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So checkt man, ob man ein Unternehmertyp ist

Christian Wodon, Leiter des Gründerservice der Wirtschaftskammer Wien ©WKÖ

Die einen bevorzugen die Anstellung und für ein Unternehmen zu arbeiten, die anderen wollen Chef einer eigenen Firma sein, selbst gestalten, eigene Produkte entwickeln und eigene Entscheidungen fällen. Manchmal wollen aber auch Personen ein Unternehmen gründen, die mitunter nicht das so oft zitierte „Unternehmer-Gen“ in sich tragen. Wie man feststellen kann, ob man ein Unternehmertyp ist, weiß Christian Wodon, Leiter des Gründerservice der Wirtschaftskammer Wien im Trending Topics Gespräch.

Trending Topics: Gründen ist in aller Munde und wird politisch propagiert. Wie schaut der richtige Weg ins Unternehmertum aus?

Christian Wodon: Da gibt es nicht nur einen, sondern viele Wege. Generell kann man sagen, dass eine gute Vorbereitung wesentlich für den erfolgreichen Start ins Unternehmerleben ist. Eine kleine Hilfestellung auf dem Weg zur Unternehmensgründung ist unsere Checkliste für GründerInnen, die beginnend mit der Geschäftsidee bis hin zum Finanzierungsbedarf die Themengebiete anspricht, mit welchen man sich vor der Unternehmensgründung auseinandersetzen sollte und die optimalerweise in einem Businessplan niedergeschrieben werden.

Gibt es auch so etwas wie eine Typologie?

Ja, darüberhinaus  gibt es jedenfalls auch Eigenschaften, die man als Unternehmer mitbringen sollte, um erfolgreich zu sein. Eine wichtige Eigenschaft ist, motiviert zu sein, etwas selbst tun zu wollen. Man muss aktiv sein, in Bewegung sein, alles hinterfragen, was man tut, sich einen Überblick verschaffen und ganz genau mit der Materie befassen, in der man künftig tätig ist. Als Unternehmer darf man nie stehen bleiben, man muss ständig kontrollieren, ob Prognosen und Pläne übereinstimmen oder ob es Abweichungen gibt. Man muss sich bewusst sein – ein Unternehmer zu sein, ist etwas anderes als statisch in einer Organisation oder in einer Firma drinnen zu stecken.*

Eine Idee zu haben ist eines, diese umzusetzen etwas anderes. Wie kann man feststellen, ob man überhaupt fürs Unternehmertum geeignet ist?

Man kann das lernen, darum werden ja auch auf Universitäten und mittlerweile an berufsbildenden Höheren Schulen  und auch schon an so mancher Mittelschule Entrepreneur-Schwerpunkte gesetzt. Unternehmer zu sein, hat auch viel mit dem persönlichen Werdegang und mit Erfahrung zu tun. Die Zahl der 14- bis 15jährigen, die sich selbständig machen wollen, ist überschaubar, denn ein gewisses Auftreten, mit dem man überzeugend ist, hat man erst ab einem gewissen Alter und mit zunehmender Lebens- und Geschäftserfahrung. Tatsache ist aber, dass sich Menschen aus Unternehmerfamilien leichter tun.

Wenn man neu ist, dann wird man das alleine aber nicht schaffen. Auch gibt es viele, die eine gute Idee haben, aber diese nicht alleine realisieren können.

Techniker sind oftmals ein Musterbeispiel dafür, dass sie für eine Idee brennen, aber andere Bereiche, die für einen Erfolg wichtig sind, zu wenig bedenken. Darum braucht man Experten und Bekannte mit Fachwissen, die die Idee begutachten, das Geschäftsmodell evaluieren. Wichtig ist, jemanden zu finden, der einen ergänzt. Ich muss als Unternehmer nicht überall ein Experte sein, sollte jedoch meine Stärken und Schwächen kennen und zumindest Grundkenntnisse im Rechnungswesen und in Betriebswirtschaft haben.

Wie kann man checken, ob eine Business-Idee schlüssig ist?

Setzt man sich im Zuge des Schreibens eines Unternehmenskonzeptes oder Business-Plans mit der eigenen Geschäftsidee auseinander, kommt man meist schon auf Dinge drauf, die vielleicht nicht ganz schlüssig sind oder noch überdacht werden sollten. Wichtig ist auch, über die eigene Idee zu sprechen, den Business-Plan z.B. bei i2B beurteilen zu lassen und sich Feedback einzuholen. Der Business-Plan sollte im Endeffekt schlüssig und überzeugend sein, denn man muss Menschen überzeugen – Menschen, die mein Produkt/ meine Dienstleistung kaufen und gegebenenfalls Investoren.

Manche tun sich leichter mit dem Verkaufen als andere.

Ideen können die einen leichter verkaufen als die anderen. Ich sehe oft in meiner Arbeit, dass Naturwissenschaftler, Techniker zwar fantastische Persönlichkeiten mit immensem Wissen sind, es ihnen aber oft nicht gelingt, ihre Idee, ihr Produkt zu verkaufen. Da tun sie sich absolut schwerer als Betriebswirte.

Das würde heißen, dass jedes Gründerteam einen Betriebswirt braucht?

Auf jeden Fall einen, der das Verkaufen der Ideen beherrscht und auch mit Zahlen umgehen kann. Manchmal ist es der Gründer selbst, manchmal eben nicht. Denn in der heutigen Zeit ist es besonders wichtig, jemanden schnell zu überzeugen, man hat nicht unendlich viel Zeit und bei einem potentiellen Geldgeber mitunter nur eine Chance.

Welche Fragen muss man sich stellen, wenn man ein Produkt auf den Markt bringen will?

Zunächst muss man sich fragen, welchen Nutzen man stiften will, welchen USP mein Produkt hat. Man sollte die eigene Zielgruppe bestimmen und auch kennen lernen – an wen wende ich mich mit meinem Produkt, meiner Dienstleistung. Kenne ich meine Zielgruppe, weiß ich, was diese Zielgruppe auszeichnet und wie ich an sie herankomme, wer das Produkt kaufen würde, die Dienstleistung nutzen würde.

Können Sie beim Gründerservice beim Aufbau eines Teams helfen?

Wir unterstützen die Gründerinnen und Gründer auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit durch Service und Beratung, stellen Kontakte her und vermitteln auch Netzwerke, wie die Junge Wirtschaft und Frau in der Wirtschaft. Auch Co-Working-Spaces sind eine gute Möglichkeit, potentielle Partner oder Team-Mitglieder kennenzulernen und oft findet sich dort auch ein Partner, mit dem man seine Idee realisiert.

Wie oft waren Sie schon Geburtshelfer eines Unternehmens?

Das ist schwer zu sagen. Ich berate gerne, und bin bekannt dafür, wertschätzend aber auch deutlich zu sein. Es ist auch möglich jemanden vor offensichtlichen Fehlern zu warnen, etwa dass  mehr Vorbereitung vor der Unternehmensgründung empfehlenswert wäre. Deutlichkeit ist wichtig und es haben sich oft schon Menschen bei mir bedankt, dass ich ihnen klar meine Bedenken geäußert habe.

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit dem Gründerservice der Wirtschaftskammer Österreich. 

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