding auch als wesentlicher Start-up-Motor gesehen wird, zeigt die weitere Etablierung und Nutzung des Alternativfinanzierungsgesetzes, mit dem im Herbst 2015 eine Rechtsgrundlage für alternative Finanzierungsformen geschaffen wurde. Dazu zählen auch das sogenannte Equity-based-Crowdfunding (Beteiligungsmodell) sowie das Lending-based-Crowdfunding (Darlehensmodell) – beide landläufig bekannt als “Crowdinvesting”. Zudem kommen neue Fördertöpfe, die sich gezielt an JungunternehmerInnen richten, die an einem  Crowdfunding-Projekt arbeiten. So haben die beiden Landeshauptstädte Graz und Linz im letzten Jahr eigene Crowdfunding-Förderungen geschaffen, mit Hilfe derer die professionelle Umsetzung einer Crowdfunding-Kampagne unterstützt werden soll. Die Crowdfunding-Förderung der Stadt Linz wurde etwa im vergangenen November in der Tabakfabrik Linz vorgestellt und stellt vorerst bis 17. Oktober 2017 insgesamt 25.000 Euro dafür zur Verfügung.

Neue Plattformen am Start

Bestehende Crowdfunding-Plattformen wie Conda, Green Rocket, 1000×1000, das Ertragreich, Evercrowd, wemakeit und Respekt.net oder das Regionalfunding-Portal der Raiffeisen Vorarlberg mit.einander.at haben sich im vergangenen Jahr weiter etabliert. Aber auch neue Plattformen haben das Licht der Crowdfunding-Welt erblickt. So wurde etwa Anfang des Jahres die Studie „Alternativfinanzierungsgesetz ‐ Möglichkeiten und Chancen für die Tourismusfinanzierung in Österreich“ im Auftrag des BMWFW vorgestellt. Im Herbst 2016 wurde mit we4tourism das darin besprochene Tourismus-Crowdfunding-Portal gelauncht, das künftig Tourismusbetriebe mit Investoren verbinden soll. Ebenso ging im Herbst die Plattform Lion Rocket online, die etablierten KMUs die Möglichkeit bietet, sich via Crowdfunding zu finanzieren. Dahinter steht die Rocket Gruppe, die mit Green Rocket bereits eine Crowdinvesting-Plattform für nachhaltige Start Ups und mit Home Rocket ein Immobilien-Investing-Portal betreibt.

Was die Finanzierung von Immobilien durch Privatinvestoren angeht, hat diese seit 2016 aber Konkurrenz in Österreich bekommen. Auch die Plattformen Rendity, Immofunding und dagobertinvest konzentrieren sich auf Immobilienprojekte. Außerdem neu am Start im Bereich des Crowdinvestings:.firstcap.eu, PrimeCrowd (Investing ab 5.000,- EUR), CrowdCoopFunding (Genossenschaft trifft auf Crowdfunding) und Crowd4Climate (investieren in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern). Erfreulich ist auch das Commitment zum neu geschaffenen Gütesiegel für Crowdinvesting-Plattformen, das vom Fachverband Finanzdienstleister in der Wirtschaftskammer ins Leben gerufen wurde.

Im Bereich Regionalfunding gibt es ebenfalls neue Player, etwa die Plattform gemeinsam.noe, die “Projekte im Bereich der Regionalentwicklung, soziale Initiativen und Vorhaben zur Förderung von Talenten in Niederösterreich.” unterstützt. Oder das Crowdfunding-Portal wirbewegen.eu des Vereins Regionalentwicklung Vöckla-Ager in Oberösterreich, das sich als regionalesSchaufenster und Beratungsplattform sieht. Auch die Region Eisenstrasse geht einen ähnlichen Weg und bietet neben Workshops auch einen Leitfaden zu Crowdfunding und Crowdinvesting an. Und last but not least kündigte gegen Ende des Jahres die Bank für Gemeinwohl an, im Frühjahr 2017 ein eigenes Crowdfunding-Portal zu starten, mit dem gemeinwohlorientierte Projekte und Unternehmen finanzieren werden können. Wir können also gespannt sein.

Die erfolgreichsten Crowdfunding-Kampagnen

Haben wir im letzten Jahr noch die größten Projekte in 2015 aller vier Crowdfunding-Modelle in einer Grafik zusammengefasst, so unterscheiden wir für 2016 zwischen equity- bzw. lending-based Projekten auf der einen Seite und reward- bzw. donation-based Projekten auf der anderen Seite. Hier noch einmal die vier Crowdfunding-Modelle kurz erklärt:

  • Beim Beteiligungsmodell (equity-based Crowdfunding) bestehen die Gegenleistungen aus Erfolgsbeteiligungen am unterstützten Start-Up bzw. Unternehmen.
  • Beim Darlehensmodell (lending-based Crowdfunding) werden Klein-Kredite zwischen Privatpersonen/Unternehmen vergeben, die verzinst zurückgezahlt werden.
  • Beim Belohnungsmodell (reward-based Crowdfunding) erhalten die Unterstützer ideelle oder materielle Gegenleistungen, abhängig von der Höhe des beigesteuerten Betrags, z.B. ein Produkt.
  • Beim Spendenmodell (donation-based Crowdfunding) geht es vor allem um das gute Gefühl und die Unterstützer erhalten für ihre Unterstützung gegebenenfalls eine Spendenquittung.

