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Die Marketing-Maschinerie hinter Chainlink

© Chainlink, Montage Trending Topics
© Chainlink, Montage Trending Topics

Die Blockchain-Welt hat einen neuen Star. Chainlink, ein vor mehreren Jahren gestartetes Projekt mit dem Ziel, Echtwelt-Daten in Smart Contracts und damit auf die Blockchain zu bringen, geht 2020 durch die Decke. Wie üblich gibt es nicht nur eine Technologie, sondern auch einen Token – und der ist in den vergangenen Tagen zum Lieblingsobjekt von Crypto-Investoren und Spekulanten geworden.

Denn der LINK-Token hat sich im Preis stark entwickelt. Anfang des Jahres wurde er auf Exchanges noch um 1,80 Dollar gehandelt, heute sind es knapp 16 Dollar. Eine Verachtfachung des Preises innerhalb von etwas mehr als sechs Monaten – ein gutes Geschäft für jene, die früh auf das Krypto-Asset gesetzt haben. Die Marktkapitalisierung von Chainlink ist derart gestiegen, dass sie mit derzeit etwa 5,5 Milliarden Dollar am Papier auch Größen wie Bitcoin Cash (BCH), Litecoin (LTC) oder Cardano (ADA) hinter sich gelassen hat.

Die Chainlink-Macher – eine Truppe von etwa 45 Mitarbeitern rund um den Gründer Sergey Nazarov – will eine Verbindung zwischen dem Blockchain-Bereich und der realen Welt schaffen. Daten aus den Bereichen Finanzen, Zahlungen, Versicherung, Lieferketten, Regierungen und Behörden, Enterprise-Systeme, Identitätslösungen oder Glücksspiele könnten so in Smart Contracts fließen. Ein Beispiel: Versicherungen könnten automatisch eine Entschädigung auszahlen wenn ein Flug zu spät kommt – der Smart Contract erledigt alles.

Ethereum als Fundament

All das hat die Fantasie von vielen Beobachtern geweckt. Zwar ist Chainlink keine eigene Blockchain wie Ethereum, EOS oder Tezos, aber als Netzwerk-Layer für den gesamten Blockchain-Bereich und dessen Verbindung zur realen Welt könnte viel Potenzial drin stecken. LINK-Token, die 2017 bei einem ICO verkauft wurden und heute rege gehandelt werden, basieren als ERC20-Token auf Ethereum und sollen zwei Zwecken dienen:

  • Zur Zahlung an Node-Betreiber für das Liefern von Echtwelt-Daten an Smart Contracts
  • Als Kaution für Node-Betreiber im Falle eines Ausfalls des Nodes oder wenn nachweislich falsche Daten geliefert werden – die Token werden dann als Entschädigung an den Kunden ausgezahlt

Was aber vorrangig mit den Token gemacht wird, ist offensichtlich: Sie werden an Exchanges wie Binance, Coinbase Pro, Huobi Global oder OKEx gehandelt, und zwar vorzugsweise gegen Tether (USDT), Bitcoin und echte US-Dollar.

Sergey Nazarov und sein Chainlink-Team. © Chainlink
Sergey Nazarov und sein Chainlink-Team. © Chainlink

Große Töne

Befeuert wird der Chainlink-Hype durch mehrere Dinge. So werden angebliche Kollaborationen zu Google, Oracle und SWIFT betont, genauso wie die Zusammenarbeit mit Microsoft, IBM oder Intel. Wirklich belegt sind diese Coops nicht, es wird lediglich auf Blog-Einträge der bekannten IT-Riesen verlinkt, in denen Chainlink (eher am Rande) mal so erwähnt wird. Ein Google-Sprecher etwa sagte gegenüber Bloomberg, dass es keine formale Partnerschaft mit Chainlink gebe.

Auch die anderen Quellenangaben bestätigen echte Partnerschaften mit Chainlink nicht. Bei Oracle ist es ein Startup-Programm, bei SWIFT eine drei Jahre alte Demo auf einer Konferenz (noch unter dem alten Namen SmartContract.com), und Microsoft, IBM und Intel kommen ins Spiel, weil Chainlink neben einigen anderen mit Entwicklern jener Größen gemeinsam im „Hyperledger Avalon“-Projekt sind. Das sind respektable Erfolge für eine junge Firma – doch vermarktet werden diese über die Maßen.

