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Corona-Krise könnte Umstieg auf Elektroautos ausbremsen

© Photo by Marc Heckner on Unsplash
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Lediglich Tesla macht mit Elon Musk an vorderster Front während der Corona-Krise ordentlich (PR-)Lärm, doch ansonsten ist es ziemlich ruhig rund um das Thema Elektroautos geworden. Kein Wunder, gab es in den letzten Wochen ohnehin kaum Grund, in ein Auto zu steigen, und die Lust auf die Investition in ein neues (teures) Elektroauto dürfte in vielen von der Krise getroffenen Haushalten ordentlich zurück gegangen sein.

“Die Adoptionskurve wird durch die Krise nach hinten verschoben“, sagt Ute Teufelsberger, seit 2019 Vorsitzende des Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ). Der BEÖ ist ein Zusammenschluss von österreichischen Energieversorgern (u.a. Wien Energie, Energie Steiermark usw.) und betreibt ein Netz aus Ladestationen mit österreichweit mehr als 5.000 Ladepunkten. Die Corona-Krise hat nun dafür gesorgt, dass der Umstieg auf E-Autos nicht mehr so schnell wie bisher erfolgt.

E-Auto-Käufe gehen zurück

„Die Adoptionskurve hängt stark von der gesamtwirtschaftlichen Lage ab, und da sieht man, das KFZ-Käufe insgesamt zurückgehen. Man sieht zwar derzeit einen relativen Anstieg bei Elektroautos, aber in absoluten Zahlen ist der Bestand aber weiterhin gering“, sagt Teufelsberger. “Außerdem wird der Anteil von Elektroautos stark davon getrieben, was die Autoindustrie auf den Markt bringt. Das heißt, dass die Lieferanten das stark mitsteuern.”

Die Corona-Krise macht sich bemerkbar. Neuzulassungen von E-Autos sind laut Statisik Austria erstmals seit langem wieder rückläufig. Bis Ende März sind dieses Jahr 2.428 vollelektrische E-Autos hinzugekommen, das sind um 4,5 Prozent weniger als bis Ende März 2019. Insgesamt sind mit Stand März 2020 in Österreich mittlerweile 31.667 E-Autos zugelassen, das sind 0,6 Prozent des gesamten Pkw-Bestands in Österreich.

Fraglich ist nun, ob sich dieser Trend, der sich im März und damit zu Beginn der Lockdown-Phase, nun fortsetzen wird. Klar ist, dass durch die enormen Arbeitslosenzahlen die Kaufkraft sinken wird – und Elektroautos bis auf wenige Ausnahmen nach wie vor eher der Premium-Kategorie angehören. Die Autoindustrie in Deutschland, eine Schlüsselbranche, hofft mittlerweile gar auf eine staatliche Kaufprämie, damit der Absatz nicht wegbricht. Immerhin ist auch teilweise die Rede davon, dass staatliche Fördergelder als Kaufanreiz auch für Autos mit alternativen Antrieben kommen sollen – im Juni wird man mehr wissen.

Der aktuelle Vorschlag in Deutshcland seitens Autoindustrie und einigen Bundesländern: eine Höchstprämie für den Kauf von Plug-in-Hybriden, Elektro- und Wasserstoffautos von 4.000 Euro, aber auch eine Prämie von bis zu 3.000 Euro für Verbrenner.

Einkaufspreise müssen attraktiver werden

“Der Einkaufspreis für Elektroautos muss attraktiver werden, beim Betrieb ist ein E-Auto ja bereits verhältnismäßig günstig”, sagt jedenfalls Teufelsberger. Das die aktuell vergleichsweise niedrigen Preise für Benzin und Diesel wiederum Verbrenner attraktiver machen würden, glaubt sie hingegen nicht. “Dass der Benzinpreis sinkt, ist ein vorübergehendes Phänomen. Wir haben Ziele, die wir erreichen müssen und die von der EU vorgegeben sind.”

Umgekehrt könnte es einen anderen Effekt geben, der für mehr E-Autos spreche – vor allem auch, dann wenn es weiter staatliche Anreize für Elektroautos gibt. “Das Umweltbewusstsein kann steigen, und das könnte dazu führen, dass sich künftig mehr Konsumenten für ein Elektroauto entscheiden”, sagt Teufelsberger. Deswegen gelte es, das Netz an schnellen Ladestationen weiter auszubauen. “Wir nutzen die Krise, um die Infrastruktur weiter auszubauen.”

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