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Chinas Internet-Crackdown vernichtet hunderte Milliarden Dollar Börsenwerte

Straßenszene in Shanghai. © Nuno Alberto on Unsplash
Straßenszene in Shanghai. © Nuno Alberto on Unsplash

Bis vor kurzem konnte man noch den Eindruck haben, dass die Zukunft des Internet vor allem in China geschrieben wird. Doch seit einigen Monaten hat das chinesische Regime seinen Kurs vor allem gegen jene Internet-Unternehmen verschärft, die an den Börsen notiert sind und somit auch im Westen von Anlegern gehandelt werden. Begonnen hat es mit dem kurzfristig abgeblasenen Börsengang das mittlerweile schwer angeschlagenen und zurecht gestutzten Fintechs Ant Group – und setzt sich jetzt in allen großen Sektoren fort.

Der neueste Rückschlag: Das wertvollste chinesische Internet-Unternehmen Tencent hat für seine extrem populäre App WeChat die Anmeldemöglichkeit für neue Nutzer gestoppt. Der Grund: Zuerst müsse man die hauseigenen Sicherheitstechnologien an „alle relevanten Gesetze und Vorschriften“ anpassen, bevor man wieder neue User aufnehmen könne. Die Nachricht hat sich an den Börsen wie ein Lauffeuer verbreitet und den Aktienkurs um mehr als zehn Prozent ins Minus geschickt.

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Jetzt auch Tencent im Visier

In der Größenordnung von Tencent bedeutet das Verluste für Anleger von insgesamt von dutzenden Milliarden Dollar innerhalb von wenigen Stunden. Tencent hat seit dem Allzeithoch im Februar (mehr als 900 Mrd. Dollar Marktkapitalisierung bis heute mehr als 300 Milliarden Dollar Börsenwert verloren und droht, aus den Top 10 der wertvollsten Unternehmen der Welt zu fallen.

Alibaba, der zweit größte chinesische Internet-Riese, ist das bereits passiert. Nach hartem regulatorischem Vorgehen Pekings gegen den Online-Händler und dessen Gründer Jack Ma ist Alibaba in von mehr als 800 auf heute weniger als 540 Milliarden Dollar Market Cap abgestürzt.

Auch der Alibaba-Konkurrent Meituan (er konkurriert unter anderem mit der Lieferservice-Plattform Ele.me) wird vom Vorgehen Pekings gegen Tencent erfasst und verliert drastisch an der Börse. Tencent ist ein großer Investor bei dem Essenslieferdienst, auch US-Investoren lieferten das Kapital für den rasanten Aufbau. Insgesamt stehen die Aktien von chinesischen Internet-Unternehmen heute tief im Minus – im Unterschied zu den staatlichen bzw. staatsnahen Unternehmen:

22 Gründe für Untersuchungen

Neben Tencent, Alibaba und Meituan hat das chinesische Regime auch den Fahrtenvermittler Didi sowie wie berichtet auch große EduTechs ins Visier genommen, die in China alleine einen 100 Milliarden Dollar schweren Markt bedienen. Ihnen wird künftig verboten, Profite zu machen – Ziel ist offenbar, aus ihnen Non-Profits unter dem Einfluss des Staates zu machen. Generell hat die Cyber-Sicherheitsaufsichtsbehörde Chinas angekündigt, aus Gründen der nationalen Sicherheit alle Listings von Unternehmen mit mehr als einer Million Nutzern überprüfen zu wollen.

Die Staats-Kampagne gegen private Internet-Unternehmen wird voraussichtlich weitergehen. Am Montag hat das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnik eine sechsmonatige Kampagne gestartet, um die „schwierigen Probleme“ der Internet-Industrie anzugehen. Insgesamt werden 22 Szenarien skizziert, die behoben werden sollen – von Störung der Marktordnung, über die Verletzung von Nutzerrechten bis zur Bedrohung der Datensicherheit finden sich wohl passend für jedes Unternehmen Gründe, dieses abzustrafen.

„Vom Kapital gekapert“: China geht jetzt auch hart gegen EduTechs vor

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