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Hausdurchsuchung bei Cointed: Verdacht auf schweren Betrug gegen die Krypto-Firma

Hausdurchsuchung bei Cointed: Computer werden beschlagnahmt. © Barbara Duras
Hausdurchsuchung bei Cointed: Computer werden beschlagnahmt. © Barbara Duras

Dienstag Mittag stellten rund sechs Kommissare des Landeskriminalamts in den Büroräumlichkeiten von Cointed diverse Hardware und Kartons mit Akten und Unterlagen sicher. Nach Angaben der Medienstelle der zentralen Staatsanwaltschaft und Oberstaatsanwältin Silvia Thaller wird wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen schweren Betrugs, Kettenbrief- und Pyramidenspiels sowie des Verstoßes gegen die Prospektpflicht ermittelt.

„Es besteht der Tatverdacht, dass Kundengelder im Wert von mehreren zehntausend Euro zum Ankauf von Kryptowährungen veruntreut wurden. Konkret wird gegen sieben Beschuldigte und weitere, unbekannte Täter ermittelt”, so Thaller. Vor Ort waren neben den Einsatzkräften lediglich zwei Mitarbeiter von Cointed anzutreffen, die zu keinem Statement bereit waren, sowie zwei Anwältinnen von Baker McKenzie, die Cointed rechtlich vertreten. Von den großen Ambitionen der ehemals vier Gesellschafter, die während der Hausdurchsuchung nicht anzutreffen waren, ist im Moment nicht mehr viel übrig.

Hausdurchsuchung bei Cointed: Computer werden beschlagnahmt. © Barbara Duras
Hausdurchsuchung bei Cointed: Computer werden beschlagnahmt. © Barbara Duras

Die Cointed GmbH wurde 2016 von Wolfgang Thaler und einem weiteren Tiroler gegründet. Die beiden sind Early Adopter von Bitcoin und anderen Digitalwährungen und setzten sich gemeinsam das Ziel, den Zugang zu Kryptowährungen für jedermann so einfach wie möglich zu gestalten. Zu diesem Zweck wurde schon 2014 als Vorläufer des heutigen Unternehmens die Cointed OG gegründet. Diese nahm Anfang 2014 den unternehmenseigenen Online-Exchange in Betrieb und stellte im ersten Quartal 2014 den ersten Bitcoin-ATM in Österreich auf.

Kunden können nicht mehr auf Einlagen zugreifen

Bereits 2015 zählte das Unternehmen in seinem Segment zu den führenden Anbietern in Österreich. Bis zuletzt stützt der rasant gewachsene Multiservice-Provider seine Aktivitäten im Bereich der Blockchain-Technologie auf vier Geschäftszweige – ATMs, eine weltweit verfügbare Exchange-Plattform, eine eigene Bezahlschnittstelle namens PayCo und das Mining.

Seit Anfang Juli ist jedoch der Exchange, also eine Plattform, über die Kryptowährungen online an- und verkauft werden konnten, offline und Kunden können nicht auf ihre Konten bzw. Einlagen zugreifen. Ein Hackerangriff, bei dem ein hoher, sechsstelliger Betrag gestohlen worden sein soll, ist laut eigenen Angaben der Cointed Geschäftsführung der Grund dafür. „Die Exchange wurde von Netz genommen, um Sicherheitslücken zu schließen und größere Schäden abzuwenden. Seither werden alle Transaktionen manuell überprüft. Das gestohlene Kapital wird nun mit rechtlichen Mitteln zurückgefordert”, erklärte Wolfgang Thaler am 16. Juli in einer Videobotschaft, die im Telegram Channel “Cointed Official” abrufbar ist. Nach Angaben von Kunden sollen auch im Mining-Bereich seit Mai keine Auszahlungen mehr erfolgt sein.

Hausdurchsuchung bei Cointed: Unterlagen werden beschlagnahmt. © Barbara Duras
Hausdurchsuchung bei Cointed: Unterlagen werden beschlagnahmt. © Barbara Duras

Schon Mitte April diesen Jahres führten Ermittlungen rund um den mutmaßlichen Bitcoin-Betrugsfall Optioment zu dem Tiroler Standort in Kufstein, wo am 12. April eine Hausdurchsuchung durch Optioment-Ermittler stattgefunden hat.

Geschäftsführer derzeit in China

Der Geschäftsführer der österreichischen Cointed GmbH, Wolfgang Thaler, soll sich auf einer Geschäftsreise in China befinden. Er trifft sich dort mit Investoren, um eine drohende Insolvenz abzuwenden, die unbedingt vermieden werden soll. Angeblich wurde jedoch bereits von einem Gläubiger ein Antrag auf Insolvenz gestellt. Ob die Insolvenzfähigkeit gegeben ist, muss nun der Masseverwalter feststellen. In seinem vor Kurzem veröffentlichten Videobeitrag spricht Thaler jedenfalls von Ambitionen, allen Kunden ihre Einlagen zurückzuerstatten. Dafür sollen Betriebsanlagen wie ATMs und die Exchange-Plattform verkauft werden. Ein möglicher Lichtblick für die Anleger.

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