Coop-Story

Wiener Start-up Collective Energy: „Energie soll dort produziert werden, wo sie auch verbraucht wird“

Julian Judy und Christof Zinganell. © Collective Energy
Julian Judy und Christof Zinganell. © Collective Energy

Seit Julian Wudy denken kann, interessiert er sich für Umweltfragen und hat daher an der Universität für Bodenkultur Umwelt- und Bioressourcenmanagement studiert, die Begeisterung für gesellschaftliche Prozesse hat ihn außerdem dazu bewogen Politikwissenschaften an der Universität Wien zu inskribieren. Mehrjährige Berufserfahrung beim Klima- und Energiefonds, beim EU-Umweltbüro des Umweltdachverbandes sowie als Universitätsassistent an der Universität für Bodenkultur haben ihn auf die Gründung von Collective Energy vorbereitet. Julian möchte mit Collective Energy mehr Menschen und Unternehmen die Möglichkeit geben, die Energiezukunft aktiv mitzugestalten.

Bereits im Kindesalter war Christoph Zinganell von Sonnennergie fasziniert und wuchs in seinem familiären Umfeld mit effizientem Denken und Handeln im Mostviertel auf. Nach dem Bachelor-Studium der Elektrotechnik (TU Wien) besuchte er die Universität für Bodenkultur, wo er den Master Energiemanagement und Umweltpolitik mit Auszeichnung abschloss. Dort wurde auch die Idee von Collective Energy geboren. Nach einer 7-monatigen Reise durch Zentral- und Südamerika im Jahr 2014 traf er gemeinsam mit Julian Wudy die Entscheidung, Collective Energy von einer studentischen Initiative in ein professionelles Unternehmen überzuführen. Christoph sieht in Collective Energy eine Chance gemeinsam die Energiewende voran zu treiben.

Julian und Christoph sind seit der Gründung im November 2015 geschäftsführende Gesellschafter der Collective Energy GmbH.

Collective Energy ist ein junges Unternehmen, das Energie gemeinschaftlich denkt. Durch eine Neuinterpretation des Crowdfundingkonzeptes im Zusammenhang mit Gutscheinen als Rückzahlungsinstrument werden Unternehmen und Vereine in die Lage versetzt, gemeinsam mit den eigenen Kunden kostengünstiger auf Solarenergie umzusteigen und zusätzlich von Kundenbindungseffekten zu profitieren. Jeder Einzelne kann so über kleine Beträge Unternehmen unterstützen, auf Solarenergie umzusteigen und von Preisvorteilen für Produkte und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs profitieren.

Was treibt euch an?

Der aktuelle Stillstand und der Wille, etwas zu verändern. Das für unsere Zukunft immens wichtige Thema Energie aus dem Schattendasein zu holen und die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren.

Wann habt ihr die Photovoltaik für euch entdeckt?

Weil sie sich mit einem unserer Grundgedanken gut verbinden lässt: Energie soll dort produziert werden, wo sie auch verbraucht wird. Und Sonnenenergie ist nicht nur reichlich vorhanden sie lässt sich mit modernen Speichersystemen auch überall und zu jeder Zeit nutzen.

Wie habt Ihr diese „demokratische“ Finanzierung für Photovoltaik Anlagen entwickelt? Was ist daran so besonders?

Uns ging es darum einen Weg zu finden mehr Menschen für den Umweltschutz und erneuerbare Energien zu begeistern und in weiterer Folge in den Prozess der Energiewende zu integrieren. Das Besondere ist, dass wir eine Möglichkeit geschaffen haben, welche allen Menschen wie Dir & Mir die Möglichkeit gibt den Ausbau erneuerbarer Energien zu finanzieren indem sie Produkte und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs kaufen. Durch eine Vielzahl an kleinen Geldbeträgen, werden größere Projekte realisierbar und Menschen unterstützen damit Betriebe direkt auf Solarenergie umzusteigen. Sie kaufen z.B. Wein und der Winzer verpflichtet sich mit den erzielten Erlösen eine Solaranlage zu bauen. So entsteht eine Win-Win-Win-Situation von der neben dem Unternehmer und dem Kunden auch die Umwelt profitiert. Der Unternehmer profitiert von einem kostengünstigeren Umstieg auf Solarenergie und langfristigen Kundenbindungseffekten, die Unterstützer von attraktiven Einkaufsvorteilen und die Umwelt von reduzierten CO2-Emissionen.

Hat es einen bestimmten Auslöser für dieses Projekt gegeben?

Es gab mehrere Momente die uns bestärkt haben Collective Energy zu gründen. Der wichtigste war wohl, dass wir rasch unser erstes Pilotprojekt umgesetzt haben und dadurch den Glauben an die eigene Idee gefestigt haben und auf viel positive Resonanz von außen gestoßen sind.

Wie habt Ihr euch gefunden?

Durch eine gemeinsame Lehrveranstaltung an der Universität für Bodenkultur. Es ging darum an einem fiktiven Businessplan zu erarbeiten, wir haben uns rasch entschieden das wir hier nicht nur in der Theorie agieren wollen, sondern zum Handeln übergehen wollen.

Was gefällt Euch am Unternehmertum?

Genau der oben angesprochene Punkt. Wir bekommen durch Collective Energy die Möglichkeit unsere eigenen Ideen umzusetzen und müssen nicht tatenlos zusehen wie andere in die falsche Richtung steuern. Wir wollen unsern Beitrag leisten indem wir aktiv agieren. Collective Energy gibt uns die Möglichkeit die Zukunft aktiv mitzugestalten. Das begeistert uns!

