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Cloudflare: Ein kontroverser digitaler Schutzwall will an die Börse

© Photo by panumas nikhomkhai from Pexels
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Die Notiz „checking your browser before accessing“ und drei kleine schwarze Punkte, die eine Wartezeit symbolisieren. Das ist eigentlich das Auffälligste, was man vom Security-Startup Cloudflare im Web mitbekommt. Doch eben diese Firma aus San Francisco, die Webseiten vor DDoS-Attacken beschützt und für eine schnelle Auslieferung von Content sorgt, will sich jetzt an der Börse von Investoren mit Milliarden bewerten lassen.

Dazu hat Cloudflare das wichtige S-1-Filing bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht – und das ist wie immer auch ein tiefer Blick in die Karten eines Unternehmens. Mit dem Schutz von Webseiten und der Auslieferung von Content über ein so genanntes Content Delivery Network (CDN) kann man ordentlich Geld verdienen. 2016 machte Cloudflare 84,8 Mio. Dollar Umsatz, 2017 134,9 Mio. und 2018 bereits 192,7 Mio., und in der ersten Jahreshälfte ist der Umsatz bereits auf 129,2 Millionen Dollar gewachsen.

Eine verlustreiche Geschichte

Doch mit dem Wachstum beim Umsatz geht auch ein stetiger Wachstum der Verluste einher. Cloudflare hat noch nie ein profitables Quartal geliefert, um im ersten Halbjahr 2019 hat sich ein Minus von 36,8 Millionen Dollar ergeben. Der Betrieb von Servern in 193 Städten in 90 Ländern dürfte nicht günstig sein. Mit den 332 Millionen Dollar, die die Firma von prominenten Investoren (u.a. Microsoft, Baidu, Google, Fidelity, Union Square Ventures) bekommen hat, werden die Verluste ausgeglichen.

Dass Börsenneulinge aus dem Tech- bzw. Startup-Sektor mit Verlusten aufs Parkett gehen, ist man mittlerweile gewohnt. Auch Uber, Lyft oder WeWork schreiben satte Minus. Da ist es nicht mehr überraschend, wenn man Sätze wie folgende im S-1-Filing liest: „Wir haben eine Historie von Nettoverlusten und sind möglicherweise nicht in der Lage, in der Zukunft Profitabilität zu erzielen oder aufrechtzuerhalten.“

Insgesamt sind es derzeit rund 20 Millionen Webseiten, die Cloudflare verwenden – unter anderem zählen auch Marketo, Zendesk, Udacity oder Reuters zu den Kunden. Auch viele Regierungen sollen zur Kundschaft gehören. In China arbeitet Cloudflare mit Baidu zusammen, um dort seine Dienste anbieten zu können.

Schutz für 8chan, Neonazis und Piraten

Dabei ist Cloudflare, das von Lee Holloway, Matthew Prince und Michelle Zatlyn 2009 gegründet wurde, ein höchst umstrittener Dienst. Denn der Dienst bot bis vor kurzem etwa dem Hass-Forum 8chan Schutz oder ließ es zu, dass bis 2017 die Neonazi-Seite „The Daily Stormer“ seine Services beanspruchte. Vor solchen kontroversen Kunden werden auch die künftigen Investoren im Börsenprospekt gewarnt. „Wir pflegen möglicherweise Beziehungen zu Kunden, die andere als feindlich, anstößig oder unangemessen empfinden“, heißt es seitens Cloudflare.

Damit nicht genug, steht Cloudflare auch in der Kritik, Urheberrechtsverletzern und Hackern Schutz zu bieten. „Cloudflare wird von etwa 40 Prozent der Piraten-Websites weltweit genutzt“, heißt es in einem Dokument der EU-Kommission von Ende 2018. Der US-Dienst würde diesen nicht nur ermöglichen, illegal Content (v.a. Filme, Serien) auszuliefern, sondern den Betreibern gleichzeitig auch noch Schutz bieten, indem deren echte Identität verschleiert wird. Denn mit Cloudflare kann man IP-Adressen ersetzen.

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