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Corona Detector: Neues Online-Tool soll Hotline 1450 entlasten

Konstantin Klingler. © K. Klingler
Konstantin Klingler. © K. Klingler

„Es besteht erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Infektion.“ Das ist die schärfste Antwort, die die Webseite Coronadetector.com dem Nutzer liefern kann. Der Web-Dienst, den ein österreichischer Student entwickelt hat, ist im Prinzip ein simpler Fragebogen, der Nutzer in drei Gruppen einteilt, ihnen eine Einschätzung über die Ansteckungsmöglichkeit mit dem COVID-19 geben will – und am Ende dann auf die unersetzbare Diagnose eines Arztes verweist.

Mittlerweile sind es mehr als 20.000 Nutzer, die den Online-Fragebogen, der etwas hochtrabend Corona Detector getauft wurde, ausgefüllt haben. „Der Corona Detector soll rein eine Orientierungshilfe bieten und kann die Diagnose eines Arztes nicht ersetzen“, steht unter dem Ergebnis dabei. Die gute Absicht hinter dem Web-Dienst: “Das ist ein Studentenprojekt. Ich habe halt mitbekommen, dass die Hotline ein Problem ist und ich dachte, dass man das besser machen kann”, sagt der Wiener Student Konstantin Klingler. Die Webseite soll die stark beanspruchte Gesundheits-Hotline 1450 entlasten.

„Die Idee ist, die Hotline zu entlasten“

“Wir können dir natürlich nicht sagen, ob du Corona hast oder nicht. Es geht darum, dass die Leute sich interaktiv informieren können”, so Klingler weiter, der die Webseite machte, nachdem eine indirekt betroffene Freundin bei besagter Hotline anrief und dann drei Stunden in der Warteschleife hing. Und: Bei der Hotline könnten eben auch nur Fragen wie jene von Corona Detector beantwortet werden. “Die Idee ist, die Behörden zu unterstützen und die Hotline zu entlasten”, sagt Klingler. “Ich würde am liebsten mit den Behörden zusammenarbeiten, aber die sich derzeit eingedeckt.”

Dass seine Webseite eine Zeit lang die Eingabe einer E-Mail-Adresse verlangte, brachte ihm den Vorwurf ein, nur Daten sammeln zu wollen. Eine Mail-Adresse muss man mittlerweile keine mehr zwingend angeben. Außerdem: Kommerzialisierung hat Klingler sowieso nicht vor. “Ich will das nicht kapitalisieren“, sagt der Student.

Doch ein Verschwinden des Coronavirus ist derzeit nicht absehbar – vielmehr steigt die Informationsflut rund um die Ausbreitung stündlich. Hier sieht sich Klingler gefordert. “Wir wollen einen wöchentlichen Newsletter machen. Momentan gibt es stündlich neue Nachrichten, und wir wollen einen Service bieten, bei dem man wöchentlich verifizierte Infos bekommt“ sagt er. Anstatt Falschmeldungen zu verbreiten, wolle er auf von der WHO an anderen Quellen verifizierte Informationen setzen. Auch an Nutzer außerhalb Österreichs denkt Klingler bereits. “Eine Überlegung ist, dass man das Tool übersetzt.”

Keimzelle Lobu

Klingler ist Trending Topics-Lesern bereits bekannt. Er hat bisher schon mit zwei Startup-Ideen für Aufsehen gesorgt. So hat er vor etwas mehr als zwei Jahren mit Lobu einen SMS-Bestellservice für Bücher an den Start gebracht. Gemeinsam mit seinem Mitstreiter Moritz Stephan wollte man ein lokales Anti-Amazon schaffen und dem lokalen Buchhandel einen neuen Vertriebskanal bieten.

Aus Lobu (mittlerweile offline) wurde am Ende nichts. Moritz Stephan hat sich mittlerweile mit dem Wiener Julian Rothenbuchner zusammen getan, um an Tumbleweed zu arbeiten. Ihnen geht es darum, ein rollendes Sensor-System für die Erforschung des Mars zu entwickeln, das einmal per Wind über den Planeten getrieben werden soll (Trending Topics berichtete).

Klingler hat sich nach dem gescheiterten Lobu-Projekt dann seinem „Matura Meister“ gewidmet. Der Chatbot lieferte Mathematik-Matura-Aufgaben kostenlos aufs Smartphone von Schülern – bis er dann von Facebook eingestellt wurde. Auch der Corona Detector ist hoffentlich ein Projekt mit Ablaufdatum. Klingler: “Der beste Case ist, wenn der Coronavirus weg ist und man das Tool nicht mehr braucht.”

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