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COVID-Betroffenheit: Warum Startups die Hilfsgelder bekommen haben

© Photo by Arnaud Mesureur on Unsplash
© Photo by Arnaud Mesureur on Unsplash

50 Millionen Euro sind 2020 über den COVID-Startup-Hilfsfonds an österreichische Jungfirmen ausgeschüttet worden. Grundvoraussetzung neben anderen Kriterien wie Alter des Unternehmens und eine neue Investition war natürlich – die COVID-Betroffenheit. Waren die Infos, welche Firmen wie viel Geld bekommen haben, bisher unter Verschluss, hat nun eine EU-Transparenzdatenbank gezeigt, welche Startups mehr als 500.000 Euro an Zuschüssen bekommen haben (Trending Topics berichtete).

Blue Planet Ecosystems GmbH 775.000 22/06/2020
Dynell GmbH 502.000 25/05/2020
byrd technologies GmbH 557.463 25/05/2020
CheckYeti Holding GmbH 800.000 25/05/2020
FSPW GmbH 662.458 25/06/2020
HYDROGRID GmbH 770.623 16/06/2020
ilvi GmbH 587.935 26/06/2020
ready2order GmbH 672.689 19/06/2020
Storebox Holding GmbH 766.716 25/05/2020
XelectriX Power GmbH 800.000 25/05/2020
Playbrush GmbH 548.957 15/06/2020
zerolens GmbH 800.000 09/06/2020
AVI Systems GmbH 743.864 03/06/2020
Bsurance GmbH 750.000 25/08/2020
LEFTSHIFT ONE Software GmbH 600.000 25/08/2020
NativeWaves GmbH 541.234 22/09/2020
GoStudent GmbH 730.000 25/08/2020
Nekonata XR Technologies GmbH 666.667 25/08/2020
Newsadoo GmbH 666.667 22/09/2020
Greenwood-Power GmbH 600.000 25/08/2020
MorphoMed GmbH 566.080 22/09/2020
Coown Technologies GmbH 622.202 25/08/2020
SignD Identity GmbH 730.667 22/09/2020
markta GmbH 598.600 22/09/2020
ToolSense GmbH 800.000 25/08/2020

COVID-Startup-Hilfsfonds: 25 Jungfirmen bekamen mehr als jeweils eine halbe Million Euro

Bildung, Logistik, Online-Marktplatz, digitale News – auf den ersten Blick macht es stutzig, welche Firmen da Hilfsgelder bekommen haben. Denn eigentlich könnte man viele Startups auch als Krisengewinner bezeichnen, denen die Corona-Krise zum großen Durchbruch verholfen hat. Gegenüber Trending Topics geben Gründer nun Einblicke, wo die COVID-Betroffenheit und damit die Begründung für die Zuschüsse genau liegt.

GoStudent

Insgesamt 13,3 Millionen Euro hat das Wiener EduTech GoStudent 2020 erhalten – 730.000 Euro kamen aus dem COVID-Startup-Hilfsfonds. Die COVID-Betroffenheit ist laut GoStudent folgendermaßen gegeben:

„Während der Pandemie, den damit verbundenen Schulschließungen und dem Wegfall von Prüfungen sowie Schularbeiten, ist das Suchvolumen von Nachhilfe online drastisch gesunken. Dadurch sind die Akquisitionskosten zur Gewinnung neuer Kunden erheblich gestiegen. GoStudent musste binnen kürzester Zeit seine Marketingstrategie komplett umstellen, um weiteres Wachstum sicherstellen zu können. Die COVID-Startup Hilfsfond-Förderung hat das nötige Kapital zur Verfügung gestellt, um die drastisch erhöhten Kosten zur Neukundengewinnung finanzieren, sowie die Änderung der Marketingstrategie realisieren zu können.“

Boom in der Pandemie: GoStudent erweitert Series A um frische fünf Millionen Euro

byrd

Das Logistik-Startup byrd hat 2020 in einer Finanzierungsrunde fünf Millionen Euro geholt – 557.463 Euro kamen aus dem COVID-Startup-Hilfsfonds. Hier das ausführliche Statement des Startups zur COVID-Betroffenheit:

