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Coworking Spaces: Willkommen im Kibbuz des Kapitalismus!

Bei WeWork. © WeWork
Bei WeWork. © WeWork

„A capitalistic kibbutz is not a bad idea. You need both.“
– Adam Neumann, cofounder of WeWork, in an interview

Adam Neumann, der MitgrĂŒnder von WeWork, hat eine Mission. Er will eine Welt zu erschaffen, in der es um Lebenswerke geht und nicht nur um Lebensunterhalt. Ein bunter Kuschel-Spielplatz fĂŒr Ideen und neue GeschĂ€ftsmodelle, ein Ort, an dem Arbeit und Freizeit verschwimmt, immer umrundet von Freelancer-Hipstern zum Networken, zum RunterspĂŒlen gibt es Gurkenwasser, Espresso und Freibier. Der Coworking Space soll zum Lebensmittelpunkt der New Worker werden. Man teilt sich WLAN, Kaffeemaschine und Couches mit den anderen, und im besten Falle macht man wie nebenbei auch gleich GeschĂ€fte mit den Arbeitsfreunden. Willkommen in der bunten neuen Welt der Arbeit!

Neumann ist zum charismatischen Leader der New-Work-Generation geworden. Seine Firma WeWork will Orte schaffen, an denen „das Ich Teil eines grĂ¶ĂŸeren Wir“ wird, an denen es um persönliche ErfĂŒllung geht und wo man seine Arbeit liebt. Das erinnert an der OberflĂ€che an das Konzept des Kibbuz – jene israelischen genossenschaftlich organisierte Siedlungen, in denen es kein Privateigentum gibt, in denen Kinder gemeinsam großgezogen werden und wo das tĂ€gliche Leben kollektiv organisiert wird. Neumann, ein US-Unternehmer mit israelischen Wurzeln hat in den 1990ern einige Zeit im Kibbuz Nir Am verbracht, bevor er seinen MilitĂ€rdienst bei der israelischen Marine ableistete.

Bei WeWork. © WeWork
Bei WeWork. © WeWork

ZurĂŒck im Herzen des Kapitalismus, in New York, grĂŒndete er fĂŒnf Unternehmen (darunter Egg Baby, ein Online-Shop fĂŒr Baby-Kleidung), bis er endlich mit Green Desk auf einen grĂŒnen Zweig kam. Gemeinsam mit seinem Cofounder Miguel McKelvey benannte er Green Desk schließlich in WeWork um – mit dem Ziel, die Revolution des Arbeitsplatzes weltweit einzuleiten. 20 Milliarden Dollar ist das Startup mittlerweile seinen Investoren wert. Der Kapitalismus hat die Kommune lĂ€ngst erobert. „Kibbuz 2.0“ nennt Neumann seine Community.

Gemeinsame Werte statt bloß geteilte Quadratmeter

Coworking Spaces punkten nicht einfach nur mit der Möglichkeit, schnell ein neues BĂŒro mit allem Drum und Dran (WLAN, Möbel, KaffeekĂŒche usw.) beziehen zu können. Oft wĂ€ren kleine Firmen gĂŒnstiger dran, sich ein eigenes BĂŒro zu mieten. Aber beim Coworking geht es, wie der Name schon sagt, um mehr. WeWork oder Talent Garden argumentieren mit der Community, in die man aufgenommen wird – zum Wissenstransfer, zum Austausch mit potenziellen GeschĂ€ftspartnern und natĂŒrlich zum gemeinsamen Afterwork.

Rund um WeWork-GrĂŒnder Neumann ist ein wahrer Kult entstanden. “You’re changing the world, Adam. We love you”, riefen ihm Mitarbeiter dieses Jahr bei einem Firmen-Event zu. WeWork bezahlt seinen Mitarbeitern mittlerweile keine Fleischgerichte beim Lunch oder legt Grenzen fest, wie viel Bier in den RĂ€umlichkeiten pro Person getrunken werden darf – hat also bereits normativen Einfluss auf das Verhalten seines Teams und seiner Nutzer. Auch das gehört zur neuen Arbeitswelt dazu.

IWG WeWork Talent Garden Mindspace Ucommune Impact Hub
LĂ€nder >110 34 8 8 k.A. > 50
StÀdte >1.000 97 19 13 37 > 100
Spaces 3.000 514 23 > 20 200 > 100
Mitglieder/Nutzer 2,5 Mio. 400.000 > 3.500 k.A. >120.000 > 16.000
Bewertung 1,8 Mrd. $ (Börse) 20 Mrd. $ (Investoren) k.A. k.A. 1,8 Mrd. $ (Investoren) k.A.
HQ Luxemburg New York Mailand Tel Aviv Peking Wien

Warum boomen die Spaces derart?

WeWork gilt gemeinhin als der Vorreiter der Coworking-Space-Ketten – doch einmal abgesehen von der Unternehmensbewertung gibt es eigentlich einen viel grĂ¶ĂŸeren Player. Und zwar einen europĂ€ischen. Bereits 1989 hat Mark Dixon Regus gegrĂŒndet, das seit 2016 unter der Dachmarke IWG (International Workplace Group) firmiert und mit Regus, Spaces, No18, Spacepoint oder OpenOffice gleich eine ganze Reihe an BĂŒroanbietern betreibt, die auf verschiedene Zielgruppen zugeschnitten sind.

Aus einer dieses Jahr veröffentlichten Analyse von Morgan Stanley geht hervor, dass in den nĂ€chsten zehn Jahren der Anteil von Freelancern der arbeitenden Bevölkerung der USA auf satte 50 Prozent anwachsen soll – viele von ihnen werden wohl in einen Coworking Space einziehen. Dazu kommt, dass sich viele Millenials (geboren zwischen 1981 und 1995) sich einen Coworking Space und dessen AtmosphĂ€re als Arbeitsplatz bevorzugen.

Das spannende GeschĂ€ft fĂŒr Coworking-Betreiber sind aber eigentlich nicht die EPU, sondern große Unternehmen. WeWork etwa protzt damit, Teams von Facebook, Adidas, Microsoft, Salesforce oder BlackRock zu beheimaten. Von Corporates können Betreiber einfach mehr Geld pro Arbeitsplatz verlangen als von Startuppern – das zeigt sich mittlerweile auch in Österreich bei weXelerate oder Talent Garden.

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