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Aufstieg des ADA-Token: „Für Cardano kommt jetzt die entscheidende Phase“

ADA-Token von Cardano. © Executium on Unsplash
ADA-Token von Cardano. © Executium on Unsplash

Seit wenigen Tagen gibt es eine neue Nummer 3 am Krypto-Markt: ADA, der Token der Cardano-Blockchain. Mit Proof of Stake und vielen großen, vollmundigen Ankündigungen von Gründer Charles Hoskinson verstehen Cardano viele als das neue Ethereum – und setzen mit viel Investmentgeld auf eine große Zukunft des Projekts.

Charles Hoskinson war neben bekannten Persönlichkeiten wie Vitalik Buterin, Gavin Wood und Joseph Lubin einer der acht Gründer von Ethereum, bevor er im Jahr 2015 begann, an Cardano zu arbeiten. Noch liegt das Blockchain-Netzwerk in punkto Marktkapitalisierung und Entwickler-Community deutlich hinter Ethereum. Doch Hoskinson hat es auch geschafft, eine große Community hinter sich zu versammeln, und streitet sich regelmäßig öffentlich mit anderen Branchengrößen.

Lukas Leys, Partner bei der Krypto-Treuhandschaft Validvent und CEO des LegalTech-Startups kontractory, setzt sich intensiv mit Krypto-Assets und insbesondere Cardano auseinander. Im Interview gibt er tiefe Einblicke in die Welt des vermeintlichen Ethereum-Killers.

Trending Topics: ADA ist in den vergangenen Wochen stark gewachsen. Was sind die Gründe dafür?

Lukas Leys von kontractory.
Lukas Leys von kontractory.

Lukas Leys: Der jüngste Kursanstieg von ADA wurde durch die in Mitte August erfolgte Ankündigung ausgelöst, dass das mit Spannung erwartete Alonzo-Upgrade am 12. September 2021 live gehen soll. Das wäre der Abschluss der dritten Phase der Cardano-Roadmap mit der Bezeichnung Goguen. Die Goguen-Phase wurde in drei Phasen aufgeteilt: Allegra, Mary und Alonzo. Im Detail führt das Alonzo Upgrade nun endlich dazu, dass die Smart-Contracts-Entwicklungssprache Plutus (Haskell) in das Cardano-Ökosystem integriert wird. 

Damit wäre das lange Warten endlich vorbei: Es werden nun erstmals Smart Contracts auf der Cardano-Blockchain ermöglicht. Smart Contracts sind der Grundbaustein für eine breitere Nutzung und der Entstehung eines größeren Ökosystems aus dezentralen Applikationen (DApps) rund um Cardano. Diese Entwicklung war lange in Arbeit und wird aufgrund der auf wissenschaftlicher Forschung basierenden „slow and steady“-Herangehensweise erst so spät in die bereits seit 2015 in Entwicklung befindliche Cardano-Plattform integriert. Nun entsteht ein erneuter Hype um die neue Smart-Contract-fähige Version von Cardano, die von vielen schon lange mit Spannung erwartet wird.

Viele Trader schauen gar nicht auf die technische Entwicklung von Blockchain-Projekten. Gibt es weitere Gründe für den heftigen Preisansteig?

Letztendlich ist ein Teil des Preisanstiegs aber auch ganz einfach durch Unit Bias zu erklären. Cardano’s nativer Token ADA besteht insgesamt aus wesentlich mehr verfügbaren Token als Ethereums Ether-Token und dessen Preis beträgt daher derzeit nur wenige Euro, obwohl die Marktkapitalisierung von ADA Platz 3 aller Kryptowährungen ausmacht. Das hat den Effekt, dass vor allem weniger erfahrene Investor:innen dem psychologischen Bias verfallen, dass man leichter zu einem „größeren“ Investment mit ADA gelangt, als mit den mehreren tausend Euro, die man für einen einzelnen ETH-Token derzeit ausgeben müsste – von Bitcoin ganz zu schweigen. Daneben klingt es natürlich für viele Käufer:innen sinnvoll, in ein Projekt zu investieren, welches gerade erst Smart Contracts implementiert und somit eher am Beginn seiner Entwicklung steht. Allerdings muss bedacht werden, dass der aktuelle Preis von ADA bereits zu einem großen Anteil aus Erwartungen und Hype besteht, welcher um das Projekt herum aufgebaut wurde. Ob Cardano und ADA dem auch wirklich gerecht werden, wird sich bald zeigen.

