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Coworking-Boom in Österreich: Hier wollen wir 2019 arbeiten

Bei WeWork. © WeWork
Bei WeWork. © WeWork

4Gamechangers Hub, W48, Strada del Startup oder Spaces – 2018 wurden in Österreich gleich hunderte neue Coworking-Schreibtische aufgestellt. Und im neuen Jahr geht es weiter, denn einige Newcomer haben ihre Hallen bereits aufpoliert und öffnen demnächst die Pforten.

Der Trend zum gemeinsamen Arbeiten ist längst über die Startup-Szene hinausgewachsen und hat Österreich heuer regelrecht überrollt. Wir haben einen Überblick über die neuesten Player, die das Großraumbüro wieder salonfähig gemacht haben.

Spaces: Der größte Fisch im Teich

Ein typischer Coworking-Arbeitsplatz von im Corporate Design von Spaces - seit heuer auch in Wien © Spaces
Ein typischer Coworking-Arbeitsplatz von im Corporate Design von Spaces – seit heuer auch in Wien © Spaces

Vergangenen Sommer hat mit Spaces ein internationaler Großanbieter den Coworking-Wachstumsmarkt in Österreich betreten. Das niederländische Unternehmen wurde 2015 von Regus übernommen, das in 120 Ländern tausende traditionelle Bürohäuser betreibt. Die fünf Stockwerke umfassende Niederlassung im Orbi-Tower bei Erdberg mit ihren mehr als 80 Büros und mehr als 500 Arbeitsplätzen ist in Wien für Spaces erst der Anfang. Eingezogen ist dort laut Betreiber eine bunte Mischung aus Selbstständigen, Startups und Großunternehmen, die Spaces gerne für Projekte oder einzelne Abteilungen buchen.

Im Jänner sperrt ein zweites Coworking-Büro am Wiener Hauptbahnhof auf. Im zweiten Quartal folgt der Standort im SquareOne im 19. Bezirk und Ende des Jahres eröffnet das Spaces-Österreich-Headquarter in der ehemaligen Bank-Austria-Zentrale am Schottentor. Das Prinzip von Spaces basiert auf einem Abo-Modell, das eine Nutzung aller Spaces-Büros weltweit umfasst – in Wien kostet diese Mitgliedschaft ab 249 Euro monatlich.

Talent Garden: Der „Magic Mix“ aus Italien

So soll der Talent Garden in Wien aussehen. © Talent Garden
So soll der Talent Garden in Wien aussehen. © Talent Garden

Mit Talent Garden ist noch ein internationaler Anbieter nach Wien gezogen. Die Suche nach einer passenden Immobile war harte Arbeit und startete ursprünglich bereits im Sommer 2017. Doch jetzt ist es geschafft: Nach einer großen Eröffnungsfeier im November, werden nun im Jänner die ersten Startups und Corporates in der Wiener Liechtensteinstraße 111-115 ihre Zelte aufschlagen. Das Besondere: Die Betreiber achten darauf, dass sich auf jedem der vier Arbeitsbereich-Stockwerke Startups, KMU und Corporates zu gleichen Teilen mischen – „Magic Mix“ nennt Talent Garden das.

Die Mutterfirma Talent Garden aus Italien betreibt in Europa mittlerweile ein Netzwerk aus 25 Coworking Spaces – von Dublin über Barcelona bis Rom. Ähnlich wie bei Spaces können die internationalen Standorte von zahlenden Mitgliedern mitbenutzt können. Ab 180 Euro monatlich für einen Flex Desk ist man dabei. Wer sich nicht jeden Tag einen freien Tisch suchen will, muss mit Kosten ab 300 Euro pro Monat rechnen.

Das Packhaus am Heumarkt: Der Polarisierer

Das Packhaus am Heumarkt: Der Wiener Eislaufverein wird ein Coworking-Space © Paradocks/Hemedinger
Das Packhaus am Heumarkt: Der Wiener Eislaufverein wird ein Coworking-Space © Paradocks/Hemedinger

Der Verein Paradocks, Betreiber des „Packhaus“, hat kurz vor Jahresende noch einmal für Aufsehen in der Szene gesorgt. Der neueste Zuwachs der Packhaus-Standorte ist gleich in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Einerseits bezieht er 150 Quadratmeter im Wiener Eislaufverein am Heumarkt – als Zwischennutzung, bevor eines der umstrittensten Neubauprojekte Wiens startet, das sogar den Weltkulturerbe-Status der Wiener Innenstadt ins Wanken gebracht hat.

Zum Anderen ist das Packhaus am Heumarkt wohl Österreichs erster Coworking-Space der Frauen vorbehalten ist. Ein Umstand, der in der Startup-Szene polarisiert. Frauen können sich, unbeobachtet von Männern besser entfalten und trauen sich mehr, meinen die Einen. Nur Frauen zuzulassen widerspreche dem Gedanken der Diversität und schließe Männer ungerechtfertigt aus, entgegnen die Anderen.

