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Studie

Carsharing sorgt leider nicht dafür, dass wir weniger Autos auf den Straßen haben

DriveNow-Wagen in Wien. © DriveNow
DriveNow-Wagen in Wien. © DriveNow

27 Millionen Nutzer zählen Carsharing-Anbieter weltweit, und rund 270.000 Autos stellen sie in ihren Flotten bereit. Doch hat sich das Teilen von Autos positiv auf den Verkehr in Städten ausgewirkt? Und konnte die Zahl der Autos in urbanen Gebieten gesenkt werden? Eine neue Studie der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney gibt nun ernüchternde Einblicke in das Geschäft mit Carsharing. Ihr zufolge haben sich die erhofften Effekte nicht eingestellt.

„Nur eine kleine Gruppe von Mitgliedern nutzt Carsharing regelmäßig“, heißt es in der Studie, für die unter anderem 1.000 Carsharing-Nutzer in Deutschland, Großbritannien und den USA befragt wurden. „Der Substitutionseffekt zwischen Carsharing und privater Nutzung eines Autos ist begrenzt – sie werden in erster Linie als komplementär angesehen.“ Carsharing sei am ehesten noch ein Ersatz für die öffentlichen Verkehrsmittel, doch auf ein eigenes Auto verzichtet kaum jemand.

Weniger Fahrten mit den Öffis

Laut dem Verkehrsclub Österreich (VCÖ) kann ein Carsharing-Auto bis zu fünf Privat-PKWs ersetzen – doch Realität ist das nicht geworden. In Städten wie Hamburg oder Berlin, wo die heutige ShareNow-Gruppe (Zusammenlegung von Car2go und DriveNow) seit acht Jahren tätig sind, sind die Neuzulassungen von PKW nicht signifikant zurück gegangen. Vielmehr zeigt sich in der Studie von A.T. Kearney, das durch vermehrte Carsharing-Nutzung der Wille, mit den Öffis zu fahren, gar zurück geht.

„Mit zunehmender Nutzungshäufigkeit verwenden Carsharing-Nutzer in Deutschland weniger öffentliche Verkehrsmittel“, heißt es in der Studie. „Die Nutzung von Privatfahrzeugen und Motorrädern bleiben unverändert, was auf eine begrenzte Substitution hinweist.“ Permanente Verfügbarkeit, Privatsphäre und ein Gefühl der persönlichen Freiheit sind nach wie vor die Faktoren, was Menschen davon abhält, auf ein eigenes Auto zu verzichten.

Schwieriges Geschäftsmodell

Was die Studie auch aufzeigt: Das Geschäft ist für die Betreiber von Carsharing-Flotten kein einfaches. M&A-Aktivitäten am Markt (allen voran die Fusion von Car2go und DriveNow) zeigen, dass es nur schwer möglich ist, profitabel zu wirtschaften. Gerade in europäischen Städten gibt es laut A.T. Kearney nur wenige Bezirke, in denen profitabel gewirtschaftet werden kann. Stadtteile müssten eine Bevölkerungsdichte von mehr als 6.000 Einwohner pro Quadratkilometer haben, damit es dort entsprechende Nachfrage gebe. In Deutschland, so rechnen die Unternehmensberater vor, gebe es demnach „nur“ vier Millionen Nutzer (also 5 Prozent der Bevölkerung) als addressierbaren Markt.

Worauf die Studienmacher auch hinweisen: Carsharing-Angebote können einen Effekt auf das Markenimage haben. „Carsharing bietet OEMs eine authentische Möglichkeit, den Zeitgeist an die Kunden zu kommunizieren, sowohl an bestehende als auch potenzielle neue Markenkunden.“ Gerade, wer junge Konsumenten ansprechen und an die eigene Marke binden wolle, für den sei Carsharing eine Möglichkeit, um potenzielle Kunden mal ein paar Testfahrten mit den eigenen Autos machen zu lassen.

Sogar verstärkte Autonutzung

Wie eine Studie des Instituts für angewandte Ökologie in Freiburg bereits 2018 zeigte, hat Carsharing wenig positive Effekte auf die Umwelt. „Die Nutzung des free-floating Carsharing geht zwar nicht zu Lasten des ÖPNV. Allerdings zeigt sich in den untersuchten Städten eine stärkere Autonutzung“, hieß es im Vorjahr. Und weiter: „Nur knapp drei Prozent der Nutzerinnen und Nutzer schaffen ihren Pkw ab, weil sie free-floating Carsharing nutzen. Die dadurch erzielte Minderung des privaten Pkw-Bestands – bezogen auf die heutige Größe der Nutzergruppe – ist geringer als die Anzahl der eingesetzten Carsharing-Fahrzeuge.“

„Es braucht politische Entscheidungen“

„Die Studie von AT Kearney unterstützt unsere Ansicht, dass das private Fahrzeug in Deutschland nach wie vor eine viel zu große Rolle spielt, um die Mobilitätswende zu schaffen. Es braucht politische Entscheidungen, das zu ändern. Carsharing ist ein wachsendes Feld und der Wandel in der innerstädtischen Mobilität braucht viel Geduld“, sagt Olivier Reppert, CEO von Share Now. „Würde es uns gelingen, die in der Studie genannten fünf Prozent der privaten Fahrzeuge von den Straßen zu holen, wären das allein in den großen Städten Deutschlands 2,5 Millionen weniger Autos. Das wäre eine tolle Nachricht für die Umwelt.“

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