Bald sollen also Smart Contracts bei Cardano eingeführt werden. Was wird das ändern, ermöglichen? Wurden die Smart Contracts nicht schon vor vielen Monaten angekündigt?

Das Alonzo Update ist garantiert einer der wichtigsten und größten Schritte in der Entwicklung von Cardano. Ab Mitte September wird Cardano in die Welt von Decentralized Finance (DeFi), Non-fungible Tokens (NFTs), Krypto-Gaming und vielen weiteren Blockchain-Applikationen einsteigen. Es wird mit Spannung zu beobachten sein, wie Cardano sich entwickeln wird. Charles Hoskinson kündigte an, dass hunderte Projekte bereits in den Startlöchern stehen würden, um das Netzwerk zu nutzen, sobald Smart Contracts verfügbar werden. Zwei Wochen nach dem geplanten Alonzo Update findet zudem der Cardano Summit 2021 statt, während dem einige Projektvorstellungen und Ankündigungen zu erwarten sind. 

Tatsächlich waren Smart Contracts für die Cardano-Blockchain aber bereits früher geplant. Cardano gibt jeden Monat Updates zum aktuellen Entwicklungsstand durch die Cardano360 Events bekannt. Im März 2021 erklärte Hoskinson, dass die Alonzo-Roadmap zeitlich nicht eingehalten werden kann und er nun mit Mitte August rechnen würde. Inzwischen wird mit dem angekündigten Termin am 12. September gerechnet. Solche Verzögerungen sind bei Cardano bereits häufiger vorgekommen und sind grundsätzlich nicht untypisch für IT-Projekte. Die Reaktionen aus der Cardano-Community darauf waren jedoch gemischt.

Cardano erreicht neues Allzeithoch vor Alonzo-Upgrade

Welche Unterschiede gibt es zu Ethereum?

Beides sind Smart-Contract-Plattformen zur Erstellung von dezentralen Applikationen (DApps). Das Team hinter Cardano möchte jedoch ein paar wesentliche Aspekte von Ethereum besser gestalten und sich als Third Generation Blockchain positionieren. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf Skalierbarkeit, Interoperabilität und Nachhaltigkeit sowie eine wissenschaftliche Vorgehensweise bei der Entwicklung gelegt.

Cardano verwendet ein eigens entwickeltes Proof-of-Stake (PoS)-Konsensprotokoll namens Ouroboros, welches mehrere hundert Transaktionen pro Sekunde verarbeiten kann. Ouroboros sei das erste basierend auf universitärer Forschung entwickelte und nachweislich sichere Proof-of-Stake-Protokoll. Ethereum ist derzeit noch wesentlich wenig skalierbar, jedoch mitten drin ebenso vom bisher genutzten, energieintensivem Proof-of-Work (PoW) Mining auf eine eigene PoS-Variante mit höherer Skalierbarkeit umzusteigen (Ethereum 2.0). Proof-of-Stake gilt als grüne Alternative zum Mining, welches die Verwendung von stromfressender Hardware durch ein monetäres Anreizsystem ersetzt, bei dem der Ersteller des nächsten Blocks vom Netzwerk anhand der Anzahl seiner ins Netzwerk eingebrachten Kryptowährung (Stake) ausgewählt wird. Cardano arbeitet darüber hinaus auch an einer Skalierungslösung namens Hydra, welche mehrere Millionen Transaktionen pro Sekunde ermöglichen könnte.

