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Investieren mit Cleanvest: „Auch ’nur‘ fünf Prozent Waffen sind nicht ok“

Unterstütze ich einen Rüstungskonzern? Fördere ich Kinderarbeit? Investiere ich in das neue Kohlekraftwerk? Wir alle sind Investoren – sobald wir uns für ein Produkt von institutionellen Anlegern wie Banken oder Versicherungen entscheiden. Und die Chance ist groß, dass unser Geld etwas macht, was mit unseren Wertvorstellungen nicht zusammenpasst. Neun von zehn der größten Fonds aus Österreich investieren zum Beispiel in fossile Energieträger, 61 Prozent in Atomenergie, rechnet Armand Colard vor.

Wie nachhaltig sind die 100 größten österreichischen Fonds?

Er hat zehn Jahre lang beim WWF gearbeitet und dort den hauseigenen Fonds aufgebaut. 2010 entwickelte er für den WWF mit 40 anderen NGOs wie Südwind oder Global 2000 und dem Umweltbundesamt Kriterien der Nachhaltigkeit zur Einstufung von Fonds. „Man kann sich auf diesen Nachhaltigkeits-Begriff nicht verlassen“, sagt er. Manche Fondsgesellschaften setzen ihn strikt um, viele recht oberflächlich.“

Die Allianz Versicherung testete das Bewertungsmodell in der Praxis. Nach der Entwicklungsphase lagerte Colard in Abstimmung mit dem WWF und der Allianz das Modell an eine eigene Gesellschaft aus. Und so wurde aus dem Projekt Cleanvest ein Spin-off in seinem eigenen Unternehmen namens ESG Plus.

ESG steht für „environmental, social and governance“. Es heißt soviel wie „Nachhaltigkeit“ in der Bankensprache. Nachdem keine genauen Kriterien dahinterstecken, ist schnell einmal was „nachhaltig“ oder eben ESG-screened. „Wir gehen das Ganze strenger an. Auch „nur“ fünf Prozent Waffen sind nicht ok, bei den Fossilen darf man nicht nur den Kohleabbau, sondern auch die Kohleverstromung mitdenken“, sagt der Gründet. Er ist sich sicher: „Man kann im Finanzsektor nur mit strengen Maßstäben etwas ändern.“

Global 2000, Südwind, Umweltbundesamt

Die NGOs unterstützen sein Unternehmen weiterhin, denn es gibt einen NGO-Beirat und einem wissenschaftlichen Beirat. Im ESG Plus Kernteam selbst sind sechs Leute, aber insgesamt arbeiten gut 15 Leute zum Beispiel Programmierer oder Business-Optimierer an Cleanvest. Bis jetzt sind 300.000 Euro in Cleanvest geflossen – gefördert von der Wirtschaftsagentur Wien, Climate-KIC und Greenstart.  Jüngst hat es das Unternehmen nämlich unter die Top 3 dieses Startup-Wettbewerbs geschafft. Die Vorversion „wasmachtmeinfond.at“ hat die AWS ermöglicht.

Während momentan Banken- und Versicherungssektor mit Nachhaltigkeitsdaten und -analysen versorgt werden, können in den nächsten Wochen auf der neuen Plattform alle gratis zugreifen. „Mit der Plattform möchten wir Kleinanlegerinnen einfach verständliche Bewertungen kostenlos zugänglich machen”, erklärt Colard. Später sollen auch Fonds ausländischer Anbietergesellschaften folgen.

Nur 38 Prozent der Fonds sind waffenfrei

Jeder kann hier nach Positivkriterien wie klimaschonenden oder sozial nachhaltigen Investments suchen – manche Fonds unterstützen Healthcare und Greentech beispielsweise. Negativ bewertet werden Fonds, die in Atomkraft, fossile Energie, Ausbeutung oder die Waffenproduktion investieren, bei denen Kinderarbeit oder soziale Ausbeutung im Spiel sind oder bedrohte Tierarten gefährdet werden. Klickt man zum Beispiel auf „waffenfrei“, dann bleiben von 2377 Fonds 1429, also 38 Prozent übrig. Fast 948 Fonds haben mindestens ein Rüstungsunternehmen in ihrem Portfolio.

Langfristiges Ziel für Cleanvest: Bewusstsein für die Wirkung des Geldes schaffen, Transparenz für jeden einzelnen und den Finanzsektor in eine nachhaltigere Richtung bewegen.

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