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Wetten auf Aktienstürze: Immer mehr Börsen verbieten Short Selling

Der Coronavirus sorgt für Panik an den Börsen. © Markus Spiske on Unsplash
Der Coronavirus sorgt für Panik an den Börsen. © Markus Spiske on Unsplash

Es geht im Trommelfeuer der Nachrichten um Infektionsraten, Ausgangssperren und Verhaltensregeln unter – die globale Wirtschaft wird einen Schock erfahren, der dem von 2008 in Nichts nachstehen wird.

Die Ängste vor den Folgen des Coronavirus haben die Kurse in den vergangenen Wochen so stark einbrechen lassen wie nie zuvor. Mehr als 30 Prozent sind es beim US-Aktienindex S&P 500, mehr als 38 im deutschen Leitindex DAX. Der ATX gab um 45 Prozent nach. Selbst digitale Überflieger-Aktien wie von Tesla (- 52 Prozent), Alphabet (- 32 Prozent) und Facebook (- 36 Prozent) bekamen die umfassende Verunsicherung zu spüren.

Die Mutter aller Fallschirme

Eilig geschnürte Rettungspakete aller Level und Institutionen – von der Federal Reserve, die die Leitzinsen auf Null senkt, über die Notkredite der EZB bis hin zu den nationalen Hilfspakete für bedrohte Branchen aller Art – zusammengefasst ein “cash on hands” for everybody. Alle Maßnahmen erinnern stark an die Krise 2008. Damals waren die Notenbanken noch die großen Helden, die durch beherztes Eingreifen das Abrutschen in eine Depression wie in den 1930er Jahren verhinderten. Das sind keine Mechanismen mehr, die aus einem Marktgefüge entstehen, dass sind radikale Eingriffe eines Staates in die Volkswirtschaften. Die künstliche Stabilität der Fiskalpolitik der letzten zehn Jahre zeigt jetzt ihre Sollbruchstellen. Die Notenbanken knallen ihre letzten Chips auf den Pokertisch – wir gehen global “all in”.

Zehn schwarze Tage seit 1928 – zwei im März 2020

Diesmal können die Maßnahmen die Auswirkungen höchstens abfedern. Denn keine noch so radikale Zinssenkung können Konsumenten in Quarantäne dazu bewegen in geschlossenen Läden einzukaufen. Keine umfassenden Wertpapierkäufe des Staates werden Unternehmern, denen zusammengebrochene Lieferketten zu schaffen machen, dazu bewegen, mehr zu investieren. Und alle Liquiditäts-Zuschüsse drehen die Panik der Anleger nicht in neue Zuversicht. Schlimmer noch: Sie könnten die Angst zusätzlich befeuern.

Seit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1928 vergingen an den Börsen rund 20.000 Handelstage. Von den zehn schwärzesten Tagen in den letzten knapp 100 Jahren fallen zwei in den März 2020.

Diskussionen über Handelsaussetzung

Und so zeigt der Patient Finanzmarkt erste Symptome: In den USA kam in den vergangenen Handelstagen drei Mal die Limit-Down-Regel zum Einsatz. Wenn der S&P-Index über sieben Prozent verliert, wird der Handel für 15 Minuten ausgesetzt. In Spanien, Belgien und Italien greifen erste Maßnahmen: Das “Short selling” wurde verboten – also die Wette darauf, dass Aktien in Kürze an Wert verlieren. Auch Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse, plädiert dafür, die Märkte offenzuhalten und “in dieser Situation ein weitergehendes Short Selling Verbot auszusprechen.“

Die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA hat bereits ein erweitertes Leerverkaufs-Verbot auf österreichische Aktien erlassen, nachdem es bisher noch keine europaweite Einigung zu dem Thema gibt.

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Diese Leerverkäufe könnten europäische Unternehmen im Zuge der Corona-Krise noch weiter Richtung Süden treiben. Das Analystenhaus Capital Economics schlug vor, die Börsen für einige Zeit komplett auszusetzen. Die Philippinen haben als erstes Land weltweit wirklich den Marktplatz geschlossen.

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