Ein weiteres wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist die Unterteilung von Cardano in zwei verschiedene Layer. Der Cardano Settlement Layer (CSL) ist für die Token-Ökonomie zuständig und fungiert als der dezentrale Ledger aller Nutzer:innen. Blöcke werden hier generiert und Cardanos Kryptowährung ADA befindet sich auf dieser Ebene. Der Cardano Computation Layer (CCL) ist jener Bereich, in dem sich alle Smart-Contract-Funktionen befinden und welcher nun in Kürze verfügbar wird. Dieser ermöglicht eine größere Flexibilität bei der Datenspeicherung und erlaubt die Erstellung individueller Regeln für die Validierung von Transaktionen, z.B. spezielle KYC-Anforderungen für Nutzer:innen in bestimmten Ländern. Cardano teilt so das Was und das Warum in zwei Ebenen und erreicht damit Vorteile für beide Nutzungsarten (Kryptowährung und Smart Contracts) auf dem jeweiligen Layer.

Wie dezentralisiert ist Cardano? Wie viele Nodes/Validatoren gibt es, wer betreibt sie?

Es gibt verschiedene Layer an Dezentralisierung bei Blockchains. Vitalik Buterin unterscheidet dabei in architektonische Dezentralisierung (Anzahl der validierenden Nodes), politische Dezentralisierung (Kontrolle und Governance über die Software) und logische Dezentralisierung (Aufsplittbarkeit des Netzwerks).

Cardano wird derzeit von IOHK, Emurgo und der Cardano Foundation noch eher zentralisiert gesteuert. IOHK betreibt wissenschaftliche Forschung und entwickelt die Technologie, Emurgo ist der wirtschaftliche Arm der sich darauf konzentriert, Unternehmen und öffentliche Institutionen für das Ökosystem zu gewinnen, und die Cardano Foundation fokussiert sich auf den Aufbau der Community. Die Roadmap von Cardano sieht allerdings in der fünften Phase (Voltaire) vor, genau das zu ändern. Voltaire verspricht, das Netzwerk „wirklich dezentralisiert“ zu machen, indem der gesamte Governance-Mechanismus auf die Netzwerkteilnehmer übertragen wird und nicht mehr unter der Leitung von IOHK und Charles Hoskinson steht.

Die Cardano-Blockchain selbst besteht aus derzeit über 2,800 öffentlichen Staking Pools (plus private Pools) und ist somit durchaus dezentral. Es gibt jedoch einige große Entitäten, welche mehrere solche Pools besitzen. Die Konzentration auf wenige große Pools wird dadurch verhindert, dass wenn zu viel ADA-Token in einem Pool vorhanden sind, dieser keine Staking-Belohnungen mehr auszahlt. Damit besteht ein Anreiz für die Betreiber von Staking Pools, neue Stake Pool Nodes zu eröffnen, statt die bestehenden zu groß werden zu lassen.

Viele werfen Cardano Hype ohne viel Substanz vor. Was ist da dran?

Am 26. Juli 2020 twitterte Cardano-Gründer Charles Hoskinson:

„Ich sage voraus, dass es nächstes Jahr um diese Zeit Hunderte von Assets geben wird, die auf Cardano laufen, Tausende von Dapps, tonnenweise interessante Projekte und viele einzigartige Anwendungen und Nutzen. 2021 wird es so viel Spaß machen, Cardano beim Wachsen und Weiterentwickeln zuzusehen. Die Community ist definitiv bereit für Innovationen.“

Die Realität sieht – wie wir heute wissen – natürlich ganz anders aus. Smart Contracts wurden inzwischen erst für 12. September 2021 angekündigt. Bis es dazu kommt, dass Hunderte von Assets und Tausende von DApps auf Cardano existieren, benötigt es wesentlich mehr Zeit und Arbeit, als Hoskinson hier behauptet. Für Entwickler:innen ist es eben einfach auch nicht so leicht, von einem bestehenden Netzwerk zu Cardano zu wechseln. Selbst wenn die ursprüngliche Roadmap zeitlich eingehalten worden wäre, wäre das viel zu wenig Zeit gewesen, um auf Cardano so ein Ökosystem zu entwickeln.