Die LINK-Soldaten

© Chainlink
© Chainlink

Für manche Beobachter ist Chainlink aber eben nicht nur ein gut vermarktetes Blockchain-Projekt, sondern auch ein Sozialexperiment. Denn Investieren wird zum Sport gemacht, samt Gamification-Elementen und Abzeichen. Die so genannten LINK-Marines sind Käufer von LINK-Token, die es sich zum Wettkampf gemacht haben, möglichst viele der Krypto-Assets zu besitzen. General darf sich der nennen, der mehr als 500.000 Token hat, Colonels halten zwischen 75.000 und 125.000 Token, und so weiter und so fort. Der oberste in der Rangliste ist Chainlink-Gründer Sergey Nazarov selbst, der wegen seiner karierten Hemden bei einigen bereits Kultstatus erlangt hat.

Auf Etherscan (LINK ist ein ERC-20-Token und basiert damit auf Ethereum) kann man einsehen, dass es tatsächlich sehr viele Wallets gibt, die große Bestände an LINK-Token horten. Und deren Besitzer haben natürlich Interesse daran, dass der Preis steigt, denn dann steigt auch der Wert ihrer eigenen Crypto-Assets. Deswegen wird auf Twitter oder Reddit immer wieder zu Pumps aufgerufen.

Offizielle Chainlink-Vertreter wollen mit den LINK-Marines aber nichts zu tun haben. Man könne sich die „Community und deren Kultur im Crypto-Bereich“ eben nicht aussuchen und sei darum bemüht, mehr Seriosität in die Angelegenheit zu bringen. Die Webseite, auf der die Rangliste der LINK-Marines abgebildet ist, wird auch nicht von der Firma betrieben, sondern von einem Internet-User, der sich „The LinkMarine“ nennt.

Die Gründer und ihre Token

Rund um die mittlerweile sehr begehrten und wertvollen Token sind auch Kontroversen ausgebrochen. Das Gründer-Team, das sich von der eine Milliarde kreierter LINK-Token 300 Millionen einbehalten hat (derzeit im Gegenwert von 1,7 Milliarden Dollar), wurde wie berichtet bereits dafür kritisiert, dass sie immer wieder Token verkauft haben. Klar ist aber auch, dass diese Token von Beginn an für die Finanzierung des Projekts gedacht waren. Wenn Nazarov und Co. nun Token verkaufen, ist das verständlich – die Rechnungen der Firma (mit Sitz in der Steueroase Cayman Islands) müssen mit Fiatgeld beglichen werden.

Gegner von Chainlink haben dieses Jahr bereits im großen Stil mobil gemacht und versuchten, Chainlink und den LINK-Token in Verruf zu bringen. Dazu wurde die Webseite des britischen Investment-Bankers Zeus Capital von Unbekannten gefälscht und mit Reports gespickt, die Chainlink Betrug vorwerfen. Die 66 Seiten des Reports wurden aufwendig gestaltet und sollten wohl FUD („Fear, Uncertainty und Doubt“) streuen. Den Kursgewinnen des LINK-Tokens konnte der Angriff keinen Abbruch tun – vielmehr stieg er nach der Veröffentlichung umso schneller.

Prominente Fürsprecher

Einen großen Fan hat Chainlink auch mit Kris Humphries bekommen. Der ehemalige NBA-Star, dessen Ehe mit Kim Kardashian anno 2011 ganze 72 Tage hielt, ist urplötzlich im April auf den Geschmack der LINK-Token gekommen. Seither twittert er an etwa 700.000 Follower regelmäßig, wie „impressive“, „amazing“ und „game-changing“ Chainlink und dessen Team wäre. Humphries, der seine NBA-Karriere 2019 beendet, meint, er hätte im Basketball die Wichtigkeit von Daten für die Team-Strategie verstanden, und deswegen würde er den Wert von Daten auch in Blockchain-Projekten wie eben Chainlink verstehen.

Ironischerweise sagte er gegenüber CryptoSlate dann auch, warum er ein Chainlink-Fürsprecher geworden wäre.

„In the early days of Chainlink, it was a small team of talented individuals who kept their heads down focusing on the technical components. Even during the 2017-2018 boom-bust when other projects were making flashy videos and hiring celebrities, I don’t even think Chainlink had a marketing team. That hard work and focus is now paying off.”

Soso, „hiring celebrities“ ist also ein Mitgrund für den Crypto-Boom 2017/2018…

Fazit: Wie Marketing in der Krypto-Welt funktionieren kann, das hat die Chainlink-Community eindrucksvoll bewiesen. Nun müssen sie aber auch ihr Versprechen einlösen – nämlich wirklich eine Brücke zwischen der Blockchain-Sphäre und der echten Welt bilden.

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