Fast alle Crowdinvesting-Plattformen haben letztes Jahr auf das Darlehensmodell mittels Nachrangdarlehen umgeschwenkt. Die drei größten Projekte kamen 2016 dabei aus dem Sport- bzw. Tourismus-Bereich. Der SK Rapid sammelte binnen weniger Tage sagenhafte 3 Mio. Euro von mehr als 1.500 Fans über die Plattform CONDA ein, kurz darauf schaffte der Konkurrenz-Club FK Austria Wien in nicht einmal zwei Tagen 1,5 Mio. Euro.

Eines der Top-Produkte 2016: all i need © allineed
Eines der Top-Produkte 2016: all i need © allineed

Die Gasteiner Bergbahnen AG überzeugten InvestorInnen wie Sportbegeisterte mit einer Kombination aus Darlehensmodell (Zinsen und Tilgung in Cash) und Belohnungsmodell (Zinsen in Gutscheinen und Tilgung in Cash) und sammelten auf diese Weise für ihr Projekt “Schlossalm Neu” knapp 1,5 Mio. Euro ein. Das Start-Up nuapua sammelte für sein “revolutionäres Trinksystem” bereits zum zweiten Mal erfolgreich Geld von der Crowd ein, ebenso wie das bio-faire, vegane Grüntee-Getränk all i need.

Weitere Top-Projekte kamen ebenfalls aus der Getränke- bzw. Nahrungsmittel-Branche sowie aus der Energiewirtschaft, der Immobilien-Branche und aus der Hanf-Produktion.

Knapp eine halbe Million für flying tent © Startraveller
Knapp eine halbe Million für flying tent © Startraveller

Im Bereich donation- und reward-based Crowdfunding hat sich ebenfalls viel getan. Erwähnenswert ist hier sicherlich das Projekt “Neue Beschneiungsanlage für den Loser”, für das u.a. über den Vorverkauf von Skipässen rund 750.000 Euro erfolgreich eingesammelt werden konnten. Außerdem stechen in Bezug auf die Fundingsumme die drei Kickstarter-Projekte flying tent (471.748 Euro), Vello Bike+ (471.174 Euro) und ZEI° (313.673 Euro) hervor.

Auffallend ist auch, das vermehrt Projekte der Plattform 1000×1000 auf das Belohnungs- und Pre-Sales-Modell setzen, die ja als Pionier der Österreichischen Crowdinvesting-Szene gilt. Eine besondere Erwähnung verdient das Projekt “FILMRETTUNG „Stadt ohne Juden“ vom Filmarchiv Austria, mit dem einer der bedeutendsten Filme der österreichischen Kinogeschichte vor dem Zerfall gerettet wurde. Auf der Plattform wemakeit wurden dafür über 86.000 Euro gesammelt, hinzu kam ein überwältigendes nationales wie internationales Medienecho.

Eine interessante Entwicklung hat die Plattform Indiegogo im vergangenen Jahr durchgemacht: viele der dortigen Projekte nutzen die sogenannte InDemand-Funktion, mit der auch nach erfolgreich abgeschlossener Crowdfunding-Kampagne weiter Geld eingesammelt werden kann. An sich ja ein sinnvolles Feature, allerdings finden sich unter den Top-Projekten vor allem solche, die zuerst bei Kickstarter waren. Einzig das Projekt Moow – Smart protection for you and your bicycle scheint sich hier auf herkömmliche Art und Weise via Indiegogo finanziert zu haben.

Auch bei der renommierten Spenden-Crowdfunding-Plattform Respekt.net merkt man, dass die Summen – wie beim Crowdfunding generell – nach oben gehen. So erreichte z.B. das Projekt “Generation Innovation across Europe” über 40.000 Euro, das Projekt “Kinderspielplatz Traiskirchen” rund 38.000 Euro.

Anhand der Projekte aus 2016 sieht man sehr eindrucksvoll, wie vielfältig Crowdfunding eingesetzt werden kann. Das bestätigen auch die BetreiberInnen der Crowdfunding-Plattformen, die uns dankenswerterweise bei der Recherche zu diesem Artikel mit Zahlen und Informationen zu den Projekten unterstützt haben. Hannes Kollross von 1000×1000 sieht etwa einen Trend darin, “dass Crowdfunding nicht mehr „nur“ als Finanzierungsinstrument für Start-Ups spannend ist, sondern mehr und mehr auch von etablierten Unternehmen eingesetzt wird, wo dann vor allem Aspekte wie Kundenbindung im Mittelpunkt stehen.” Cloed Baumgartner von Startnext bestätigt diesen Eindruck: “Das Interesse wird mehr und geht durch alle Themenbereiche, von Start-Up zu Fintech zu Energie zu Kunst- und Kulturprojekten. Es ist alles dabei: EPUs, KMUs, Kreativwirtschaft, Bildungs- und Kulturinstitutionen!”. Simone Mathys-Parnreiter von wemakeit ergänzt, dass auch etablierte Institutionen wie die Österreichische Nationalbibliothek das Potenzial von Crowdfunding erkannt haben und “die Leute langsam auch mehr Vorwissen haben.” Sie alle zeichnen also ein sehr positives Bild von Crowdfunding in Österreich und so können wir uns auf ein aufregendes und hoffentlich erfolgreiches Jahr 2017 freuen!

Die besten Kampagnen 2016:

Rapid InvesTOR

Vello Bike

Zei – Timeular

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