An diesem Beispiel sieht man durchaus, dass Charles Hoskinson dazu neigt, Cardano zu hypen und es größer zu machen, als es tatsächlich ist. Er ist eine polarisierende Figur, die manchmal mit bizarren Aussagen auffällt und in der Vergangenheit bereits öfter Upgrades und Neuerungen angeteasert hat, ohne diese zu liefern. In eine ähnliche Richtung gehen Hoskinsons wiederholte Seitenhiebe auf andere Projekte oder Aussagen wie jene, dass Cardano nicht für Millionen, sondern gleich für Milliarden von Nutzer:innen gebaut sei. Seine Vorhersage vom Juli 2020 wurde von vielen in der Krypto-Szene als unrealistisch und unseriös kritisiert. Inzwischen wird auch dagegen gewettet, dass das Alonzo-Update tatsächlich am 12. September geschehen wird.

Cardano: Das steckt hinter dem neuen Stern am Krypto-Himmel

Gibt es also überhaupt bekannte dApps, die auf Cardano laufen?

Nein. Es gibt jedoch bereits eine Reihe an bekannten und angekündigten Projekten, die in den Startlöchern stehen würden und auf das finale Alonzo-Update warten. Im Alonzo-Testnet verzeichnet man bereits Aktivitäten.  Letztendlich wird man erst nach dem Update sagen können, wie sehr Cardano wirklich von Entwickler:innen nachgefragt wird. Was es jedoch bisher gibt, ist der dApp Connector der Cardano-Wallet Yoroi, welche die Interaktion zwischen Nutzer:innen und Blockchain-basierten dApps auf der Cardano-Blockchain als Bridge bietet.

Hoskinson meint, dass Cardano technologisch Ethereum überlegen wäre. Welche handfesten Beweise dafür gibt es?

Cardano mag gegenüber Ethereum in einigen Aspekten tatsächlich (derzeit) technisch überlegen sein, jedoch ist technologische Überlegenheit alleine noch kein Garant dafür, dass die Plattform auch in großem Ausmaß genutzt wird. Insgesamt bietet Cardano einige praktische Funktionen und gut durchdachte Lösungen, aber es bietet schlicht keine bahnbrechenden neuen Technologien, die es rechtfertigen würden, es als Ethereum-Killer zu bezeichnen. Zudem holt Ethereum derzeit technisch stark auf.

Rund um Ethereum existiert bereits ein riesiges Ökosystem bestehend aus den wichtigsten DeFi-, NFT- und anderen Smart-Conract-Projekten. Die Netzwerkeffekte der Etherem-Plattform und dessen Community sind das Herz und Hirn der Blockchain-Technologie abseits von Bitcoin. Aufgrund der langsamen Entwicklung von Cardano ist die First-Mover Advantage von Ethereum enorm ausgeprägt. Daran muss Cardano erst einmal aufschließen, und sowas benötigt viel Zeit und Arbeit einer großen Community, die dahintersteht. Zusätzlich ist die Konkurrenz inzwischen nicht untätig geblieben. Neben Ethereum gibt es eine Reihe an größeren Smart-Contract-Plattformen wie z.B. Polkadot, Avalanche, Elrond oder Solana, welche ähnliche Funktionen bieten und eigene Ökosysteme etablieren.

Ob es Cardano wirklich schaffen kann, hier nun nach dem Alonzo Update anzuknüpfen, sich zu etablieren und seinen Platz 3 am Podium zu verteidigen, wird sich erst zeigen. Für Cardano kommt jetzt die entscheidende Phase, in der sich zeigen wird, ob das Projekt auch wirklich den Erwartungen entsprechen kann und der Hype gerechtfertigt war. 

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