Wen es einmal Knatsch gibt, wie geht Ihr damit um?

Wir versuchen daraus zu lernen. Wir sind zum Glück zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten und haben unterschiedliche Stärken und Schwächen, welche wir dazu nutzen unsere gemeinsame Idee weiterzubringen. Das wichtigste in diesem Zusammenhang ist jedoch nicht nachtragend zu sein, die Dinge offen anzusprechen sowie die Meinung des anderen zu respektieren und so auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Wo seht ihr euch mit „Collective Energy“ in einem Jahr?

Collective Energy ist gewachsen, hat mehre Projekte umgesetzt und die ersten Mitarbeiter eingestellt.

Und warum ist es dann genau dieses Projekt geworden?

Weil es keine Alternative dazu gibt. In den etablierten Strukturen fehlt sehr oft der Sinn für Neues bzw. ist das System in Sich zu träge und innovationsfaul. Wir wollen nicht auf Morgen warten, sondern heute Handeln.

Was würde der Welt abgehen, wenn es euch nicht geben würde?

Die Energie zweier junger, engagierter Unternehmer die versuchen mit neuen Ideen und Herangehensweisen die Welt etwas besser zu machen.

Worauf verzichtet Ihr, um Eure Leidenschaft ausleben zu können?

Auf Freizeit, Geld und ausgiebiges Reisen (- was uns wohl am meisten von den drei Dingen schmerzt).

Was ist eigentlich das Schönste bei Eurer Arbeit?

Auf persönlicher Ebene: die Möglichkeit eigene Ideen zu verfolgen und alles dafür tun zu können diese zur Umsetzung zu bringen. Und natürlich Erfolge zu erleben und zu wissen, dass man selbst dafür verantwortlich ist. Auf gesellschaftlicher Ebene: rund um Collective Energy hat sich ein positives Netzwerk gebildet, dass uns nicht nur darin bestärkt unsere eigenen Ideen voranzubringen, sondern uns auch immer wieder vor Augen führt, dass unser Agieren auch auf gesellschaftlicher Ebene von Relevanz ist.

Wer sind Eure wichtigsten und stärksten Unterstützer?

Es ist schwierig hier einzelne Personen hervorzuheben. Collective Energy ist von so vielen Personen umgeben die die Idee mittragen und weiter voranbringen. Sehr viele Menschen haben mit kleinen und großen Taten dazu beigetragen, dass Collective Energy jetzt dort steht wo es steht und dieser Umstand erfüllt uns einfach mit Dankbarkeit und spornt uns gleichzeitig noch mehr an Collective Energy und unsere Ideen voranzubringen. Den nur gemeinsam kann man Großes bewegen.

Wer baut Euch auf, wenn es einmal nicht so klappt?

Wir sind beide Familienmenschen und sind hier nicht nur von Menschen umgeben mit denen wir die schönen Momente teilen, sondern finden hier auch Unterschlupf und Halt, wenn es nicht passt. Die wichtigsten Bezugspersonen sind aber ohne Zweifel unsere besseren Hälften. Sie erleben alle Up and Downs hautnah mit und sind wichtige Ansprechpartner für alle Lebenslagen, sozusagen unsere Unternehmens-, Lebens- und Strategieberater im Hintergrund. Aber das wichtigste sie “zwingen” uns dazu das Leben außerhalb Collective Energys zu genießen und geben uns so die Kraft für unser unternehmerisches Handeln.

Wohin wird euch diese Arbeit noch bringen? Gibt es noch geheime Projekte?

Wir sprudeln an Ideen wie wir die Welt gemeinsam verbessern und haben definitiv noch ein paar Überraschungen im Petto. Aber in erster Linie hoffen wir, dass uns die Arbeit mit Collective Energy nicht auf eine einsame Insel bringt, denn wir wollen mit Collective Energy das Zündfeuer für einen kollektiven Kraftakt zur Energiewende legen.

Was sagen eigentlich eure Freunde, euer Umfeld, eure Familien zu diesem Engagement?

Die Bandbreite ist vielfältig. Von “ich bin sooo unglaublich stolz auf dich und ihr müsst dass unbedingt weitermachen” bis zu “suche dir doch lieber einen sicheren Job und denk an deine Zukunft” ist alles dabei.

Habt ihr Tipps für unsere LeserInnen?

Gründet kein Unternehmen;-) Aber Spaß beiseite: Der wohl wichtigste Tipp ist an seine eigenen Ideen und Fähigkeiten zu glauben. Man ertappt sich viel zu oft dabei die Schuld bei anderen zu suchen, es ist befreiend die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und zu agieren.

Habt ihr einen Wunsch?

Wenn man aktuell einen Blick auf die Welt wirft tauchen viele Wünsche auf. Unser größtes Anliegen ist es die zwischenmenschliche Interaktion wieder zu verstärken, denn so werden oft Probleme bereits im Keim erstickt und tolle Lösungen entwickelt. Sei es beim Klimaschutz oder in sozialen Fragen, nur gemeinsam können hier entsprechende Lösungen gefunden und die Herausforderungen unserer Zeit bewältigt werden.

Way to Passion“ ist ein Projekt von Reinhard Herok und Thomas Peham. Ihr Ziel ist es, mit Interviews aufzuzeigen, wie leidenschaftliche Menschen einen Beitrag für eine bessere Welt leisten können. „Way to Passion“ stellt TrendingTopics.at ausgewählte Inhalte zur Zweitveröffentlichung zur Verfügung, vielen Dank dafür!

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