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Interview

Warum boomt das Crypto-Startup Chainlink derzeit so, Robby Schwertner?

Sergey Nazarov und sein Chainlink-Team. © Chainlink
Sergey Nazarov und sein Chainlink-Team. © Chainlink

Die Top 10 der größten Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung haben ein neues Mitglied: Chainlink. Der LINK-Token wird nach dem jüngsten Pump bei mittlerweile knapp 10 Dollar gehandelt, und das Krypto-Projekt hat beim Market Cap somit andere Aufsteiger wie Tezos, Crypto.com oder den Binance Coin hinter sich gelassen. Hinter Chainlink steckt ein US-Startup, das von Sergey Nazarov und Steve Ellis ursprünglich unter dem vielsagenden Namen SmartContract.com gestartet wurde.

Nach einem erfolgreichen ICO 2017 (ca. 32 Mio. Dollar) hat sich das mittlerweile als Chainlink bekannte Projekt der Verbindung von Smart Contracts auf der Blockchain mit Daten aus der echten Welt (off-chain) gewidmet – und zwar auf manipulationssichere Art und Weise. Das hat Chainlink mittlerweile Partnerschaften mit Google, Provide, T-Systems oder SWIFT eingebracht, die allesamt mit der Technologie arbeiten wollen. Mitgründer Nazarov hat mit seinen karierten Holzfällerhemden in der Crypto-Community mittlerweile gar Kultstatus erlangt.

Der Österreicher Robert „Robby“ Schwertner, auch bekannt als CryptoRobby, hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit Chainlink auseinandergesetzt – und erläutert im Interview, warum sich gerade dieses Blockchain-Projekt derzeit so großer Beliebtheit erfreut.

Wie funktioniert Chainlink, was ist das Besondere?

Robby Schwertner: Chainlink ist eine Blockchain-Plattform, die die Welt der Blockchain und Kryptowährungen mit der realen Welt der Banken und der Industrie verbindet.  Seit 2015 arbeiten Entwickler an dieser Plattform, 2017 wurde in einem Initial Coin Offering der LINK-Token ausgegeben und damals an die 32 Millionen US-Dollar zur Finanzierung der Entwicklung eingesammelt.

Chainlink ist für mich deshalb so spannend, weil es ein wichtiges Problem von Blockchains löst: das sogenannte „Garbage in, Garbage out“-Problem – also Müll rein Müll raus. Damit ist gemeint, dass bekanntlich alles auf Blockchain wunderbar unabänderbar und manipulationssicher gespeichert werden kann, dass es allerdings NICHT garantiert ist, dass diese Daten auch wirklich richtig und nicht „Müll“ sind. Wenn man Blockchain mit einem Tresor vergleicht, können darin von ExpertInnen unbestritten Daten extrem sicher gespeichert werden. Was aber, wenn jemand Wertloses wie etwa Müll in den Tresor legt? Es mag zwar dann sicher aufbewahrt sein, dies ist aber ziemlich nutzlos.

Welches Problem löst Chainlink?

Chainlink hat frühzeitig erkannt, dass zusätzlich zu verlässlichen Blockchains auch ein vertrauenswürdiges System für Daten notwendig ist, die auf Blockchain gespeichert werden. Chainlink bedient sich sogenannter Oracles, die tatsächlich viel mit dem Orakel aus dem Film „Matrix“ zu tun haben: Es soll Menschen durch Wissen und Vorhersagen helfen. Beispiel: Wenn Daten gesammelt über das Eintreffen von Postsendungen gesammelt werden oder über Ergebnisse von Fussballspielen, sind neutrale Beobachter notwendig, um vertrauenswürdige Daten zu liefern. Denn es kann Fälle geben, wo jemand den Erhalt von Waren absichtlich verneint hat, oder ein Zusteller fälschlich die Zustellung bestätigt. Bei Fußballspiel-Ergebnissen kommt es häufig zu Falschmeldungen, um kurzfristig Wettergebnisse zu manipulieren.

Chainlink schafft ein System aus Oracles, die sehr rasch maschinell lesbare vertrauenswürdige Daten weitergeben. Dies ist bei Preisen von Aktien der Fall: Für Händler ist wichtig, dass Preise richtig (Integrität), verfügbar (Verfügbarkeit) und geheim (Geheimhaltung) sind. Dies sind auch die drei wichtigsten Kriterien für Oracles. Der Preis von Aktien wird dann bestätigt, wenn vier oder 5 Daten-Provider die Daten liefern. Wenn ein Daten-Provider für Aktien nun falsche Preise herausgibt oder Daten zu langsam liefert, verliert er Punkte gegenüber den anderen Anbietern. Die vertrauenswürdigen Daten-Provider gehen daraus gestärkt hervor.

Der LINK-Token steht in Sachen Marktkapitalisierung derzeit in den Top 10 der Crypto-Charts. Warum boomt Chainlink derzeit so?

Chainlink boomt, weil vermehrt das Potenzial dieser Blockchain erkannt wird: Es ist tatsächlich für Lieferdienste interessant, für Datenprovider von Aktienpreisen und auch für maschinell lesbare Webseiten von Fußballspielen, die damit Wettbüros versorgen. Die Vision geht weiter: wenn in Zukunft jedes Teil in einem IoT eine IP-Adresse bekommt und Daten senden und empfangen kann, dann ist eine unvorstellbar große Menge an Daten zu überprüfen. Mit herkömmlichen Systemen ist diese Massenvalidierung von IoT basierten Daten nicht möglich, Chainlink bietet einen überzeugenden Lösungsansatz. Da passt ins Bild, dass seit letzter Woche das Gerücht die Runde macht, wonach fünf große südkoreanische Banken (IBK, Shinhan Bank, KEB, NH Bank, CenterPrime) überlegen, Chainlink für die Veröffentlichung von Handelsdaten zu nutzen.

Gibt es auch Nachteile oder Probleme bei Chainlink?

Probleme sind noch vielfältig – etwa die Frage, wie leicht kann das System feindlich übernommen werden? Oder wie viele Validatoren und Preisanbieter man braucht, um Absprachen der Validatoren und damit Betrug zu verhindern? Hier kann Chainlink Lösungen für verschiedene Branchen und Anwendungen liefern, doch lernt man bekanntlich durchs Fehlermachen. Rückschläge sind daher zu erwarten. Ein weiteres Problem dreht sich um die Gerechtigkeit: internet-basierte Datensysteme tendieren aus ökonomischen Gründen zur Zentralisierung und sind anfällig für Manipulation. Kann Chainlink ein derart dezentralisiertes System schaffen, dass durch seinen Aufbau eine Zentralisierung und damit Monopolsituationen von Vornherein verhindert? Das muss erst bewiesen werden.

Was ist von den Gründern zu halten?

Ein Auge sollte man auf die Gründer haben: Sie mögen gute Entwickler sein, doch im Juli 2019 hatten sie ohne Ankündigung und entgegen den Gepflogenheiten in großen Tranchen 4,2 Millionen LINK-Token verkauft, was unter Anlegern für heftige Verstimmung gesorgt hatte. Chainlink will Vertrauen in Daten schaffen, die Gründer sollten das auch durch ihr Handeln beweisen.

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