  • Operative Issues: Corona hat die Logistikwelt extrem unter Druck gesetzt. Wir können da gerne auch telefonieren wenn du Interesse an genaueren Infos hast, aber angefangen mit Lieferengpässen bzw. Komplettausfällen in der Supply Chain unserer Händler aufgrund von geschlossenen Fabriken, über gestiegene Komplexität und Kosten im operativen Business in unseren Lagern (Schichtenpläne, massiv erhöhte Hygienemaßnahmen, krankheitsbedingte Ausfälle) bis hin zu limitierten Kapazitäten in der Zustellung aufgrund von fehlenden Flugverbindungen haben wir einiges gesehen. Teilweise hatten wir sogar komplette Lieferblockaden, als z.B. aufgrund der britischen Mutation die Grenze zwischen UK und Frankreich komplett gesperrt wurde. Solche Vorfälle sind im letzten Jahr einige Male passiert und haben immer wieder dafür gesorgt, dass wir in kürzester Zeit alternative Lösungen finden mussten. Wie du dir vielleicht vorstellen kannst, sind aufgrund all dieser Themen unsere Kosten und unser Kundensupport-Aufwand ziemlich explodiert.
  • Kommerzielle Herausforderungen: Unsicherheit war ein großes Thema, sowohl bei Bestandskunden als auch bei potentiellen neuen Kunden. Bestandskunden hatten wie schon erwähnt mit Lieferproblemen zu kämpfen, dadurch bedingt tlw. Umsatzeinbußen und einige Kunden sind auch in Zahlungsnot geraten, was natürlich in weiterer Folge auch für uns ein Problem ist. In der Neukundengewinnung sind uns einige zentrale Kanäle ausgefallen, allem voran Events und Messen. Viele neue Projekte auf Kundenseite wurden verschoben oder generell auf’s Eis gelegt. Auch unsere eigene Expansion in die USA mussten wir stoppen, da die Corona Krise den dortigen Partner so unter Druck gesetzt hat, dass eine neue Kooperation mit uns nicht möglich war.
  • Finanzierungsrunde: Tatsächlich hatten wir mit unserem Fundraising-Prozess schon einige Monate vor dem Corona-Ausbruch begonnen und Corona hat in diesem Kontext auch zu extremer Unsicherheit auf Investorenseite geführt. Im Nachhinein sieht man jetzt zwar, dass der Appetit von VCs sich wieder erholt hat, aber im März / April 2020 war das generelle Marktfeedback, dass Investments potentiell einbrechen werden, was für ein Unternehmen wie uns, das Geld investiert um extrem schnell zu wachsen und dafür immer wieder frisches VC Geld aufstellen muss, extrem bedrohlich ist.

byrd: 5 Millionen Euro für das Wiener Logistik-Startup

markta

Der Online-Bauernmarkt von Theresa Imre holte sich 2020 im Rahmen von 2 Crowfunding-Kampagnen 600.000 Euro – und aus dem COVID-Startup-Hilfsfonds kamen 598.600 Euro. Die COVID-Betroffenheit begründet Imre so:

  • Uns wurde durch Corona eine Investmentrunde durch die RWA (Raiffeisen Ware Austria) auf Eis gelegt, weshalb wir aufgrund von Liquiditätsproblemen durch das schnelle Wachstum auf unser zweites Conda Crowdinvestment umsteigen mussten. (E-Mail Verkehr mit der RWA und der entsprechenden Absage wurde der AWS Eingereicht)
  • Weiters sind uns in den ersten 6 Wochen nach Corona beinahe alle Lieferanten unserer Mehrweg-Verpackungsmaterialien ausgefallen, wodurch wir unter anderem über Nacht eine eigene Produktion von Dämmmaterialien für gekühlte Lebensmittel starten mussten sowie erhebliche Mehrkosten bei der Beschaffung hatten.
  • Schlussendlich hat markta im letzten Jahr ein derartiges Wachstum hingelegt, dass wir nicht schnell genug waren, die Prozesse derart nachzuziehen, um einen Gewinn für markta zu erwirtschaften. Uns war wichtig den Umsatz trotzdem zu machen, damit unsere 120 Klein- & Familienbetriebe durch die Corona Einbußen unseren digitalen Vertriebsweg umsteigen konnten.

