Slack-Rivale

Chatgrape: Wiener Start-up will als „WhatsApp für Firmen“ die E-Mail in der internen Kommunikation ersetzen

Leo Fasbender und Felix Häusler mit Schutzpatron. © Jakob Steinschaden
Leo Fasbender und Felix Häusler mit Schutzpatron. © Jakob Steinschaden

„Wir sind immer noch eines der waghalsigsten Teams in Österreich.“ Mit einem Steve-Jobs-Graffiti und frischem Risikokapital von 1,1 Millionen Euro im Rücken zeigt Felix Häusler, einer der beiden Gründer von ChatGrape, Selbstbewusstsein. Er und seiner Partner Leo Fasbender haben geschafft, was kaum ein anderes Internet-Start-up aus Österreich geschafft hat: Die New-Yorker-Investmentfirma Betaworks hat gemeinsam mit anderen US-Amerikanern und Europäern eine beachtliche Summe ausgegeben, damit das derzeit etwa zehnköpfige Team eine Art Intranet 2.0 für Unternehmen aufbauen kann.

ChatGrape erinnert dabei an eine ­Mischung aus Facebook und WhatsApp und ist auf die Bedürfnisse von Teams zugeschnitten, die sich permanent austauschen wollen und dabei auf die lästige E-Mail verzichten wollen. In Gruppen-Chats können sie auf einer Webseite beziehungsweise künftig auch über Smartphone-Apps Nachrichten an ausgewählte Empfänger schicken. Das Besondere ­dabei: „Unsere große Vision ist, dass man sich online unterhalten kann und der Dienst automatisch jene Inhalte anzeigt, über die man gerade redet“, sagt Häusler.

ChatGrape will Nutzern Zeit sparen

Über Integrationen mit anderen Web-Diensten (derzeit zum Beispiel Google Drive oder Dropbox, künftig auch YouTube, Twitter oder Wikipedia) kann man den diskutierten Content (zum Beispiel eine PowerPoint-Präsentation, ein Video) direkt im Chat anzeigen lassen und muss die Chat-Partner nicht auf externe Webseiten schicken oder sie googeln lassen.

Sinn der Übung: Interne Unternehmenskommunikation soll effizienter werden. Häusler und Fasbender berufen sich auf eine McKinsey-Studie, der zufolge etwa ein Drittel der Arbeitszeit für interne Kommunikation gebraucht wird, wiederum ein Fünftel davon geht für die Informationssuche drauf. Diese verschwendete Zeit könne man halbieren, so das Versprechen von ChatGrape, und für andere Arbeiten nutzbar machen.

Heikle Firmendaten

Derzeit nutzen etwa 1.000 Firmen, Agenturen oder Teams in Unternehmen ChatGrape – und sollen bald zur Kassa gebeten werden, wenn sie erweiterte Funktionalitäten nutzen wollen. Pro Monat ist dann ein Betrag von zehn Euro pro Nutzer fällig. „Auch Firmenleute wollen coole Apps benutzen“, meint Häusler. Der Trend spricht jedenfalls für ChatGrape: ­Immer weiter verbreitete ­Telearbeit sowie über viele Cloud-Dienste ­verstreute Firmendaten machen es notwendig, ein effizientes Kommunikations-Tool zu verwenden. Da es um heikle Firmendaten geht, soll es bis Ende des Jahres auch möglich sein, ChatGrape auf den eigenen Servern des Unternehmens zu installieren – ansonsten werden die Daten auf den Großrechnern des deutschen Server-Spezialisten Hetzner gespeichert.

Für Häusler und Fasbender ist ChatGrape das mittlerweile dritte Start-up-Projekt nach der Blogging-Plattform Newsgrape und dem Reddit-Klon UberGrape. Ob ChatGrape ein Erfolg wird, ist ungewiss: Mit Slack oder HipChat hat die Wiener Jungfirma stark wachsende internationale Konkurrenten, gegen die man sich beweisen muss.

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