WeWork: Noch im „Stealth Mode“

Bei WeWork in Tel Aviv. © Jakob Steinschaden
Bei WeWork in Tel Aviv. © Jakob Steinschaden

Mit Spannung wartet Österreich auf den großen Auftritt: Seit Mitte 2018 ist WeWork Austria im heimischen Firmenbuch eingetragen. Aber wo wird der internationale Coworking-Gigant seine Zelte aufschlagen? Trending Topics ist zu Ohren gekommen, dass sich die Standort-Suche in Wien schwierig gestaltet, da WeWork hohe Ansprüche an Größe und Lage der Immobile hat. Ein Schelm, wer denkt, dass Spaces alle passenden Räumlichkeiten bereits besetzt hat (siehe oben).

Mit mehr als 500 Coworking-Büros weltweit gehört WeWork übrigens zu den größten Anbietern und gilt auch international als Vorreiter. In Europa gibt es aber einen viel dickeren Fisch: Die International Workplace Group (IWG), die auch hinter Spaces steht, hält bei rund 3.000 Büroflächen unterschiedlichster Fa­çon.

Strada del Startup: Die coolen Linzer

In der Linzer "Strada del Startup" © Gerhard Gruber / Tabakfabrik
In der Linzer „Strada del Startup“ © Gerhard Gruber / Tabakfabrik

Das Investoren-Netzwerk Startup300 hat 2018 die österreichische Startup-Szene geprägt, wie kaum ein anderer. Die Linzer Tabakfabrik ist das Epizentrum des rasant gewachsenen Ökoystems im Startup-Ökosystem – und da gehören selbstverständlich auch Coworking-Spaces dazu. Der Plural ist angebracht, denn Startup300 hat sich auch an der Wiener Niederlassung von Talent Garden beteiligt und ist Großabnehmer von Raumeinheiten in der „Strada del Startup“ der Linzer Tabakfabrik.

Die Startup-Straße ist ein langgezogener Raum, an dessen Seiten sich Mini-Büros, offene Arbeitsbereiche und Event-Räume abwechseln – und er gehört der Tabakfabrik, nicht, wie viele annehmen, Startup300. Das Netzwerk rund um die Gründer Bernhard Lehner und Michael Eisler füllt die Strada aber mit Leben, sprich Events, und hat einen großen Teil der Büroflächen gemietet. Startups dürfen dort zum selben Preis einziehen, wie Startup300 an die Tabakfabrik bezahlt. Große Unternehmen bezahlen etwas mehr. Wer nur ab und zu in Linz ist, kann auch einfach eine Startup300-Mitgliedschaft lösen und sich in den offenen Arbeitsbereich der benachbarten Factory300 setzen.

W48: Die Lofts mit Fitnesscenter

Das W48 in Wien-Hernals © Philipp Lipiarski / www.goodlifecrew.at
Das W48 in Wien-Hernals © Philipp Lipiarski / www.goodlifecrew.at

Das Wiener W48 hat nicht für so viel Wirbel gesorgt wie vielleicht die Strada del Startup oder der Talent Garden. Und das, obwohl es mitten aus der Startup-Community gewachsen ist. Der Unternehmer Konrad Kreid hat gemeinsam mit Fürnkranz-Erbe Philipp Schindler in der ehemaligen Fürnkranz-Zentrale in Hernals ein Gemeinschaftsbüro eingerichtet, ursprünglich nur für befreundete Unternehmer und die Beteiligungen der beiden – darunter zum Beispiel iDwell.

„Durch das anhaltende positive Feedback, vor allem durch Gäste, beschlossen wir schließlich die W48 – StartUp Lofts ins Leben zu rufen“, so Kreid. Der schick eingerichtete Coworking-Space bietet auch ein Fitnesscenter und „Shared Services“ wie Steuerberatung. Wer einziehen will, muss sich zwar bewerben. Aber bald dürfte genug Platz sein, denn mittelfristig ist ein Ausbau auf 10.000 Quadratmeter geplant.

4Gamechangers Hub: Medien und Biotech in St. Marx

Mit einem der größten Branchenfestivals hat sich die Puls4-Gruppe mit ihrem Label 4Gamechangers bereits fest in der Startup-Szene verankert. Seit Mitte 2018 können Jungunternehmen auch direkt bei dem Medienhaus einziehen. Der 4Gamechangers Hub sitzt im Dachgeschoß des Neubaus im Media Quarter Marx, am Rande des dritten Bezirks in Wien.

Die Nähe zum Vienna BioCenter lockt hier Med- und BioTechs, die aus dem bekannten Forschungszentrum herausgewachsen sind. Und auch die Nähe zu Puls4 hat ihre Vorteile: Tickets für das große Festival in der Marxhalle sind im Mietpreis inkludiert und die Inhouse-Agentur 4Creative Solutions kann zu speziellen Konditionen gebucht werden.

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