markta: Theresa Imres Online-Bauernmarkt holt Millionen-Investment

Newsadoo

Die Google-News-Alternative Newsadoo aus Linz hat sich 2020 in einer Finanzierungsrunde 2,2 Mio. Euro gesichert – 666.667 Euro stammen aus dem COVID-Startup-Hilfsfonds. Die COVID-Betroffenheit begründet Gründer David Böhm folgendermaßen:
„Für uns hat sich damals von einem Tag auf den anderen praktisch alles geändert. Wir waren extrem international unterwegs mit vielen internationalen Verlagspartnern und -gesprächen. Wir wären im März beim SXSW in Austin/Texas gewesen, der größten Medienkonferenz der Welt, wo wir viele Meetings gehabt hätten, kurz darauf wäre der Mobile World Congress in Barcelona gewesen wo wir 2 Messestände gehabt hätten und schon viele konkrete Meetings in Aussicht hatten. Wir waren in London über das WKO Programm Startup-Catapult sehr aktiv und hatten Pläne für UK. Und dann war auf einmal alles anders. Alles abgesagt. Praktisch keine Termine mehr und die Videocalls mit Verlagen haben lange Zeit gar nicht mehr funktioniert, weil sogut wie alle in einer Art „Schockstarre“ waren. Keiner unserer Ansprechpartner hatte Zeit oder Nerven oder wusste ohnehin nicht was er sagen soll.
Die ganze Branche war vor riesen Herausforderungen, weil Inseratvolumen im Printbereich komplett eingebrochen sind, die Profiteure waren die bekannten großen Onlineplattformen. Auf den Webseiten der Verlage ist der Traffic zwar um das doppelte bis 4-fache gestiegen, die Verlage haben aber erleben müssen, dass die Digitalumsätze nicht mitgestiegen sind, weil die programmatischen Preise in den Keller gegangen sind. Viele Verlage haben ihre Pläne bzw. Digitalstrategien gestoppt und dann erst im Sommer oder Herbst begonnen neue Strategien zu überlegen. Es gab über Monate praktisch keine Entscheidungen mehr bei den Verlagen, und ohne Medienförderung, COVID-Förderungen und Inserate von öffentlichen Stellen würde es bei vielen Verlagen wahrscheinlich ganz schlimm aussehen.
Wir haben uns in dieser Zeit dann auf unser Produkt fokussiert, auf Usability, Technologie und User-Experience und auch betreffend unserer Fokusmärkte neue Schwerpunkte gelegt. Ohne die Überbrückung durch den Covid19-Startup-Fonds hätten wir das nicht in dieser Form machen und bewältigen können.
Wir hatten auch Corporate- bzw. B2B-Projekte in Aussicht bzw. gerade Projekte begonnen, und praktisch überall haben sich bei Partnern die Prioritäten verschoben und alles wurde abgesagt oder hinausgeschoben. Ich glaube, dass das für viele Startups die gleichermaßen große Herausforderung war, dass Projekte bei Corporates oder B2B Kunden, die nicht absolut notwendig waren, auf unbestimmte Zeit aufgeschoben wurden. Und unbestimmt heißt, dass es sowohl für die Ansprechpartner bei den Corporates oder B2B-Kunden als auch für die Startups absolut nicht einschätzbar war. Und das würde normal heißen man muss sofort die Notbremse ziehen.

Ohne dass Investoren durch den Anreiz des Covid19-Startup-Fonds in diesen ungewissen Zeiten zu den Startups gestanden wären, hätten das wahrscheinlich die wenigsten überlebt. Ganz allgemein halte ich das Instrument für ein sehr gutes. Es ist ein guter Anreiz für Investoren und ein gutes Vehikel für Startups. Man muss wissen, dass diese Überbrückungsfinanzierung ja rückzahlbar ist, also dass es tatsächlich nur eine Überbrückung ist – ganz im Gegensatz zu vielen anderen Corona-Förderungen die nicht rückzahlbar sind. Im Prinzip gab es vorher mit Double Equity ein sehr ähnliches Instrument, nur dass es da formell kein rückzahlbarer Zuschuss war, sondern ein besichertes Darlehen. Bezüglich Double Equity hat es immer wieder Kritik von Investoren-Seite gegeben. Ich halte das neue Modell aus aktueller Sicht für ein besseres und würde es als sehr sinnvoll erachten, wenn das Programm verlängert bzw. ausgeweitet wird.“

Newsadoo: Google-News-Alternative aus Österreich erhält 2,2 Millionen Euro

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